Österreicher reisen weniger

Reisen wird zur Luxusbeschäftigung

9. Februar 2012, 12:24
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    Für immer mehr Österreicher sind Balkonien oder der nächstgelegene Badesee das höchste der Gefühle. Fernreisen sind vor allem ein Minderheitenprivileg der Besserverdiener.

Starker Rückgang bei Niedrigverdienern - Städter sind reiselustiger - Deutsche wenden sich im Sommer zusehends von Österreich ab

Wien - Reisen wird zum Vergnügen für Besserverdiener. Während die Zahl der gut verdienenden Urlauber mit einem Haushaltseinkommen über 3.600 Euro monatlich im Jahresvergleich 2011 um zwei Prozent auf 63 Prozent zulegte, sank die Zahl der reisenden Personen mit einem Haushaltsverdienst von unter 1.500 Euro von 34 auf 23 Prozent. Fernreisen sind primär ein Minderheitenprogramm für Wohlhabende.

Das geht aus einer Studie der Fachhochschule Salzburg mit 1.000 Befragten hervor. Insgesamt haben gerade einmal 46 Prozent der Österreicher im Vorjahr mehr als fünf Tage am Stück geurlaubt. Ein Rückgang von zwei Prozentpunkten gegenüber 2010.

"Der Anteil von Arbeitern, Pensionisten oder formal niedriger Gebildeten bei Reisen liegt deutlich unterhalb des österreichischen Gesamtdurchschnitts. Eine überdurchschnittlich hohe Reisetätigkeit zeigten dagegen fast zwei Drittel der Wiener, höher Gebildete und Selbstständige", so Prof. Reinhold Popp, wissenschaftlicher Leiter an der FH Salzburg, am Donnerstag. Das fehlende Urlaubsbudget ist laut Umfrage auch der Hauptgrund, warum mehr als ein Viertel der Österreicher nicht einmal ein paar Tage verreist. Immerhin 16 Prozent gehen grundsätzlich nicht auf Reisen. Lediglich zwei Prozent der Österreicher nutzen ihren Urlaub für Fortbildung.

Auffällig ist, dass Österreich für die Deutschen im Sommer immer uninteressanter wird. Vor allen Frauen finden Österreich zusehends unattraktiv, während sie bei Kroatien ins Schwärmen kommen. Und das weibliche Geschlecht ist es, dass laut Popp in erster Linie bestimmt, wohin die Reise geht. Bedenklich für heimische Touristiker ist auch, dass sich höher Gebildete und Junge immer weniger von der Alpenrepublik angezogen fühlen. Während die Österreicher trotz Milliardenhaftungen für Griechenland und ständiger Streiks den Hellenen weiter die Treue halten, haben die Deutschen das marode Land nahezu boykottiert.

Landbevölkerung verzichtet eher auf Reisen

Reisen ist eine Domäne der Städter. Im Vorjahr gingen 62 Prozent der Stadtbewohner mindestens fünf Tage auf Urlaub, während dies nur 39 Prozent der ländlichen Bevölkerung taten, geht aus einer Umfrage der Fachhochschule Salzburg hervor. Für einen Inlandsurlaub gaben die Österreicher im Vorjahr im Schnitt 698 Euro aus, für eine Reise in das "Billigland" Türkei hingegen fast das Doppelte. Eine Fernreise ließen sie sich rund 2.500 Euro kosten. 

Heuer will ein Viertel der Österreicher im Inland verreisen, knapp 14 Prozent zieht es nach Italien und neun Prozent nach Kroatien. Fernreisen haben elf Prozent im Visier. Von den Deutschen Urlaubern wollen heuer nur mehr 3,8 Prozent nach Österreich fahren, im Jahr 2010 waren es noch 4,4 Prozent. Zum Vergleich: Zwei Prozent der Deutschen wollen nach Griechenland, im Vorjahr waren das noch drei Prozent. Darüber darf sich das ebenfalls finanziell schwer angeschlagene Italien freuen, dass einen Zuwachs von 6,7 auf 8,3 Prozent erwarten darf. 

Der deutsche Professor Ulrich Reinhadt von der FH Salzburg ermahnte am Donnerstag die heimischen Hoteliers, die Kaufkraft der Kundschaft nicht aus den Augen zu verlieren. Die Jagd nach immer mehr Sternen und mehr Tennisplätzen mache das Angebot für immer mehr Menschen unerschwinglich, gab er zu bedenken.
(APA)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 31
1 2
accuser
00
13.2.2012, 13:02
das/dass...?!

