Auf dem Holzweg

Das Zukunftsdilemma mit der Energie aus Holz

Wolfgang Weisgram, 9. Februar 2012, 10:01
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    foto: christian fischer

    Auch das Holz aus pannonischen Wäldern ging im vergangenen Jahr auf preisliche Himmelfahrt.

Mit der Bioenergie Burgenland ist ein weiterer großer Ökoanbieter insolvent - Preissteigerung bei Holz wirft Frage nach struktureller Sinnhaftigkeit auf

Eisenstadt - Im vergangenen Sommer kam der Kärntner Bioenergie-Versorger SWH in ziemliche Turbulenzen, in Niederösterreich rutschten Biomasse-Kraftwerke in die Zahlungsunfähigkeit, und Ende Jänner meldete sich auch die Bioenergie Burgenland - drittgrößter leitungsgebundener Energieanbieter des Landes - beim Konkursrichter. Womit sich allmählich schon die Frage stellt, ob die holzbasierte Energieerzeugung nicht ein Holzweg ist.

Rudolf Simandl, Direktor des 49-Prozent-Eigners Begas, sieht die Bioenergie in einem ökonomischen Dilemma, aus dem ein betriebswirtschaftlich agierender Betreiber nicht herauskommt. "Die Rohstoffpreise steigen, im vergangenen Jahr um 40 Prozent." Auf der anderen Seite gebe es keine flexible Preisgestaltung, die Einspeisetarife seien fix. Bei einem Kostenmix von 60 Prozent Rohstoffanteil sei klar, was passiert.

Durchforstungsgesetz

Reinhard Koch, der Mastermind hinter dem "Modell Güssing" und Mitbegründer der Bioenergie Burgenland, bestätigt das Dilemma. Tatsächlich gebe es auf dem Markt eine Holzknappheit, aber anders als dargestellt liege das nicht daran, dass zu wenig davon im Wald stünde. "Gerade aus den Kleinwäldern kommt zu wenig heraus, da bräuchte es ein neues Durchforstungsgesetz."

Der Waldverband, der Forstverband der Kleinbesitzer, ist zu einem Viertel an der Bioenergie beteiligt (ein weiteres Viertel gehört Esterházy) und war im Vorjahr sogar in der Situation, mehr fürs Holz zu zahlen, als er vom Abnehmer Bioenergie bekam, an den er durch langfristige und preisstabile Lieferverträge gebunden war. Nachvollziehbar, dass er da wenigstens Cash sehen wollte. Auch das ein Insolvenzbeschleuniger.

Politik im Spiel

Die Schere von flexiblen Einkaufs- und fixen Verkaufspreisen bringe die Politik ins Spiel. Koch: "Entweder sie macht beim Rohstoff oder bei den Preisen was." Wobei Reinhard Koch auch aus diesem Grund sein Güssing vom Holzweg längst abgebracht hat. "Es geht um den Rohstoffmix. Energieholz, das ist ja an sich nichts Hochwertiges, das sind Reststoffe."

Güssing ist deshalb gerade dabei, einen "kommunalen Rohstoffverband" ins Laufen zu bringen, der die Anlagen der allmählich wachsenden Ökoenergieregion Güssing versorgen soll. Flussufer müssen ja regelmäßig durchforstet werden, "bisher wurde das gehäckselt und als Dünger verwendet". In Zukunft soll das dort gewonnene Holz in die Holzvergasung kommen. Das nämlich, die Gasgewinnung, sei in Wahrheit die Zukunft. "Bloßes Verbrennen ist das Ineffizienteste." Gas kann aber nicht nur thermisch aus Holz gewonnen werden, sondern klarerweise auch biologisch aus Silage, wozu etwa auch der sowieso nötige Grasschnitt an den Straßen- und Wegrändern zählt.

Daseinsvorsorge

Bei all den technischen Notwendigkeiten ökoenergetischer Verfahren beharrt Reinhard Koch seit eh und je darauf, dass es ihm - und damit Güssing - um eine politische Neuordnung geht. "Wir müssen die Energie als vierte Säule der kommunalen Daseinsvorsorge etablieren." So wie Wasser, Abwasser und Müll könne auch die Energie - oder jedenfalls ein sehr erklecklicher Teil davon - auf kommunale Beine gestellt werden. Koch erinnert daran, dass das sogenannte Wirtschaftswunder nach dem Krieg sich nicht allein der Industrie verdankte, sondern auch den massiven Investitionen in die Infrastruktur, zum Beispiel die flächendeckende Kanalisierung des Landes.

Ob klassische Biomasse - holzbeheizte Dampfturbinen und Fernwärme - dazu beitragen kann, wird sich weisen. Auffällig freilich deren Besitzverhältnisse. Holzlieferanten als Eigentümer - in Kärnten waren die Bundesforste Miteigentümer - sehen die Rohstoff-Preisentwicklung ja mit zwei Augen: einem weinenden und einem sehr lachenden. (Wolfgang Weisgram, DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 165
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Bumo1
00
25.2.2012, 21:59
ist ja auch Schwachsinn!!

das ist mir ja bisher komplett entgangen.

