Jeder Facebook-User ist 118 Dollar wert: Wo ist mein Geld?

Kolumne | 9. Februar 2012, 10:29

Facebook-User hätten es in der Hand, ihren Anteil am Werbeertrag zu erstreiten

Wenn Sie zu den 850 Millionen Facebook-Usern gehören, die das soziale Netzwerk in seinem vor kurzem aufgelegten Börsenprospekt sein Eigen nennt, dann hat sich die Mühe mit all den "Gefällt mirs", Status-Updates, Fotos, Pinnwandeinträgen und der Hin- und Herstupserei unter Freunden gelohnt. Zum erwarteten Börsenwert von 100 Milliarden Dollar hat jeder User somit rund 118 Dollar beigetragen.

28 Milliarden Dollar

Aber eine Dividende wird unsere liebevolle Investition in den Erfolg von Facebook nicht bringen. Denn sein Gründer und CEO Mark Zuckerberg, der sich mit seinem 28-Prozent-Anteil um 28 Milliarden Dollar seinen verdienten Platz unter den Gazillionären des Planeten sichert, nimmt, ohne zu geben. Wir Lieferanten allen Facebook-Contents und unserer persönlichen Information, aus denen sich Werbegeld machen lässt, gehen leer aus: Wie in den finstersten Zeiten des Kapitalismus wird hier im Online-Bergwerk geschuftet, ohne dass uns dafür ein gerechter Lohn zukommen würde.

Vorarbeiter für die unbezahlten Massen

Dabei ist "Zuck" durchaus großzügig zu bezahlten Mitarbeitern, die in der Gesamtstruktur des Unternehmens Facebook eine Art Vorarbeiter für die unbezahlten Massen sind. Gehälter und Sozialleistungen bei Facebook sollen üppig sein; ein Graffiti-Künstler, der für seine Arbeit am Firmenhauptquartier seinerzeit ein paar Anteilsscheine statt Geld bekam, soll nach dem Börsengang eine halbe Milliarde Dollar wert sein.

Völlig unbezahlt

Aber der Content, den diese 850 Millionen in jeder wachen Minute zuliefern, damit das Werk am Laufen bleibt, ist völlig unbezahlt. Das ist in der Geschichte von Online-Unternehmen neu, zitiert die New York Times den Wirtschaftswissenschafter Yannis Ioannides von der Tufts University.

Medieneigentümer würden argumentieren, dass auch Googles Suche von fremdem Content lebt. Stimmt, aber mit einem wesentlichen Unterschied: Google präsentiert gefundene Inhalte in wenigen Zeilen, und nach der Auswahl klickt sich der User zur eigentlichen Quelle durch, und diese kann wiederum ihrerseits damit Geld durch Werbung (oder auch Bezahlung, wenn es einen Paywall gibt) verdienen. Und Googles Anzeigenmodell hat zahlreichen Bloggern die Basis gegeben, von Content leben zu können.

Sogar Wikipedia-Seiten werden inzwischen auf Facebook reproduziert

Facebook arbeitet hingegen heftig daran, User in seinem eingezäunten Gärtchen festzuhalten: Sogar Wikipedia-Seiten werden inzwischen auf Facebook reproduziert, damit bei einer Suche die Seite möglichst nicht verlassen wird.

Streiks

Die Arbeiter des 19. Jahrhunderts wussten, was zu tun ist, um einen (halbwegs) gerechten Anteil für die durch ihre Arbeit ermöglichte Wertschöpfung zu bekommen: Sie organisierten Streiks. Selbst Henry Ford, alles andere als ein Linker, der mit der Ideologie der Nazis sympathisierte, begriff, dass er seinen Arbeitern genug Lohn und ein freies Wochenende geben musste, damit sie das Geld und einen guten Grund hatten, sich die von ihnen hergestellten Autos zu leisten.

Anteil am Werbeertrag

Facebook-User hätten es in der Hand, ihren Anteil am Werbeertrag zu erstreiten, der durch ihren Content geschaffen wird: durch organisierte Contentstreiks. Mit einer Facebook-Gruppe lässt sich das prima organisieren. (helmut.spudich@derStandard.at, DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2011)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 246
1 2 3 4 5 6
Freigeist
01
14.2.2012, 22:45
wo ist das problem?

die user erhalten kostenlos Infrastruktur, FB erhält kostenlos Inhalte.

wem der deal nicht fair genug ist, kann sich ja ein paar hundert Programmierer anstellen und eine eigene website gründen.

jetzt wird schon gemeckert, wenn etwas unentgeltlich angeboten wird. ich finde diese geiz & Neid Gesellschaft krank.

Hectic
00
13.2.2012, 14:38
Is ma wurscht...

...die paar Daten die ich auf Facebook habe, sollen sie doch meinetwegen Kim Yong Un und sonstwem zukommen lassen.

BelloFreak
10
25.2.2012, 02:41

"die user erhalten kostenlos Infrastruktur, FB erhält kostenlos Inhalte."

