Reisen wird zum Luxus

9. Februar 2012, 12:38
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Mehr als ein Viertel der Österreicher fahren mangels Budgets nicht einmal ein paar Tage weg, Fernreisen bleiben den Besserverdienern vorbehalten

Wien - Reisen wird zum Vergnügen für Besserverdiener. Während die Zahl der gut verdienenden Urlauber (Haushaltseinkommen über 3.600 Euro monatlich) im Jahresvergleich 2011 um zwei Prozent auf 63 Prozent zulegte, sank die Zahl der reisenden Personen mit einem Haushaltseinkommen von unter 1.500 Euro von 34 auf 23 Prozent. Fernreisen sind primär ein Minderheitenprogramm für Wohlhabende, geht aus einer Studie der Fachhochschule Salzburg (Sample in Österreich: 1.000 Befragte) hervor. Insgesamt haben gerade einmal 46 Prozent der Österreicher im Vorjahr mehr als fünf Tage am Stück geurlaubt. Ein Rückgang von zwei Prozentpunkten gegenüber 2010.

"Der Anteil von Arbeitern, Pensionisten oder formal niedriger Gebildeten bei Reisen liegt deutlich unterhalb des österreichischen Gesamtdurchschnitts. Eine überdurchschnittlich hohe Reisetätigkeit zeigten dagegen fast zwei Drittel der Wiener, höher Gebildete und Selbstständige", sagte Reinhold Popp, Wissenschaftlicher Leiter des Zentrums für Zukunftsstudien der FH Salzburg, am Donnerstag vor Journalisten. Das fehlende Urlaubsbudget ist laut Umfrage auch der Hauptgrund, warum mehr als ein Viertel der Österreicher nicht einmal ein paar Tage verreisen. Immerhin 16 Prozent gehen grundsätzlich nicht auf Reisen. Lediglich zwei Prozent der Österreicher nutzen ihren Urlaub für Fortbildung.

Auffällig ist, dass Österreich für die Deutschen im Sommer immer uninteressanter wird. Vor allem Frauen finden Österreich zusehends unattraktiv - während sie bei Kroatien ins Schwärmen geraten. Und Frauen sind es auch, die laut Popp in erster Linie bestimmen, wohin die Reise geht. Bedenklich für heimische Touristiker ist auch, dass sich höher Gebildete und Junge immer weniger von Österreich angezogen fühlen. Während die Österreicher trotz Milliardenhaftungen für Griechenland und ständiger Streiks den Griechen weiter die Treue halten, haben die Deutschen das marode Land nahezu boykottiert.

Landbevölkerung bleibt lieber zu Hause

Reisen ist außerdem eine Domäne der Städter. Im Vorjahr gingen 62 Prozent der Stadtbewohner mindestens fünf Tage auf Urlaub, während dies nur 39 Prozent der ländlichen Bevölkerung taten, wie aus der FH-Umfrage hervorgeht. Für einen Inlandsurlaub gaben die Österreicher im Vorjahr im Schnitt 698 Euro aus, für eine Reise in das "Billigland" Türkei hingegen fast das Doppelte. Eine Fernreise ließen sie sich rund 2.500 Euro kosten.

Heuer will ein Viertel der Österreicher im Inland verreisen, knapp 14 Prozent zieht es nach Italien und neun Prozent nach Kroatien. Fernreisen haben elf Prozent im Visier. Von den deutschen Urlaubern wollen heuer nur mehr 3,8 Prozent nach Österreich fahren, im Jahr 2010 waren es noch 4,4 Prozent. Zum Vergleich: Zwei Prozent der Deutschen wollen nach Griechenland, im Vorjahr waren das noch drei Prozent. Darüber darf sich das ebenfalls finanziell schwer angeschlagene Italien freuen, das einen Zuwachs von 6,7 auf 8,3 Prozent erwarten darf.

Ulrich Reinhardt von der FH Salzburg ermahnte am Donnerstag die heimischen Hoteliers, die Kaufkraft der Kundschaft nicht aus den Augen zu verlieren. Die Jagd nach immer mehr Sternen und mehr Tennisplätzen mache das Angebot für immer mehr Menschen unerschwinglich, gab er zu bedenken. (APA)

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    Die Seele baumeln lassen, mehr oder weniger weit in der Ferne: Auch das muss man sich erst einmal leisten können.

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