Sparpaket und Erbschaftssteuer: "Wohlstand in Österreich bleibt weiterhin vom Zufall der Geburt abhängig"

9. Februar 2012, 13:45

Volkshilfe kritisiert die Ablehnung der Erbschaftssteuer - Privilegien einer wohlhabenden Minderheit werden weiter bewahrt

Enttäuscht zeigt sich der Volkshilfe Präsident Univ. Prof. Dr. Josef Weidenholzer über die neueste Meldung, dass die Erbschafts- und Schenkungssteuer endgültig vom Tisch sei. "Durch diese Entscheidung wird die Chance verpasst, die Kluft zwischen Arm und Reich zu verkleinern. Die Anzahl der Armutsbetroffenen hat in unserem Land bereits einen neuen Höchststand erreicht. Das ist einem reichen Land wie Österreich unwürdig."

Auch Volkshilfe Bundesgeschäftsführer Mag. (FH) Erich Fenninger setzt sich für eine Umverteilung in Österreich ein: "Vermögen ist in Österreich extrem ungleich verteilt. Trotzdem zählen wir zu den europäischen Schlusslichtern bei Vermögenssteuern. Wohlstand ist in Österreich vom Zufall der Geburt abhängig."

Auch die letzte Erbschaftssteuerstatistik zeigt: Im Jahr 2006 trugen 5 Steuerfälle ein knappes Viertel des gesamten Erbschaftssteueraufkommens.

Vermögen in Österreich extrem ungleich verteilt

Die Vermögensschere in Österreich klafft weiterhin auseinander: Nur etwa 2 Prozent aller Haushalte besitzen rund 40 Prozent des gesamten Immobilienvermögens. 54 Prozent des Bruttogeldvermögens sind in Händen von 10 Prozent der Haushalte.

Der durchschnittliche Häuselbauer verfügt über einen Hauptwohnsitz im Verkaufswert von 260.000 Euro. Mit einem Hauptwohnsitz, der 450.000 Euro wert ist, zählt man bereits zu den bestvermögenden fünf Prozent der Bevölkerung. "Durch einen angemessen Freibetrag würden die mittleren und unteren Einkommensschichten nicht belastet werden", sagt Fenninger.

Österreich Schlusslicht bei Vermögenssteuern

Österreich ist neben Estland, Lettland, Schweden und der Slowakei eines der wenigen Länder in Europa, in denen im Erbschaftsfall keine Steuern zu entrichten sind.

Laut den jüngsten Daten der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zählt Österreich bei Vermögenssteuern weiterhin zu den Schlusslichtern. Demnach beliefen sich die Einnahmen aus Vermögenssteuern im Jahr 2008 auf nur 0,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Der OECD-Schnitt betrug 1,8 Prozent.

Pflegebedürftige zahlen bereits "versteckte" Erbschaftssteuer

"Ist man in Österreich auf Pflege und Betreuung angewiesen und kann diese nicht mehr bezahlen, wird auf das persönliche Vermögen zurückgegriffen. Ein Teil der Bevölkerung ist also bereits von einer 'versteckten Erbschaftssteuer' betroffen", betont Fenninger weiter.

"Armut wird gemacht": Wiedereinführung der Erbschaftsteuer sorgt für mehr soziale Gerechtigkeit

Auch Institutionen wie das Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) sprechen sich seit Langem für die Wiedereinführung der Erbschaftssteuer und eine Anhebung der Grundsteuer aus. Die Arbeiterkammer errechnet Einnahmen durch eine neue Erbschaftssteuer von jährlich rund 400 Millionen Euro.

"Armut in Österreich wird gemacht, sie ist 'Made in Austria'. Das kritisieren wir auch in unserer aktuellen Kampagne. Die wachsende Kluft zwischen Arm und Reich muss endlich verringert werden", so Fenninger und Weidenholzer unisono.

Rückfragehinweis: Mag. (FH) Margit Kubala Presse und Kommunikation T +43 (0) 1 402 62 09 14 E-Mail: margit.kubala@volkshilfe.at

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