Mit dem Unterschied, dass ich z.B. bei Google+ außerdem kostenlose Tools wie z.B. GoogleMaps, GoogleDocs, GoogleNews, GoogleCalendar, Picassa, GoogleBlogger, GoogleReader u.v.a.m. als "Gegenleistung" bekomme, dass mich wirklich in die Lage versetzt, mich mit meinen echten(!) Freunden auszutauschen und zu organisieren.

Facebook = ganz schlechter Deal! Wer da mitmacht, ist wirklich selbst schuld! Es zwingt einen ja keinen! ;-)

geruetzel
01
10.2.2012, 20:02

leute hallo, aufwachen, dieser artikel ist bewusst ironisch geschrieben...
also wirklich...

ich finde den artikel sehr amüsant, danke dafür!

Schwanz der Vampire
00
11.2.2012, 11:26
Bitteschön, keine Ursache!

her wig
00
10.2.2012, 17:23

Und das wurde wirklich in der Printausgabe abgedruckt? Tolle Qualitaetszeitung!

Jujilla
00
10.2.2012, 11:24

Geh bitte. Muss ja niemand benutzen, das böses Facebook.

Fred B.
00
10.2.2012, 12:46
Die sinnvollste Nutzung

von facebook ist das login auf unzählige webpages für die sonst eine Registrierung notwendig ist.

warlock
00
10.2.2012, 14:26

sowas nennt sich openID und geht auch ohne fb ;)

Fred B.
00
10.2.2012, 16:04
Bei openID

gibt es eine Identitätsprüfung, bei facebook nicht.

murdoch block, for a truer internet
00
11.2.2012, 07:34

Die kommt erst nächstes Jahr.

Bei google konnte man sich auch anonym anmelden. Jetzt braucht man oft (oder immer) eine Telefonnummer.

Ein Grund, wieso ich meinen alten Youtube-Account verloren habe und mir keinen neuen langfristigen Youtube-Account mehr anlegen kann. :(

Was für eine Farce.

Fred B.
00
11.2.2012, 08:34
Telefon-Wertkarte

benutzen!

murdoch block, for a truer internet
00
11.2.2012, 15:44

ich vergaß, mehrere zu nutzen ist noch legal.

Fred B.
00
11.2.2012, 15:47
Legal

ist alles was nicht gesetzlich verboten ist.

Fred B.
00
10.2.2012, 11:21
Wer reale Infos

auf Facebook publiziert ist selbst schuld.

tha_unseen
00
11.2.2012, 10:30

danke.
und genau das passiert(!)
jeder link ist persönlich...

Medicus58
00
10.2.2012, 11:17
PSPS: und was sagt der gesunde Menschenverstand

auch die Kundenkarten-Manie gehört zu diesem Problemkreis: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=39358

aufgeklärtbisheiter
00
10.2.2012, 11:16

Grad fällt mir ein, ich möchte bitte gerne meinen Anteil an gmx.

Wenn ich bissl nachdenke, fallen mir sicher noch ein paar Dienste ein, zu denen ich mich irgendwann mal angemeldet hab und von denen ich jetzt bitte auch gerne meinen Verdienstanteil möchte.

Medicus58
00
10.2.2012, 11:15
Wir sind alle reich - die nächste Blase - die nächste Krise

da das angesprochene Problem nicht auf Facebook allein, sondern auf das gesamte Geschäftsmodell der Werbung zutrifft, erlaube ich mir auf einen Beitrag aus dem Okt 2011 zu verweisen, der die Thematik am ONLINE Standard abhandelt: http://sprechstunde.meinblog.at/?blogId=45938

depp am huegel
01
10.2.2012, 09:33

If you're not paying for something, you're not the customer; you're the product being sold.

dacko
00
10.2.2012, 09:22

Leider kann sich der Privatbürger nicht Urheberrechtlich schützen. Z.B. seinen Namen, Adresse, Telefonnr. etc. und jedesmal wenn Werbung im Briefkasten landet abkassieren.

Sollte aber möglich sein denn wenn das Urheberrecht jnallhart und so einseitig durchgesetzt wird sollte der Privatbürger auch das Recht haben sich auf diese Weise zu schützen.

Was FB angeht, so tun die Leute die das etwas posten und hochladen es in der Regel freiwillig. Also kann man da keine Entschädigung bzw. "Lohn" erwarten.

her wig
01
10.2.2012, 09:01
Die User bekommen doch eh jede Menge,

her wig
02
10.2.2012, 09:06

(sorry, falsche Taste gedrückt)
... den Online-Speicherplatz, die Softwarenutzung samt Wartung und Weiterentwicklung... alles gratis.

Sehr typisch: statt dass diese Leute bereit wären Geld auszugeben für eine Dienstleistung, nehmen sie sich das was gratis ist und beschweren sich auch noch darüber dass der Anbieter mit Werbung Geld verdient... Gier und Neid im Doppelpack!

z1c0
03
10.2.2012, 08:20
what the fuck did i just read?

Doc Steel
13
10.2.2012, 07:58
der hype ist am gipfel,

einige jungs zocken ab und die karawane zieht weiter.

850 mio user ist schwachsinn, 850 mio namen, ok, aber wirklich verwenden tuts doch höchstens ein viertel.

irgendwann kommt dann der tag wo fb out ist und dann tun alle überrascht.....

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 246
1 2 3 4 5 6

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.