FRAND

Apple will Lizenzbedingungen für Mobilfunk überarbeiten

9. Februar 2012, 14:10

Microsoft und Cisco schließen sich den Forderungen des iPhone-Herstellers an - Google nicht

Im November 2011 hat Apple einen Brief an das Europäische Institut für Telekommunikationsnormen (ETSI) geschrieben und sich beklagt, dass es der Telekommunikationsindustrie an einer durchgehenden Politik fehlt, wenn es darum geht, dass Hersteller eine Serie an Patenten lizenzieren müssen, um Geräte zu bauen, die in mobilen Netzwerken funktionieren.

Neue Regeln

Apple schlug vor, dass das ETSI Regeln für angemessene Lizenzgebühren, im Zusammenhang mit Patenten zur Implementierung seiner Standards, festlegt. Das ETSI ist Teil des 3rd Generation Partnerschip Projects (3GPP), das für die Standardisierungen von GSM, UMTS und LTE zuständig ist.

Mehr Transparenz

Der Konzern plädiert für mehr Transparenz bei den Lizenzgebühren in der Telekom-Industrie. Momentan werden sie im Geheimen verhandelt. Dadurch ist es schwierig zu überprüfen, ob die sogenannten FRAND-Lizenzbedingungen wirklich "fair, zumutbar und nicht diskriminierend" sind.

Apple stellt in seinem Brief klar, dass es ein Portfolio an wesentlichen Patenten für Mobilfunkstandards besitzt, die für das ETSI und andere Standardisierungsorganisationen relevant sind. Seit 2007, mit dem erscheinen des iPhones, hat Apple sich verpflichtet, diese Patente an andere Unternehmen unter FRAND-Bedingungen zu lizenzieren.

Drei Punkte

In dem Brief macht Apples Chef für intellektuelles Eigentum, Bruce Watrous, drei Vorschläge, wie Apple sich eine fairere Vergütung von Patenten vorstellt. Erstens sollte die Höhe der Patentgebühren davon abhängen, wie viele FRAND-Patente nötig sind, um standardisierte Technologien nutzen zu können. Dadurch sollen sich die Gebühren auf mehrere FRAND-Patente aufteilen und niedriger werden.

Vergleichbares Produkt

Zweitens will Apple, dass die Gebühr nicht höher sein darf, als der Durchschnittspreis eines vergleichbaren Produkts. Bei einigen Lizenzen muss der Prozentsatz im fertigen Produkt berücksichtigt werden. So wäre es übertrieben für ein Auto mit UMTS-Modul einen Prozentsatz des Verkaufspreises des ganzen Autos zu verlangen.

Verkaufsverbot streichen

Als letzten Punkt soll die Möglichkeit eines Verkaufsverbots aus den FRAND-Lizenzierungen gestrichen werden. Nach Apples Ansicht entspreche ein Verkaufsverbot nicht den Richtlinien von FRAND.

Microsoft und Cisco

Nachdem der Brief von Apple am Dienstag 7. Februar öffentlich bekannt wurde, veröffentlichte am Tag darauf Microsoft auf seiner Seite eine Stellungnahme. In der verspricht der Konzern unter anderem, dass er seine FRAND-Patente nicht mit Verkaufsverboten durchsetzen wird. Florian Müller von Foss Patents veröffentlichte einen Brief von Cisco an das ETSI vom Jänner 2012, in dem das Unternehmen die Forderungen von Apple unterstützt.

Google

Google ist bisher nicht direkt auf die Forderungen Apples eingegangen. In einen Brief an das Institute of Electrical and Electronics Engineers (IEEE), der ebenfalls von Foss Patents veröffentlicht wurde, schreibt der Internet-Konzern, dass Google die FRAND-Politik von Motorola Mobility beibehalten wird. Mit der Übernahme von Motorola hat Google auch den Rechtsstreit mit Apple übernommen.

