Der tiefe Fall des längst zurückgetretenen Helden

9. Februar 2012, 11:51
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    foto: epa/bernd thissen

    Seit 2006 wurde gegen Jan Ullrich wegen Dopings ermittelt. Jetzt folgte die Verurteilung durch den Sportgerichtshof.

Mit Jan Ullrich ist ein weiterer Sieger der Tour de France nach jahrelangen Ermittlungen wegen Dopings schuldiggesprochen wor­den. Ullrich, seit 2007 in Sportler­pension, wurde bis 2013 gesperrt

Lausanne/München - Nur ein paar Stunden vor dem Urteilsspruch des Internationalen Sportgerichtshofes Cas zeigte sich Jan Ullrich noch hoffnungsfroh und selbstsicher. "Das ist ein Glückstag für mich", sagte der Olympiasieger des Straßenrennens von 2000 in Sydney. "Ich warte seit fast sechs Jahren auf eine Entscheidung, ich habe viel leiden müssen bis hin zum Burnout. Ich will die ganze Etappe abschließen."

Am Donnerstag konnte Ullrich abschließen, der 38-jährige Deutsche wurde vom Cas des Blutdopings für schuldig befunden. Wegen seiner Verwicklung in die Affäre um den mutmaßlichen spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes wurde der bisher einzige deutsche Gewinner der Tour de France (1997) zu einer zweijährigen Sperre - rückwirkend vom 22. August 2011 - verurteilt. Das Sportgericht annullierte zudem sämtliche Ergebnisse des Radprofis seit dem 1. Mai 2005 bis zu seinem Karriereende im Februar 2007. Darunter fällt der dritte Platz bei der Tour de France 2005 sowie Gesamtsiege bei der Deutschland-Tour 2005 und der Tour de Suisse 2006.

"Es ist bedauerlich, dass Jan Ullrich nicht vorher die Chance ergriffen hat, um von sich aus Klarheit zu schaffen", sagte Thomas Bach, der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes. "Wir hoffen auch in seinem eigenen Interesse, dass er zumindest jetzt einsichtig ist und sich entsprechend erklärt. Dieses Urteil hat gerade im Zusammenhang mit der Contador-Entscheidung abschreckende Signalwirkung." Der 29-jährige Spanier Alberto Contador wurde am Dienstag wegen Clenbuterol-Dopings ebenfalls für zwei Jahre gesperrt, er ist seinen Tour-Sieg 2009 und seinen Erfolg beim Giro 2010 los.

Der Cas sah es als erwiesen an, dass Ullrich ab 1. Mai 2005 in das Dopingnetzwerk von Fuentes integriert war. Besuche von Ullrich bei Fuentes, Zahlungen von 80.000 Euro an den Arzt und DNA-Spuren in bei Fuentes gefundenen Blutbeuteln haben zum Urteil geführt. Ullrich habe "zur Überraschung" des Cas weder die "Richtigkeit der Beweise" noch "sonstige wesentliche Aspekte des Falls infrage gestellt.

Schon 2002 hatte Ullrich eine sechsmonatige Dopingsperre wegen Amphetamin ausgefasst. Dem Antrag des Radsportweltverbandes UCI, Ullrich als Wiederholungstäter lebenslang vom Radsport auszusperren, wurde aber vom Cas nicht stattgegeben. Der Schiedsspruch des Sportgerichts wurde in den letzten Monaten dreimal hinausgeschoben.

"Ich lache mich kaputt"

Höhnisch analysierte der Deutsche Doping-Experte Werner Franke das Urteil. "Ich lache mich kaputt über die Cas-Richter und den Sport, der sich mit Dopingsündern verbündet. Das Urteil war seit Jahren überfällig und ist viel zu weich für all das Zeug. Jan Ullrich ist über zwanzigmal alleine zum Blutdoping zu Fuentes gefahren." Der 71-Jährige kritisierte vor allem das Verhalten Ullrichs, der sportlichen Betrug bis zuletzt kategorisch abgestritten hatte. "Wegen der ungeheuerlichen Lügen dieses Herrn Ullrich habe ich viereinhalb Jahre prozessiert. Ich hätte mir zumindest eine Entschuldigung erwartet."

