Bevölkerung entscheidet über buddhistischen Stupa-Bau in Gföhl

9. Februar 2012, 11:03

Votum ab 50 Prozent Beteiligung für Gemeinderat bindend - Projekt als Weltfriedensdenkmal

Gföhl - "Kleine Stadt mit großem Herz" steht auf der Homepage von Gföhl (Bezirk Krems). Ob sich der Slogan auch auf Toleranz bezieht, wird sich am kommenden Sonntag zeigen: Dann sind die Bürger der Waldviertler Gemeinde nördlich von Krems nämlich aufgerufen, über einen buddhistischen Stupa-Bau zu entscheiden. Das Projekt einer Wiener Stiftung ist nicht unumstritten, zuletzt ließ die Stadt-FPÖ sogar die Koalition mit der ÖVP platzen.

Dem Wortlaut nach geht es in der Volksbefragung darum, ob das betreffende Grundstück für die Errichtung des Sakralbaus umgewidmet werden soll. Bürgermeister Karl Simlinger (ÖVP), der für das Vorhaben eintritt und sich nicht zuletzt auch touristische Impulse für Gföhl erwartet, hofft auf Zustimmung der Bevölkerung. Die Leute seien aber geteilter Meinung, ein Ergebnis daher für ihn nicht abschätzbar, meinte er. Zudem sei auch nicht vorauszusehen, ob überhaupt genügend Wahlberechtigte an der Befragung teilnehmen (mindestens 50 Prozent, Anm.), um ein für den Gemeinderat bindendes Ergebnis zu erzielen.

Größtes Weltfriedensdenkmal Europas

Hinter dem Projekt stehen die Lotos-Lindmayer-Privatstiftung und der Pyung Hwa Sa Friedensverein, Projektleiter ist der südkoreanische Mönch Bop Jon Sunim, der auch einen Stupa in Ungarn realisiert hat. Den Informationen auf der Homepage zufolge soll auf einer Anhöhe im Osten von Gföhl das größte Weltfriedensdenkmal Europas entstehen. Neben dem Stupa mit einer Halle für 100 bis 150 Personen (Durchmesser: 20 Meter) ist auf dem zwei Hektar großen Areal ein rund 600 Quadratmeter großes Gebäude mit Gemeinschaftsräumen, sieben Wohnstudios für die Ordensmönche und -nonnen sowie Meditationsräumen geplant. Dazu kommen ein Kiosk mit Sanitäranlagen und Parkflächen für Besucher, gerechnet wird mit 3.000 bis 5.000 Gästen pro Jahr. Kulturpolitisch sei eine Zusammenarbeit mit den Waldviertler Stiften und Schlössern angedacht.

In der über lokale Grenzen hinausgehenden Diskussion hatten u. a. BZÖ-NÖ-Chef Ewald Stadler und die FPÖ ihre Ablehnung bekundet. Namhafte kirchliche Persönlichkeiten mahnten eine "sachliche und respektvolle Diskussion" ein, die Österreichische Buddhistische Religionsgesellschaft sprach einen Toleranz-Appell aus. Der St. Pöltener Diözesanbischof Klaus Küng äußerte hingegen Vorbehalte - er wunderte sich nicht nur über den Standort, sondern teilte auch mit, dass er das Projekt "sicher nicht befürwortet" hätte, wäre er gefragt worden.

Zwei buddhistische Mönche vor Ort

Egal wie das Votum ausfallen werde, wichtig sei der Kampf für den inneren Stupa, für die ins Herz gepflanzte Friedensvision, meinte Elisabeth Lindmayer. Bop Jon Sunim habe viele Menschen aufgerüttelt, erklärte Lindmayer, die sich über die "immer mehr werdenden" positiven Stimmen freue - auch aus Gföhl, wo viele Menschen für das nicht nur für Buddhisten gedachte Friedensdenkmal seien. Sie betonte, dass in dem Gebäude zwei Mönche leben würden, um - wie in Wien an der Donau - den Stupa zu beaufsichtigen. Die Finanzierung würde vorwiegend durch Spenden getragen, konkreten Zeitplan für die Errichtung gebe es noch keinen, sagte Lindmayer unter Verweis auf die abzuwartende Volksbefragung.

