Nach Tibet-Unruhen

Säuberungen in chinesischer KP

9. Februar 2012, 12:28

Drei hohe Parteikader abgesetzt

Peking - Die jüngsten Unruhen in Tibet und in tibetischen Gebieten der Nachbarprovinz Sichuan haben nun zu Säuberungen im regionalen Parteiapparat der chinesischen KP geführt. Der Parteichef von Tibet, Chen Quanguo, ein Han-Chinese, hat am Donnerstag die Absetzung von drei hohen Funktionären veranlasst, denen Versagen während der Ereignisse angekreidet wurde. Chen rief zur konsequenten Fortsetzung des Kampfes gegen die separatistische "Dalai-Lama-Clique" auf, wie die regionale KP-Zeitung "Xizang Ribao" berichtete. Dieser Kampf sei "lang und schwierig" und müsse mit großem Einsatz geführt werden.

Überwachung der Klöster verschärft

Die chinesischen Behörden haben die Überwachung der buddhistischen Klöster in Tibet weiter verschärft. Die US-Regierung hatte sich "sehr beunruhigt" über jüngste Ausschreitungen in tibetischen Siedlungsgebieten Südwestchinas gezeigt und Peking vorgeworfen, mit einer "kontraproduktiven Politik Spannungen zu schaffen und die religiöse, kulturelle und sprachliche Identität des tibetischen Volkes zu gefährden". Peking beschuldigt westliche Regierungen, eine antichinesische Kampagne zu inszenieren und Zwischenfälle von geringer Bedeutung zu Unruhen aufzubauschen. Der Ministerpräsident der tibetischen Exilregierung in Nordindien, Lobsang Sangay, hat eine internationale Untersuchung der Vorfälle gefordert.

20 Selbstverbrennungen

In den vergangenen Monaten haben sich an die 20 Tibeter aus Protest gegen die chinesische Herrschaft selbst in Brand gesetzt. 1965 hatten die chinesischen Kommunisten große Teile Tibets an die Nachbarprovinzen Qinghai und Sichuan angegliedert. In Sichuan waren die Behörden zuletzt wieder massiv gegen Tibeter vorgegangen. Rund 300 buddhistische Mönche wurden im Vorjahr aus dem Kloster Kirti verschleppt.

Der schwer zugängliche buddhistische Klosterstaat Tibet war von 1720 bis 1912 chinesisches Protektorat und nach dem Ende des chinesischen Kaisertums faktisch selbstständig unter der Herrschaft des Dalai Lama. 1950/51 marschierten chinesische kommunistische Truppen in Tibet ein. 1959 schlugen sie einen Volksaufstand blutig nieder, der 14. Dalai Lama, Tenzin Gyatso, floh mit über 100.000 Landsleuten über die Grenze nach Indien. (APA)

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17 Postings
waunsinn
03

Wenn Österreich das gleiche Argument verwenden würde, mit dem die Chinesen Tibet besetzten ('Es war von 1720-1912 chinesisches Protektorat' - ohne wirklich politische Macht auszuüben), dann müsste alles was bis 1918 Teil von Österreich-Ungarn war, vom Bundesheer überrannt und wieder eingegliedert werden. Undenkbar in Europa, aber politische Argumentation Chinas. Zutiefst absurd und nur machtpolitisch bedingt.

Killer Bunny
31

Fundamentalistische Buddhisten hier, fundamentalistische Islamisten dort. Und deswegen stimmt man im Sicherheitsrat auch so ab. Innere Angelegenheiten halt.

Logyal
10
???

Was, bitte sind "fundamentalistische Buddhisten" ?
Haben sie einen Tau, davon, was "Buddhismus" ist ?

Killer Bunny
20

Ich hab ja nur geschrieben, wie China es in der Außendarstellung interpretieren könnte und warum sie im Sicherheitsrat so abgestimmt haben.

Logyal
01
???

Killer Bunny
00

Dieses Posting drückt natürlich nicht meine Einstellung dazu aus.

egal9
10

Sie fordern also eine militärische Intervention in Tibet, weil es keine innere Angelegenheit ist?