Die Verwicklung Ullrichs in die als Operacion Puerto berüchtigt gewordene Affäre um Fuentes war am 30. Juni 2006, nur einen Tag vor dem Start der Tour de France, aufgedeckt worden. Ullrich wurde daraufhin von seinem deutschen Team T-Mobile suspendiert. Neben seinem Sieg 1997 wurde Ullrich bei der Tour de France insgesamt fünfmal Zweiter in der Gesamtwertung und gewann sieben Etappen. (DER STANDARD, Printausgabe, Freitag, 10. Februar 2012, krud, sid)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 154
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the falling man
00
10.2.2012, 12:56
die tatsache,

dass man hier den richtigen erwischt hat ändert nichts daran dass der CAS ein rechtsfreier raum ist, an dem nach den prinzipien der inquisition (schuldig bei verdacht) gerichtet wird. und das von rechtlichen vollidioten, wie der originaltext des urteils beweist: http://www.tas-cas.org/d2wfiles/... .02.09.pdf
eine derart schwache urteilsbegründung würde jedem bezirksrichter um die ohren gehauen.

cupertino
00
10.2.2012, 12:52
armstrong der letzte grosse

doper, wo die behoerden nicht den mumm hatten, ihn zu ueberfuehren. ein plaetzchen an der sonnseite in der geschichte.

TheWasteLand
00
10.2.2012, 13:26
Sonnenseite?

So, wie der Radsport in den letzten 15 Jahren gesehen wird, ist die Frage, wie man sich an LA erinnern wird: mit lässigen Anekdoten wie an Coppi, Merckx, Indurain, wird man sich in 20 Jahren noch erzählen, wie er in Südfrankreich durch den Rübenacker fuhr? Oder wird man nur noch fragen, wie er nicht erwischt wurde?
Die Zukunft liegt im Selbstverständnis, das die Organisatoren ihrem Sport nach außen geben: er soll sauber sein, glz geht man ohnehin als Beobachter davon aus, dass ein Grundniveau an Doping im Feld existiert. Ist jeder Fahrer automatisch ein potenzieller Fall für die Strafverfolgung - wer sollte sich das antun? Reicht kreativeres Doping für den Sieg? Hätte Haselbacher was gewonnen, wenn er sich eine neue Blutgruppe erdopt hätte?

schlu
00
10.2.2012, 12:16
schlu
00
10.2.2012, 12:18

schöne erklärung auch auf seiner web-site
http://www.janullrich.de/news/18/e... gangenheit

Dr Albert S. Meinheimer aka. Earl Hacker
11
10.2.2012, 12:14
Danke Ulle!

Danke Ulle für die geilen Duelle mit Armstrong, mit einem stärkeren Team, wären noch der eine oder andere "Tour-Sieg" dazugekommen. Das es im Radsport auf diesem Level ohne Blutdoping nicht geht, weiss jeder, der nur sich nicht selbst belügt. Scheinheilige Journalisten ("Der tiefe Fall",lol), werden daran nichts ändern.

Bekka
 
20
10.2.2012, 12:00
im nachhinein lustig

war immer das große jammern der deutschen medien, dass ulrich über weihnachten viel an gewicht zugelegt hat.

zu viele süssikeiten ... zu wenig training ... wird er das bis zur tdf noch runterbringen ... usw. usw.

erst später hat man erfahren, dass die gewichtszunahme durch exzessives doping in der vorbereitung verursacht wurde.

macstar
00
10.2.2012, 12:22
exzessive gewichtszunahme durch doping?

haben sie dafür beweise am besten ein paar links?
ich war und bin immer noch anhänger der süssigkeitenä-theorie, alleine schon deshalb, weil alle anderen fahrer KEINE gewichtsprobleme hatten.

Bekka
 
00
10.2.2012, 14:43
ok mein fehler

die gewichtszunahme entsteht durch die "doping-pause".

zitat hütthaler:
"Wenn ich mit dem Zeug aussetzte, nahm ich nach nur wenigen Tagen sofort zu. Schauen Sie sich manche Ausdauersportler an, die sind im Winter immer viel dicker als im Sommer. Die Leute glauben, die Sportler legen zu, weil sie im Winter zu viel Süßes essen. Das ist Quatsch."

http://www.spiegel.de/spiegel/0... 32,00.html

macstar
00
10.2.2012, 21:21
danke für die aufklärung

entweder heisst das, dass ullrich radikaler abstinentler war, was aber nicht sein kann, da er ja des dopings überführt wurde... oder aber dass sich andere sogar über die winterpausen das zeug hineingezogen haben, aber ullrich nicht. was nichts anderes hieße, dass die anderen -und soviel versteh ich vom doping auch - total falsch und kontraproduktiv gedopt haben, während sich ulle ausm ostblock brav an den plan hielt.. und trotzdem noch in der tour verblasen wurde...