Lieber Standard, liebe APA...

jetzt aber flott eine Verbesserung, und Zierzeile nicht vergessen.

a wiener kind
00
13.2.2012, 12:18
...war schon immer ein "thema" der "reichen"...

...bzw. ist reisen für jederman ein luxusproblem oder sollte eines seien.

cpt. lightyear
00
13.2.2012, 12:50

Schon immer ist nicht richtig. Im 13. Jhdt wars nicht so besonders wenn Otto Normalverbraucher "ohne Notwendigkeit" schon in Rom gewesen ist. Erst viel später war es dann Privileg zB eines Goethe. Soviel zum sog. Fortschritt.

iniquity
04
11.2.2012, 19:32
Der nächstgelegene Badesee das höchste der Gefühle

Tja schön wärs!

Aber leider haben auch dort die Reichen alle Seegrundstücke aufgekauft und an den 3 wirklich hochsommerlichen Tagen pro Saison ist der einzige öffentliche Zugang heillos überfüllt :-(

Knox le Ville
19
10.2.2012, 08:49
Stadt - Land Gefälle bei Reisen ...

ein Grund dafür wohl auch, daß man am Land auch sehr gute Lebensumstände haben kann: Pool, Garten, ein paar Meter bis zum Wald, viele Möglichkeiten zur sportlichen Betätigung (Beachvolleyballplatz in fast jedem Kaff, unterschiedlich anspruchsvolle Radstrecken für alle Gschmäcker vor der Haustür, ...), Nachbarn die man kennt und mit denen man sich auch noch sehr gut versteht, usw.
Und vor allem eine Ruhe, die Stadtbewohner wohl nur fernab ihrer Wohnungen bekommen können.

cpt. lightyear
00
13.2.2012, 11:47

Das ist romantischer Unsinn. Landbewohner sind genauso empfänglich für Sandstrände, müssen aber mehr Rücksicht nehmen auf das Sanierungsbudget für ihre Heimstatt.

Phosphoenolpyruvat
61
11.2.2012, 18:38
Idyllisch, naiv und lieb.

Aber mit der Realität hat nichts zu tun.

Wunder Wuzzi
00
12.2.2012, 16:09
mit deiner vielleicht nicht...soviel zu naiv

Phosphoenolpyruvat
01
12.2.2012, 16:36
Wuzzi, es gibt immer nur eine Realität.

Ich bin Landei, hier in Wien nach dem Studium steckengeblieben, möchte spätestens im Alter wieder zurück.
Aber sicher nicht aus den von Knox angeführten Gründen, die gibt's nämlich nicht.
Pool, Garten und Ruhe kann ich auch in Wien haben. Radstrecken gibt's hier in Wien zuhauf. Geschweige denn die kulturellen Angebote.
Die Realität auf dem Land ist anders: Ruhe ist keineswegs immer garantiert, nicht jeder hat ein Haus, geschweige denn mit Pool und nicht jeder Landbewohner ist ein lieber Kerl ...

Knox le Ville
00
13.2.2012, 21:39
Das ist wohl deine Realität...

... ich kenne es eben anders. Das ist übrigens bei vielen Freunden und Bekannten so, nette Nachbarn, Hilfsbereitschaft, Bierchen am Gartenzaun, das könnte ich beliebig fortsetzen.
Meine Absicht war allerdings, dass meiner Meinung nach Urlaub nicht gleich Luxus ist - ja, na klar es gibt auch Luxusurlaub, aber der heisst auch schon so.

Phosphoenolpyruvat
00
14.2.2012, 14:43
Deine Meinung steht im krassen ...

... Gegensatz zu soziologischen Untersuchungen. Sieh dir mal den Gerichtsalltag eines BG am Land und in der Stadt an, du würdest dich wundern, mit welchem Hass hier oft (am Land) etwa um ein paar m2 Grund gestritten wird.
Oder: ein Blick in die Kriminalitätsstatistik würde dich staunen lassen!
Diese von dir beschriebene Idylle gibt es - von Ausnahmen abgesehen nicht. Leider.
Das Thema hier auszuführen, ist wohl nicht der geeignete Ort, weil es zu vielschichtig ist.