Für mich war immer "klar", daß die Biomasse Kraftwerke eben auch "Biomasse". sprich einen Mix aus Biologischen ABFÄLLEN verarbeiten (Äste, Rinde,... von der Holzindustrie, Windbruch,...) ... und Abfall hat normalerweise keinen, oder sehr niedrige Preise.

Diese Kraftwerke mit hochwertigem Holz welches vom Rohstoffmarkt eingekauft wird zu beheitzen ist ja schon von der Idee her aufgelegter Schwachsinn.

Philip Gross
02
15.2.2012, 00:15
Solarfassaden und Erdwärme

Mein Eindruck ist das Solarfassaden und Erdwärme noch viel Potenzial haben.
Insbesondere weil Solarfassaden, nach der Quelle unten, schon billiger als durchschnittliche Fassaden sind.

Quelle:
http://www.solarfassade.info/en/econom... /index.php

evidenzbasierer
01
14.2.2012, 23:15
Fusionskraftwerke...

... DAS ist die langfristige Lösung des Energieproblems.

her wig
00
10.2.2012, 08:54

Bodendüngung mit Biomasse statt mit Kunstdünger wäre aber auch nicht unlogisch...

Alpensaga_Wurzel
02
10.2.2012, 09:21
Funktioniert nur bedingt,

weil Bei Mineraldüngen die Nährstoffzusammensetzung eine andere ist, bzw. mit diesen ganz gezielt gedüngt werden kann. Biomasse dient vor allem der Kohlenstoffanreicherung und ist somit der wichtigste Bestandteil des Humusaufbaus.

FatFaceRicky
00

In NÖ wird jetzt dann eh gefrackt, dann haben wir wieder Gas zur Genüge.

Kringskrongs
00

echt?? wann denn jetzt???????

gaisbock
711
Trotz

aller Fortschritte gelten immer noch die Grundrechnungsarten. Und diese besagen, dass unser derzeitige Energieverbrauch NIE+NIMMER aus sog. erneuerbaren oder wie´s jetzt so schön heißt nachhaltigen Energiequellen hinreichend abdeckt werden kann.
Aber Hauptsach s´Göld stimmt.

luke skywalker
01
11.2.2012, 17:46
Niemand hat je behauptet dies sei zu 100% möglich oder anzustreben

mittelfristig schon gar nicht.

Aber z.B. OÖ deckt heute schon ~ 35% seines Energiebedarfes aus erneuerbarer Energie.

Hätten wir das EEG wie in D - also soviel an Photovoltaik und Windenergie wie D - und dazu noch eine Wärmedämmungsoffensive gestartet - könnten wir wohl schon bei 50% liegen.

Und das ist weit jenseits dessen als viele je für möglich gehalten hätten.

ich nicht
31
10.2.2012, 10:26
solange die mineralöl und gassteuereinnahmen reichen, wird jeder schwachsinn bis zum windrad am alpl subventioniert

...güssing ist schon lang unser californien:

schulden für 20 generationen
umweltverschmutzung höher als je zuvor
künstlich subventionierte arbeitsplätze in pleitebetrieben

zevero
02
11.2.2012, 20:20

Reden wir in ein paar Jahren wieder. Dann wird sich herausstellen ob Güssing unsinnig war oder ob wir froh sind Erfahrungen in der Energieautarkie gemacht zu haben.

Das hängt nur vom Zeitpunkt des Peak-Oil und Peak-Gas etc. ab.

yomellamo
23
10.2.2012, 07:00

na dann fangen wir einmal an mit den grundrechnungsarten:

es geht sich NIE+NIMMER aus, dass wir unseren energiebedarf weiter nur mit fossilen brennstoffen befriedigen (plus ein bisserl wasserkraft und kernenergie).
- A) fossile brennstoffe sind begrenzt und immer energieaufwendiger zu gewinnen
- B) das verbrennen fossiler brennstoffe heizt dem globus ueber gebuehr ein (klimawandel).

fazit: die grundrechnungsarten lassen nur eine diversifizierung und alternativisierung der energiegewinnung als loesung zu. Alles andere sind sackgassen.

gaisbock
01
10.2.2012, 21:26
unser DERZEITIGER Energieverbrauch = der Schlüssel

noexist
 
01
10.2.2012, 06:46

Aber die nicht nachhaltigen Energiequellen sind halt leider nicht nachhaltig ;-)
Ich persönlich glaube, dass man irgendwann auch mal Energie sparen muss. Zur Zeit steigt der Energieverbrauch ständig.

gaisbock
01
10.2.2012, 21:24
GEWONNEN

chg4711
02
10.2.2012, 05:05
Solange unser Geld in sinnlose "ÖKO" Projekte fließt,

werden die entsprechenden Lügen aufrechterhalten. Nicht alles, wo "ÖKO" d'raufsteht, ist auch ökologisch UND wirtschaftlich. Durch den von Medien herbeigeredeten Ökowahn sind auch selbst ernannten Ökogurus, Scharlatanen und üblen Geschäftemachern Tür und Tor geöffnet.