Umsatzbeteiligung

Google will auch explizit die Umsatzbeteiligung von 2,25 Prozent für UMTS-Funktionen beibehalten. Was entgegen den Forderungen Apples ist. Als im letzten Jahr Microsoft von einigen Android-Herstellern eine Lizenzgebühr von bis zu 15 US-Dollar verlangte, meinte Google, dass Microsoft versucht Gewinne aus den Leistungen Anderer zu erpressen und das Innovationstempo zu senken. (soc)

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neeeed
02
ein simpsons-haha an alle beteiligten firmen

JEEETZT kommens schön langsam drauf dass das ganze etwas aus dem ruder läuft...

neeeed
11

jetzt will apple ja z.b. in richtung fernseher gehen und wahrscheinlich auch andere (preislich) große produkte - 2,25% von einem 3.000 EUR fernseher ist ja nicht so wenig ;)

boesel
11
interessant wäre auch, …

… ob Apple diesen Vorschlag auch gemacht hätte, wenn Google Motorola nicht kaufen würde (und damit viel weniger Patente hätte – wie es noch vor einem halben Jahr war)?

Professor Marcus
03

Ich denke eher, wenn Google und Motorola die FRAND-Richtlinien für sich selber nicht neu auslegen würden und damit der restlichen Industrie ans Bein pinkelt.

In Beträgen umgerechnet verlangt Motorola für EIN FRAND-Patent ca. US$ 10,-- pro verkauftem Gerät, während sich beispielsweise der absolut branchenübliche Lizenzbetrag für den GESAMTEN Wlan-FRAND-Patente-Pool von Via Licensing 55 Cent pro verkauftem Gerät beträgt.

Hier muß man sich berechtigterweise natürlich schon die Frage stellen, wie Google, Motorola und Samsung "fair, reasonable and non-discriminatory" definieren.

Deshalb bin ich da voll bei Apple, Cisco und Microsoft - einheitliche FRAND-Regeln, die für ALLE gelten, ansonsten sieht's für Standards in Zukunft schlecht aus.

Professor Marcus
02

Sorry, der erste Satz sollte eigentlich so lauten:

Ich denke eher, wenn Google und Motorola die FRAND-Richtlinien für sich selber nicht neu auslegen und dadurch der restlichen Industrie nicht ans Bein pinkeln würden, wäre dieser Brief auch gar nicht nötig gewesen.

brittonberkan
52
Google gegen alle.

Wirklich auffällig, wie die anderen Big Player am Tech-Markt (Microsoft, Facebook, Apple, Cisco, Sun) schon beinahe Allianzen gegen Google schmieden.

Wird zwar einerseits eine schwere Zeit für Google (die Gegner machen ja zum Teil mehr Gewinn als Google Umsatz, und arbeiten noch dazu zunehmend zusammen), andererseits zeigt das auch, dass die anderen Unternehmen durchaus ein wenig Angst vor Google haben dürften. Und das nicht zu Unrecht, bedenkt man Google's hervorragende Positionierung im Hinblick auf Cloud Computing und den Smartphone-Markt

Professor Marcus
02

Ich glaube das hat weniger mit Angst als mit dem Umstand zu tun, dass Google die Angewohnheit hat, den anderen Mitbewerbern ans Bein zu pinkeln. Im konkreten Fall geht es Google nur darum, die existierenden FRAND-Usancen aufzubrechen, um durch exorbitant hohe Lizenzgebühren für Patente, die Teil eines Standards sind, ordentlich abzukassieren. Nicht mehr, nicht weniger.

neeeed
10

ähm - machen das nicht alle? siehe: microsoft verdient $15 pro android-gerät - das klingt nach genau den selben 2,25% wie auch google nun (dank motorola) von seinen mitbewerbern erhält

Professor Marcus
00

Der Unterschied ist der, dass es sich bei Google/Motorola und Samsung um FRAND-Patente handelt.

ToMaKa
04
alle gegen Google... ich kann es nachvollziehen

Gibt es überhaupt einen Big Player dem Google noch nicht ans Bein gepinkelt hat?