Killer Bunny
01

Ich verlange gar nix. Wenn die Chinesen gscheit wären, würden sie Tibet die Freiheit geben.

papst benedikt
45

wenn die apa ihre redaktion umbaut oder diverse ressorts mit anderen joirnalisten besetzt, nennt man das dann auch eine SÄUBERUNG?

der Rabe
00
In unserem Gemeinderat haben sie zuletzt auch ein paar Köpfe ausgetauscht, also auch Säuberungen

best 29091964
02
Wie eine Hydra....

sind die regionalen Parteiapparate der chinesischen KP. Da wird sich so schnell nichts zum Guten ändern. Wenn China in Sachen Tibet nicht bald Dialogbereitschaft zeigt, wird es noch ganz bitter werden für das tibetische Volk - vor allem für buddhistische Mönche und Nonnen. Eine UN-Sonderkommission müsste eingerichtet werden um weiteres Unheil zu verhindern. Aber China spielt auf Zeit und wird vor dem Parteitag im Herbst nicht
nachgeben.

gewissengewissen
 
15
gesäubert, weil sie ZU WENIG SCHARFMACHER waren ...

... dürfte das im Klartext heissen?

egal9
42

So viel Blödheit tut weh...

Das Letzte, woran die chinesische Regierung ein Interesse hat, ist eine Eskalation. Dabei stellt sie sich vlt. nicht immer schlau an, aber den Konflikt absichtlich anheizen? Ernsthaft? Eher eine Mischung aus Zugeständnissen und Repression. Die 3 wurden abgesetzt, weil es in letzter Zeit zu oft eskaliert ist! Das ist doch hier nicht anders. Wenn ein Minister ungeeignet ist und seine Aufgaben nicht erfüllt, wird er ersetzt (manchmal wenigstens..)

Warum gilt für Tibeter eigentlich die Ein-Kind-Politik nicht, wenn es die Regierung so schlecht mit ihnen meint?

Logyal
11
Warum gilt für Tibeter eigentlich die Ein-Kind-Politik nicht, wenn es die Regierung so schlecht mit ihnen meint?

Sie scherzen wohl ? Bei der Anzahl von Zwangssterilisationen...

egal9
30

"Bei der Anzahl von Zwangssterilisatione"

Welche Anzahl denn? Ich finde dazu auf Anhieb keine seriösen Quellen, sondern nur Dalai-Lama-Fanclubs und die unseriöse IGFM.
Und von dieser Maßnahme sind primär Han-Chinesen betroffen, die sich nicht an die Ein-Kind-Politik halten, wobei das auch stark abgenommen hat und diese Maßnahme immer weniger angewandt wird.

Minderheiten sind Grundsätzlich von der 1-Kind-Politik ausgenommen.
Zwangsst. gab es übrigens u.a. auch in Indien, Kanada und den USA.

Mariana
03
Vielehen sind "barbarisch" - Zwangsabtreibungen nicht

In einigen, kargen Regionen Tibets war die Vielehe üblich - eine Frau hatte mehrere Männer. Der Grund war, dass fruchtbares Land ein rares Gut in diesen Gegenden ist und jede tibetische Familie Anspruch auf ein Stück Ackerland hatte. Die Vielehe hatte sich bestens bewährt und kam gänzlich ohne Zwangsmaßnahmen und Verbote aus. Die chin. Parteikader fanden diese aus der Not geborene Sitte "barbarisch".

Viele Tibeter nennen die chin. Krankenhäuser "Schlachthäuser". Mir sind 3 Tibeterinnen persönlich bekannt, die brutale Zwangsabtreibungen im 8. Monat über sich ergehen lassen mussten. Sie sollten ihrem unseriösen Parteikader-Fanclub vielleicht nicht alles glauben - Papier der Staatspropaganda ist ja bekanntlich geduldig.

Logyal
15
Mit dem Rücken zur Wand

Es ist tragisch und schmerzhaft, zu ahnen, was sich seit Jahrzehnten in Tiet abspielt. Und es scheint, das der Zustand für viele Tibeter so unerträglich geworden ist, daß sie gegen eine wohlbewaffnete, gut organisierte Übemacht anrennen...

Erinnert ein wenig an die Guanchen auf Teneriffa, die beim 2.Angriff der Spanier selbstmörderisch die Befestigung der Spanier erklettereten...

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