Homo Fabless
312
Energieverbrauch

Sie schreiben, dass unser Ernergieverbrauch nie und nimmer aus sog. nachhaltigen Energiequellen abgedeckt werden kann.

Sie sollten sich einmal damit beschäftigen, wie hoch alleine die technisch nutzbare Sonnenenergie ist, und in Relation dazu der Weltenergiebedarf.

Das Problem ist ja nicht, dass wir nicht genügend alternativen Energiequellen zur Verfügung haben, sondern diese (weil sie zwischengespeichert oder umgewandelt werden müssen) meist teurer sind, als (subventionierte) fossile Energieträger.

Beispielsweise werden Gaspipelines, wie North-Stream oder Nabucco (sollte es sie je gebaut werden) vom europ. Steuerzahler subventioniert.

supermike
00
10.2.2012, 10:11
Dann bauen Sie mal ein Photovoltaikprojekt "ohne" staatliche Subventionierung

wenns wirtschaftlich gelingt sind sie Weltmeister.

Photovoltaik ist nett aber kein Ausweg da zu wenig Rohstoff Recourcen für die Herstellung von Anlagen zur Verfügung stehen und die Herstellung teuer und damit unrentabel ist.
Fragen sie mal in dem oben genannten Güssing nach. Die hatten einen Photovoltaik Hersteller der schon Pleite war bevor er mit der Produktion begann. Trotz Millionen € staatlicher Förderungen.

Farin
00
21.2.2012, 12:10

PV - Zuwenig Rohstoff für die Herstellung? Wohl eher weniger. Die Zellen bestehen aus Silizium und das gibts im wahrsten Sinne wie Sand am Meer ;)

Herstellung teuer und unrentabel - das galt auch für den ersten Computer. Abwarten. Nichts geht von heut auf morgen.

zevero
02
10.2.2012, 14:38

Schauen Sie mal auf pv.biz da gibts Komplettanlagen für 1200 Euro pro Wattpeak inkl. Steuern. Da ist bei einem guten Stromabnahmevertrag schon fast die Wirtschaftlichkeit geben!!!
Dieser Erfolg ist im übrigen leider der Grund für den Konkurs des Güssinger Photovoltaikherstellers Blue Chip Energy, wo ich gearbeitet habe. Im Übrigen haben wir über 1 Jahr lang voll produziert. Qualität und Quantität waren Top. Sehr schade um diese schöne Firma.

Peace 4 Libya
00
13.2.2012, 09:47

Qualität und Quantität. Was ist dann der Grund für das Scheitern?

zevero
00
13.2.2012, 10:38

2010 konnten wir die Solarzellen am Markt für 1.25-1.60 €/Wp verkaufen. Anfang 2011 wurden 1€/Wp unterschritten, was in etwa der Break Even war. Bis zum Konkurs Mitte 2011 mussten wir wegen der hohen Fixkosten der Anlage unter Verlust für bis zu 0.70 €/Wp verkaufen.
Heute liegt der Preis bei 0.50€/Wp.

Solche ein Preisverfall konnte nicht im Voraus geahnt werden.

Karl Buschina
00
24.2.2012, 15:04
Es ist schon seit 20 Jahren bekannt.,.dass der Preis mit der Größe der Fabrik stark sinkt.

Deshalb haben sich auch viele KLUGE Investoren immer davor gescheut in eine PV-Panel-Fabrik zu investieren. Weil immer klar war, dass die nächste, größere Fabrik die kleinere Fabrik in den Konkurs konkurrieren wird. Nur durch Förderung EUPHORISCHE Investoren sind unter die Räder gekommen.

Peace 4 Libya
00
13.2.2012, 11:30

Zu diesem Preis kann vermutlich niemand mehr produzieren.
Siehe email Adresse.
Gibt es eine Möglichkeit für telefonischen Austausch?

peak all
00
15.2.2012, 11:26

nein! es schreiben fast alle hersteller auch in asien verluste, jedoch haben diese besondere kredite oder zuschüsse. es wird einige zeit lang nicht mehr billiger, jedoch die 1200 eur /kwp sind ohne kabel und montage etc...also realistisch sind mit 2 eur brutto zu rechnen. aber es ist leider so das es vermutlich vorher zu einem collaps kommen wird, da die nachfrage an energie viel zu hoch ist. einzig durch wohlstand und komfort verzicht wird die energiefrage gelöst werden. wenn nicht freiwillig dann wird es einfach passieren...

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