Ich weiß schon, Google positioniert sich erfolgreich als Underdog der doch nur Gutes tut und die Menschheit liebt... In Wahrheit sind aus genauso auf Gewinn fixiert wie alle anderen.
Wenn ich alle gegen mich aufbringe, was kann ich da dann noch groß an Entgegenkommen erwarten? Google hat sich offenbar noch nicht daran gewöhnt das sie den Status eines mächtigen Konzerns erreicht haben - da kann man nicht mehr tun was man möchte ohne Rücksicht auf andere. Aber sie werden es schon bald merken.
Sowohl in den US als auch in der EU laufen Überprüfungsverfahren bzgl Datenschuz und Kartellrecht gegen Google.

galiontariaho
22
ansich hat apple hier auf jeden fall recht..

aber wirkt doch recht verlogen von einem unternehmen, das auf der einen seite lizenzgebühren für technische geräte berappen muss und auf der anderen seite aber anhand von geschmacksmuster konkurrenzprodukte verdrängen möchte.

so oder so ist die initiative auf jeden fall ein guter schritt, aber das geht ansich nicht weit genug, das patent-unwesen gehört allgemein reformiert.

googles verhalten dagegen ist in diesem fall zu verurteilen. an der frand-politik festzuhalten die vor allem den endkunden schadet ist einfach nicht zeitgemäß.

neeeed
30

ich muss google hier verteidigen, aber nur soweit dass sie genau so "evil" sind wie alle anderen auch

google hat motorola aufkaufen MÜSSEN damit sie nicht die gefi**ten sind und nur mehr für patente zahlen müssen, so bekommen sie auch was über die motorola-patente herein, gleicht sich also erst jetzt aus
und JETZT (nachdem google mrd'en ausgeben hat müssen für dieses patent-theater) kommt apple drauf dass das ganze ziemlich oasch is wenn man fremde patente verwenden muss und nicht nur selbst welche hat und an diesen verdient

Professor Marcus
02

Google hat Motorola nicht zum Schutz aufkaufen müssen, aber sie haben es (u. a. mit Hilfe des Blogposts "When Patents attack Android" von Dave Drummond) so aussehen lassen. Recht clever eingefädelt, eigentlich.

In Wahrheit ist das Ziel aer anscheinend ein anderes, denn so wie sich die Sachlage im Moment darstellt, geht es Google in erster Linie nur um's Abkassieren von exorbitant überhöhten Lizenzgebühren für Patente, die Teil eines Standards sind. Lizenzgebühren, an denen die Mitbewerber nicht vorbeikommen, wenn sie Produkte auf den Markt ringen wollen, welche diese Standards nutzen. Das riecht förmlich nach einer Situation, welche eben genau durch die FRAND- Bestimmungen vermieden werden soll.

neeeed
10

naja - aber dass google jetzt gegen die änderung ist ist ja verständlich, schließlich haben die für motorola mrd'en bezahlt, und ohne die patente hätte motorola sicher nicht diesen betrag bekommen ;)
ich frag mich halt nur wieso apple nicht vor der motorola-übernahme (die ist ja nicht so lange her, und dass google motorola aufkaufen will war schon monate vorher im gespräch) mit diesem wunsch gekommen ist?

Professor Marcus
00

Wie schon oben gesagt, der Unterschied ist, dass es sich hier um FRAND Patente handelt und sich Motorola damals verpflichtet hat, diese Patente zu den FRAND-Bedingungen der Konkurrenz zur Verfügung zu stellen. Im Nachhinein hergehen und sagen "Ätsch, wir wollen jetzt doch viel mehr Knete von euch" ist bei FRAND-Patenten leider nicht drinnen.

neeeed
00
versteh ich jetzt nicht

a) frand haben so ziemlich alle
(übrigens, siehe auch http://jan.wildeboer.net/2012/02/f... d-numbers/ )

b) 2,25 % entspricht meines wissens auch den bedingungen der konkurrenz (MS verlangt ja angeblich sogar etwas mehr)

c) wer sagt jetzt im nachhinein dass er mehr geld will?? google? in diesem artikel steht jedenfalls nichts davon...