In einer Reaktion auf die jüngsten Äußerungen von Bischof Küng erinnerte Lindmayer in einem Brief daran, dass Kardinal Joseph Ratzinger, der heutige Papst Benedikt XVI., die erste deutsche Übersetzung des Lotus-Sutra aus seiner Privatschatulle gesponsert habe. Der Stupa sei ein Erleuchtungsturm und Symbol von Buddhas Lehre. "Möge die Gabe der Freundschaft, die wir den Menschen anbieten, ein Schlüssel zu einem Dialog sein", heißt es. Es gebe keinen wahren Grund für Vorbehalte gegen den Buddhismus, der zur Entwicklung zu mehr Liebe, Weisheit und Mitgefühl beitrage. (APA)

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Lernen Sie Geschichte... (frei nach Bruno Kreisky)

Der Buddhismus war um 1500 aus Indien fast verschwunden, nachdem ihn muslimische Eroberer schon im 12. Jarhundert in seinen bisherigen Kerngebieten vernichtet hatten. In Gestalt der christlichen Mission erwuchs dem Buddhismus seit dem frühen 16. Jahrhundert, also im Zeitalter des Kolonialismus, ein neuer Gegner. Die engen Beziehungen kolonialer Machtinteressen und christlicher Mission sind ja hinlänglich bekannt. nehmen. Nachdem diese Gebiete Ceylons 1636 unter hollän-dische Herrschaft gerieten, mußte die Bevölkerung protestantisch werden; es wurden nicht nur Buddhisten und Hindus, sondern auch die Katholiken verfolgt. Im Königreich von Kandy wurde ihnen freie Religionsausübung garantiert, wie es alter buddhistischer Tradition entspricht.

Christliche Missionare in Tibet wohlgelitten

Schon zur Zeit des 7. Dalai Lama (Kesang Gyamts, 1708-1747 oder 1757) waren christliche Missionare in Tibet wohlgelitten und konnten in Lhasa sogar eine Kirche erbauen und, nachdem sie dort selbst das Tibetische und den Buddhismus in den theologischen Fakultäten studiert hatten, Verteidigungsschriften ihres Glaubens in Tibetisch verfassen (der Jesuit Ippolito Desideri, 1716-1721; die Kapuziner 1707-1711, 1716-1733, 1741-1745) (Quelle: Rolf A. Stein „Die Kultur Tibets, Edition Weber ).

Doch toll ...

Zu sehen wie unglaublich hinterm Berg wir sind. Von 21 Jhdt. keine Spur. Solange sich die Leutchen den Bau selber finanzieren und friedlich sind soll mir jeder Religionsbau recht sein.

Für alle Freunde der Aufklärung.

“Welcher Recht hat, weiß ich nicht -
Doch es will mich schier bedünken,
Daß der Rabbi und der Mönch,
Daß sie alle beide stinken.”

Heinrich Heine

und wo sind ihre aufschreie bei neuen kirchenbauten? ich z.b. brauche keine religion. wenn ich aber nicht gegen kirchenbauten bin, dann zwingt mich die idee der aufklaerung dazu, genauso agnostisch gegenueber anderen religioesen bauten zu sein, solange ich keine evidenz habe, dass die leute, die dahinter stehen, ziele wie bspw. gewalt verfolgen.

missbrauchen's also heine nicht fuer ihren kreuzzug.

dann ist wohl schluss mit spanferkel und hirtenspiess in gföhl

und außerdem könnte es sich beim grillgut um den eigenen großvater handeln. so die vorstellung mancher buddhistischer schulen
http://derstandard.at/132850729... ntlichkeit

Ich frage mich, welchen Sinn macht ein derart repräsentatives und großes Gebäude ohne Gläubige?
Ist ja nicht so, dass der Buddhismus eine große Glaubensgemeinschaft in Öst. wäre, oder es noch keine gar Stupas geben würde (siehe zB Wien)!

Für eine Religion die weltliche Dinge so gering schätzt, ist das doch sehr materialistisch gedacht.
Zum anderen - Buthan (tibet. Buddhismus Staatsreligion) gehört zu den Ländern mit ausgeprägter Christenverfolgung.
Haben der Dalai Lama oder andere schon mal etwas dazu gesagt?

sie posten hier ja staendig denselben bloedsinn. konkretisieren sie den vorwurf der christenverfolgung und geben sie quellen dafuer an. bhutan hat gesetzliche religionsfreiheit. in der praxis werden nicht-buddhistische missionarische taetigkeiten stark behindert. das ist aber alles andere als "verfolgung". also: was genau heisst verfolgt? welche konkreten faelle koennen sie nennen.

und zweitens (und noch wichtiger): selbst wenn es so waere, heisst dies nicht, dass man grundsaetzlich buddhistische einrichtungen hierzulande nicht dulden sollte. diese "logik" waere typisch fuer rechtsrechte.

was sie hier betreiben erinnert aber ohnehin an einen kreuzzug ... zumindest in der laecherlichen variante von strache.

