Sexualaufklärung für Menschen mit Behinderung

9. Februar 2012, 11:59
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Jugend am Werk veröffentlicht Broschüre - Themen wie Verhütung und Zwangssterilisation werden darin behandelt

Menschen mit Behinderungen haben keinen normalen Umgang mit Sexualität. Das sei ein weit verbreiteter Irrglaube, der vor allem daher komme, dass Menschen mit Beeinträchtigungen und ihr Umfeld zu wenig aufgeklärt werden, erzählt Maria Köberl vom Hilfsverein Jugend am Werk. Deshalb hat sich in den Jahren 2010 und 2011 ein Arbeitskreis intensiv mit dem Thema "Sexualität und Menschen mit Lernschwierigkeiten/geistiger Behinderung" auseinandergesetzt.

Das Ergebnis ist eine Broschüre, die Anfang Februar veröffentlicht wurde. In leicht verständlicher Sprache werden darin 23 Themen wie das Recht auf Sexualität, Verhütung. ungewollte Schwangerschaft oder auch Zwangssterilisation behandelt. Die Informationen sind sowohl für lernbehinderte Menschen als auch für ihre BetreuerInnen gedacht. "Ganz viele Personen mit Beeinträchtigungen wurden und werden nicht aufgeklärt", sagt Köberl, die selbst Behindertenpädagogin und Sozialmanagerin ist. Viele Angehörige, Freunde und BetreuerInnen würden das Thema bewusst meiden, da Sexualität und Behinderung oft mit Angst verbunden seien.

Traumatisierende Zwangssterilisation

Eine Auswirkung dieser fehlenden Aufklärung ist laut Köberl, dass es oft zu Schwangerschaften kommt, bei denen weder Mann noch Frau wissen, wie es dazu gekommen ist. Eine große Zahl an Menschen mit Lernbehinderungen oder geistigen Beeinträchtigungen wurden in den 1970er Jahren noch zwangssterilisiert. Zwar ist diese Praktik in Österreich mittlerweile verboten, doch müssen sich BetreuerInnen und Angehörige immer noch mit den Folgen auseinandersetzen. "Viele wissen gar nicht, dass sie keine Kinder mehr bekommen können, und sind nach einem aufklärenden Gespräch schwer traumatisiert", erzählt Köberl. 

Für die Sozialpädagogin kann die Broschüre mit einer Auflage von 500 Stück aber erst ein Anfang sein: "In den Ausbildungsstätten muss viel mehr Wert auf eine sexualpädagogische Kompetenz gelegt werden." Auch Fortbildungen in diesem Bereich sollten für MitarbeiterInnen von Betreuungseinrichtungen verpflichtend sein. (bbl, derStandard.at, 9.2.2012)

  • 500 Stück der Broschüre sollen für mehr Aufklärung sorgen.
    screenshot: "sexualität. informationen in leichter sprache" illustration: margit krammer

    500 Stück der Broschüre sollen für mehr Aufklärung sorgen.

  • Der Text in leicht verständlicher Sprache wird oft auch mit Illustrationen erklärt.
    screenshot: "sexualität. informationen in leichter sprache" illustration: margit krammer

    Der Text in leicht verständlicher Sprache wird oft auch mit Illustrationen erklärt.

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