Professor Marcus
00
11.2.2012, 11:32
Die Sache mit FRAND - Teil Eins

Wenn ein Konzern eine Technologie als Teil eines Industriestandards einbringt, dann MUSS diese Technologie ausnahmslos an alle Interessenten zu fairen, zumutbaren und nicht-diskriminierenden Bedingungen lizensiert werden.

Ein fiktives Beispiel zur Verdeutlichung:
Wenn sie ein Stromnetz aufbauen wollen, brauchen sie überall im Land die gleichen Steckdosen und Stecker. Also tut sich eine Industriegruppe zusammen und schafft einen Standard für Stecker und Steckdosen. Es mag jetzt sein, daß ein Mitglied dieser Industriegruppe ein Patent auf das Design/die Technologie dieser Stecker und Steckdosen hält, aber natürlich JEDE Firma, die Elektrogeräte herstellt, eben genau diese(s) Design/Technologie verwenden MUSS, weil es ja standardisiert ist.

Professor Marcus
00
11.2.2012, 11:32
Die Sache mit FRAND - Teil Zwei

FRAND besagt nun, daß der Patenthalter jeder Firma eine Lizenz für die Benutzung seines Steckerdesigns erteilen MUSS, und zwar zu fairen Bedingungen. Es darf niemand bevorzugt oder benachteiligt werden und die Bedingungen MÜSSEN für alle Lizenznehmer gleich sein.

Genau das machen Motorola und Samsung eben gerade nicht und lizensierenw Apple ihre standard-essentiellen Patente, welche unter die FRAND-Bestimmungen gestellt wurden, zu anderen Bedingungen als den restlichen Lizenznehmern.

Um beim Stromnetz-Beispiel zu bleiben:
Motorola sagt, wir wollen von Apple nicht (wie von allen anderen) 20 Cent für die Benutzung unserer Steckertechnologie, sondern einen Prozentsatz des Verkaufspreises ihrer Elektrogeräte.

neeeed
00
11.2.2012, 20:44

danke für die lange ausführung, aber das war mir schon klar ;)

zum letzten absatz: das steht in diesem artikel nicht wirklich explizit drinnen - haben sie einen link vielleicht in dem das gesagt wird oder ist das nur ihre persönliche einschätzung/interpretation?
weil ich lese aus diesem artikel nur dass motorola 2,x prozent verlangt - nicht aber dass sie von apple mehr verlangen als von anderen...

Professor Marcus
00
11.2.2012, 23:39

Das war eigentlich nur meine Interpretation bzw. Einschätzung der Lage. In Wahrheit ist es etwas komplizierter, aber vom Prinzip her läuft es auf das selbe Ergebnis hinaus.

Hier ein Artikel, über den ich soeben gestolpert bin, der die Situation sehr schön zusammenfasst und bessr erklärt, als ich es kann:

http://www.appleinsider.com/articles/... mages.html

neeeed
00

aja, und wegen dieser sache mit der marktmanipulation von samsung (ganz davon abgesehen dass das nichts mit google zutun hat): ich versteh nicht was daran so schwierig ist es ihnen auch zu beweisen wenn es so war
weil dann hat apple (z.b.) sicher rechnungen für die bezahlten lizenzen
naja, wir werden sehen was bei der untersuchung rauskommt

hellfast
01

habt's das so im pausenhof von der hauptschule besprochen?

neeeed
10

wtf?

Johnny Chicago
12

obwohl ich apple prinzipiell recht gebe,
finde ich es sehr arm; mit patentklagen trollen und dann flennen, wenn der sh1rstorm kommt... arm

Professor Marcus
12

Nein, hier heht es darum, dass Google eben nicht nach den "Fair, Reasonable and Non-Discriminatory"-Regeln spielen und ein eigenes Süppchen kochen will. Im Endeffekt würde der Kunde ordentlich draufzahlen, wenn Google für standard-essentielle Patente 10 Dollar und mehr pro Patent und Gerät verlangen und damit durchkommen würde.

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