Wir sind aber kein "Christenstaat", weil bei uns EIGENTLICH Staat und Religion getrennt sein müsste. Von daher ist das Argument, dass in einem anderen Staat, der den Buddhismus als "Staatsreligion" eine eventuelle Christenverfolgung existiert oder existiert hat einfach nicht gültig. In Österreich zwingt dir der Staat keine Religion auf, die kannst du dir selber aussuchen.

Du weißt wie man goggelt (Google.at)?
Falls nicht: zB wurde in Buthan ein Protestant zu drei Jahren Haft verurteilt (dabei wollte er gar keine Kirche bauen).

Was den "Blödsinn" betrifft, ich würde hier auch lieber gute Argumente lesen, aber die sind leider eine Rarität.
Natürlich nicht bei dir...

a) nennen sie noch immer keine quelle.

b) ich weiss wie man googelt und komme - wenn es um religionsfreiheit in bhutan geht - allerdings auf keine faelle von "verfolgung" von christen.

c) ist mir ein "sie" lieber ... speziell, wenn es um kommunikation mit leuten wie ihnen geht.

ich hab das jetzt mal kurz gegoogelt ...

und die armen Christen werden urgemein verfolgt in Buthan - steht zumindest in den ersten 30 googel links - die - komischerweise - alle von erkonkonservativen christlichen Vereinigungen stammen ... jetzt frag ich mich grad warum ich mit einer Tochter des Königs in Wien studiert hab - in so einem urbösen christlichem Land .... tztztz ...

ja, heutzutage gibt es ungeahnte verfolgungen: die blauen neuen juden in oesterreich und die christen in bhutan.

Um Gottes Willen (!)

da könnten Touristen kommen, da könnte die lokale Wirtschaft (Gasthäuser, Bauwirtschaft,..) profitieren, da könnte Gföhl sogar bekannt werden.

Na lieber nicht, da holen wir uns lieber Förderungen für strukturschwache Gebiete...

geh bitte!

wer genau soll deswegen ausgerechnet nach gföhl kommen?

Das ökonomische Argument widerspricht so ziemlich allem wofür Buddhismus steht.

Dann sollen sie lieber gleich einen x-beliebigen Themenpark hinbauen.
Das wäre ehrlicher und respektvoller - und attraktiver.

was fangen die gföhler denn mit touristen an?, die müssen ja froh sein wenn sie selber ein offenes wirtshaus finden

Neben dem Stupa mit einer Halle für 100 bis 150 Personen

seit wann kann man in eine Stupa hineingehn???

frag ich mich seit beginn der diskussion auch, in ungarn war ich schon zweimal dort da gibt es keinen eingang oder hab ich ihn übersehen?

Österreich

braucht eindeutig mehr Buddhismus!

Österreich braucht eindeutig weniger Religion

Kommunale Argumente berücksichtigen

Wundert mich nicht, dass der Standard nur die Religionsfrage in den Vordergrund spielt. Dass die Gemeinde aber einiges investieren müsste, es aber keinerlei Verträge mit regionalen Zulieferern gibt, die zur Arbeitsplatzsicherung beitragen würden und dass die Bürger den Eindruck haben, dass es sich manche eben mit Widmungen richten können, während andere ewig hingehalten werden, wird völlig außer Acht gelassen.

Das Schwarz-Weiss-Denken der politisch korrekten verlangt ein Feindbild, das der Artikel willig liefert: "Wer dagegen stimmt, ist böse und intolerant".

endlich jemand...

...der es vernünftig auf den punkt bringt. danke!!!

Was zum Teufel...

...hat da ein Pfarrer mitzureden? Trennung von Staat und Kirche gibts hierzulande wohl noch nicht... Sollen die Bürger entscheiden und nicht irgendwelche Parteien oder Kirchen... -.-

Was zum Teufel hast DU mitzureden, lebst du dort?

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