Wirtschaftskammer wies 2010 ein Minus von 41,3 Prozent auf - Defizite auch bei ÖBB und ORF
Wien - Bei der gesetzlich vorgeschriebenen Einstellung von
behinderten Menschen befinden sich die Wirtschaftskammer
(WKÖ) und die ÖBB weiterhin im Hintertreffen. Das geht aus einer Beantwortung
einer parlamentarischen Anfrage des BZÖ durch das Sozialministerium
hervor. Ebenfalls nicht erfüllt wird die vorgeschriebene Quote von
einigen Bundesländern, vor allem Tirol und Vorarlberg beschäftigen
weniger Behinderte als vorgesehen. Die Daten beziehen sich auf das
Jahr 2010 - laut Sozialministerium die aktuellsten Zahlen.
Unter Anforderungen
Die WKÖ beschäftigte mit
Dezember 2010 statt 46 Menschen mit Behinderungen nur 27 (ein Minus
von 41,3 Prozent). Gleich um 72,7 Prozent unterschritt die Wiener
Kammer die Vorgabe, auch die niederösterreichische und die
burgenländische Wirtschaftkammer blieben mit -36,4 bzw. -60 Prozent
weit unter den Anforderungen. BZÖ-Chef Josef Bucher sprach angesichts
der Zahlen von einem "fatalen Signal an die eigene Wirtschaft und
einer unmoralischen Entwicklung".
Arbeiterkammer erfüllt Anforderungen
Im Gegensatz zur WKÖ erfüllt die Arbeiterkammer (AK) die Quote -
zum Teil auch deutlich über dem Soll. Die AK Wien etwa beschäftigt
statt 23 Personen mit Behinderungen 43, ein Plus von 87 Prozent. Auch
die AK NÖ weist ein Plus von 58 Prozent auf, jene der Steiermark
übertrifft die Quote gleich um 107,7 Prozent, auch jene
Oberösterreichs (+100 Prozent), Kärntens (+60) und Tirols (+77,8)
sind deutlich im Plus. Lediglich die Vorarlberger und Salzburger AK
schafften die Vorgabe nicht (-50 bzw. -16,7 Prozent). Auch der ÖGB
übererfüllt die Vorgaben und beschäftigt mit 75 Behinderten neun
mehr als vorgegeben.
Ebenfalls überwiegend deutlich im Plus sind die
Gebietskrankenkassen: Jene der Steiermark wies 2010 ein Plus von
136,2 Prozent auf, jene Kärntens gleich +171,4 Prozent. Auch die
oberösterreichische Kasse konnte die Quote um 109,2 Prozent
übererfüllen. Die Wiener Kasse stellte mit 140 Behinderten genauso
viele wie vorgegeben an, im Minus war hier lediglich die
niederösterreichische Kasse (-36,8 Prozent).
Defizite bei ÖBB und ORF
Defizite weisen auch die Bundesbahnen und der ORF auf: Bei der ÖBB
Infrastruktur AG waren statt 596 nur 327 Behinderte beschäftigt
(-45,1 Prozent), bei der ÖBB IKT GmbH wurde das Soll um 43,8 Prozent
verpasst, bei der ÖBB Produktion verfehlte man das Ziel um 73,7
Prozent. Auch bei Personenverkehr (-51,2) und Postbus (-32,7) wurden
die Vorgaben nicht erfüllt. Der ORF hatte im Jahr 2010 statt 152
Menschen mit Behinderungen nur 129 in Beschäftigung (-15,1 Prozent).
Große Unterschiede gibt es bei den Ländern: Während 2010 die
Steiermark und Kärnten die Quote deutlich übererfüllten (+69,7 bzw.
+54,5 Prozent), unterschritten Tirol und Vorarlberg die Vorgabe
deutlich (-46 bzw. -42,1 Prozent).
Der Bund übererfüllt die Vorgaben: Mit Stichtag 1. Oktober 2011
beschäftigte der Bund mit 4.331 Behinderten mehr als
gesetzlich vorgeschrieben. Die Gesamtzahlen für 2011 liegen noch
nicht vor. (APA)