sie sehen.. die rechnung geht doch irgendwie nicht auf oder?
ich bleib dabei..... ullrich haat über weihnachten gerne und viel schoki genascht :D

bademeister
13
10.2.2012, 11:59
was werfen profiradsportfans jan ullrich eigentlich vor?

dass er gedopt hat oder dass er erwischt wurde?

das offenbarende statement von bjarne riis über doping im radsport ist schon wieder vergessen?

also entweder ich bin ein fan von dieser sportart und muss akzeptieren, dass die besten offensichtlich notgedrungen dopen müssen um vorne mit dabei zu sein, oder ich verabscheue den ganzen profiradsport und nicht nur jene, die bereits erwischt wurden.

peinlich jedenfalls, wie manche radsportfans? hier auf andere sportarten verweisen, und sich naiv an jene spitzenleute im radsport klammern, die NOCH NICHT erwischt wurden.

die doppelmoral dieser "fans" ist eigentlich zum kotzen.

merke:doping SPIELTnicht fußball aber tritt offensichtlich tausende km wochenlang wie ein irrer in die pedale

yofrog
00
10.2.2012, 13:59

notgedrungen... niedliche verharmlosung...

TheWasteLand
00
10.2.2012, 12:24

Können Sie den letzten Satz näher ausführen?

jezzybuk
00
10.2.2012, 11:44

100 positive Dopingproben, bei FUSSBALLERN!!

http://www.heute.at/sport/fus... 663,613089

Barthel Wolf
05
10.2.2012, 11:41
DOPING IM FUSSBALL

Im Fussball wird gedopt, es gibt aber keine Verurteilungen:

http://www.zeit.de/sport/201... g-fussball

http://www.cycling4fans.de/index.php?id=4364

Ahnungs Loser
01
10.2.2012, 11:57
cyclingforfans.de

ist die verzweiflung wirklich schon so groß, dass man krampfhaft dopingsünder in anderne sportarten suchen muss um zu relativieren...?

jezzybuk
00
10.2.2012, 11:30

DOPING im FUSSBALL aber keine Dopingverfahren !!!

http://www.tagesspiegel.de/sport/dop... 71874.html

niki123
02
10.2.2012, 11:30
@ zwergsteirer

was für beweise brauchen sie noch? er hat es doch gestanden..

Zwergsteirer
00
10.2.2012, 12:31
ja, jetzt

ABER er wurde angeklagt ohne positiven test.

jezzybuk
04
10.2.2012, 11:29

Affäre Fuentes:
http://de.wikipedia.org/wiki/Dopi... al_Fuentes

Zitat: "Im September 2006 klagte der UCI-Präsident Pat McQuaid über die Beschränkung des Dopingskandals auf den Radsport. Fuentes hatte bereits nach seiner Verhaftung bestätigt, dass die Mehrheit seiner Kunden in anderen Sportarten tätig war. Soweit es McQuaid bekannt war, kämen von den rund 200 betroffenen Sportlern nicht einmal 30 % aus dem Radsport..... Es gehörten vor allem FUSSBALLSPIELER der spanischen Primera División und diverse Leichtathleten dazu." Warum gibt es keine Dopingverfahren gegen FUSSBALLER?? Weil die Fifa und Uefa das unterbindet !!!

macstar
70
10.2.2012, 11:23
sie alle fallen, oder sind schon gefallen: ullrich, basso, contador, usw.

nur lance armstrong konnte man, obwohl er der mit abstand am häufigsten kontrolllierte athlet der sportgeschichte war, nie etwas nachweisen. (und jetzt komme mir keiner damit, dass man eine abgelaufene, ev. sogar verunreinigte alte probe positiv getestet hat, das würde jeder putzfrau genauso passieren)

während sich ullrich über den winter winterspeck angefressen hat, war armstrong schon am abfahren der kommenden tour etappen, selbst bei strömendem regen und eisiger kälte, schaut euch die youtube videos dazu an.

Thanus
01
10.2.2012, 12:31

Armstrong hat es wie kein anderer verstanden, dem ahnungslosen Zuseher die Mär vom weniger begabten aber umso härter trainierenden Ami glaubhaft zu machen.

BenutzerMich
00
10.2.2012, 11:40

sie haben viel ahnung von sportwissenschaft, nicht?

: )

neuraltradingfx
00
10.2.2012, 11:17

also vom jan ullrich haette ichsowas nie gedacht. eine welt bricht zusammen.

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