Urlaub: ja, stimme natürlich zu

Para Dox
00
10.2.2012, 20:08
Naja,

was du schreibst ist 1. sehr subjektiv und trifft 2. auf viele Landbewohner nicht zu (ich kenne z.B. kaum einen Landbewohner, der nicht mit einem seiner Nachbarn im Dauerclinch liegt) und ist 3. manchmal auch ein erheblicher Nachteil (man kennt sich). Böse formuliert könnte man auch sagen, dass sich Landbewohner eher mit ihrer kleinen Welt zufrieden geben.

Nebenbei: Falls du Straßenradrouten meinst, hat man um Ballungszentren in den meisten Fällen wohl die größere Auswahl (no na). Außerdem kann ich von Wien weg in alle Himmelsrichtungen stundenlang radeln und mit dem Zug zurück fahren.

stop-making-sense
21
10.2.2012, 19:26
Ja,

vorallem will ich am Land von "Stadtbewohner meine Ruhe haben"!

Mann40
01
10.2.2012, 08:35

ich sehe schon die neuesten Reiseangebote, ähnlich der Möbel/Elektrohändler "heute verreisen, 36 Monate zinsfreie Rückzahlung"

Pogled
00
Zum Thema Sommer in A und HR

http://diepresse.com/home/lebe... e-vermisst

Ich weiß, das ist böse, vielleicht auch ungerecht, aber so denken vermutlich viele.

Irgendwann in den 70igern bis zu Ende der 80iger habe ich mich dort recht wohl gefühlt, inzwischen bezweifle ich, daß ich schnell genug alt werden kann, um mich dort wohl zu fühlen.

Macht mich vor mir aus dunkelrot, aber ich habe das schon oft gehört

Der Preis allein kann es auch nicht sein, denn die Balkanküste ist nicht mal mehr in Albanien so richtig billig.

Und wer sich angewöhnt hat, am Abend bummeln zu gehen, wird in A auch nicht so recht glücklich.

Küchenschluss vor Sonnenuntergang ist nicht attraktiv, geschlossene Läden ebenso wenig.

»Krawuzikapuzi«
11
Am Stück

Vielleicht kommen deswegen keine Deutschen, piefkinesisch hören die zu hause genauso... :-(

Freedom to the people
00
11.2.2012, 09:48
Na sicher. Schuld sind immer die anderen. In Ö macht man ja keine Fehler!

Ruth Schlabbeeritzka-Pangl
27
Luxus

Kein Wunder, bei der systematischen Aushungerung des Mittelstandes! Den Kleinen kann man nichts wegnehmen bzw. schenkt es ihnen, die Grossen richten sich's, und der Mittelstand zahlt die Zeche. Dass da kein Geld mehr für nicht lebensnotwendige Dinge wie Urlaub übrigbleibt, ist klar. Was uns noch übrigbleibt, ist der Stolz auf unseren "Sozialstaat".

docw
10
10.2.2012, 08:49

(leider) haben sie recht.

Entfesselter Prometheus
00
Heute verreist man um sich die Kosten zuhause zu sparen

florus flagrantius
00
12.2.2012, 18:57
um sich die kosten zuhause zu ersparen geht man ins kaffeehaus

schon seit altenbergszeiten - und in zukunft wieder mehr.

Tiger00
11
Entweder schlechte Studie oder schlechter Bericht

Reisen und Urlaub machen sind KEINE Synonyme!

Wastl Steinbeisser
00
10.2.2012, 21:33
die meisten verreisen im Urlaub nicht deswegen,

weil es wo anders so schön ist, sondern weil sie es daheim so trostlos haben. "Überdruss und innere Leere treiben die Menschen in Gesellschaft und auf Reisen" (A. Schopenhauer).

seng do
00
wer hat, der kann, wer nicht hat, der kann nicht

das europaweite Herunterfahren der Binnennachfrage wird die Tourismusindustrie noch einmal bedenken müssen, während die Grosshotelerie sich aufführt Multis und nie zu wenig Steuern und zu wenig Lohn zahlen.

Andreas W
08
Wozu auch reisen???

Leibeigene und andere Sklaven sollen froh sein, dass sie im schoenen Oesterreich oder D arbeiten duerfen!

Die menschenfreundlichen Unternehmer schenken ihnen ja eh so viel, dass sie sich davon das Wohnen und meist sogar essen und trinken leisten koennen.

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