UNO und Arabische Liga wollen gemeinsam Beobachter entsenden

9. Februar 2012, 13:18

Dutzende Tote bei Angriffen auf Rebellenhochburg Homs - Libyen weist syrische Diplomaten aus

New York - Die Vereinten Nationen und die Arabische Liga erwägen eine Zusammenarbeit bei einer neuen Beobachtermission für Syrien. Liga-Generalsekretär Nabil al-Arabi habe die UNO "um Hilfe" gebeten und eine gemeinsame Mission mit einem gemeinsamen Sondergesandten vorgeschlagen, sagte UN-Generalsekretär Ban Ki-moon am Mittwoch in New York. In der Stadt Homs wurden laut Menschenrechtsaktivisten erneut zahlreiche Menschen getötet.

Die Arabische Liga wolle eine neue Beobachtermission nach Syrien entsenden, sagte Ban. Über die Bitte um Zusammenarbeit mit den Vereinten Nationen bei der Mission werde in den kommenden Tagen im UN-Sicherheitsrat beraten.

Ban bezeichnete das Scheitern der Syrien-Resolution im UN-Sicherheitsrat als "katastrophal" für die Menschen in dem Land. Die Resolution war am Samstag am Veto Russlands und Chinas gescheitert. Dies habe die syrische Führung "ermutigt, den Krieg gegen ihr eigenes Volk zu verschärfen", sagte Ban.

"Wahllose Angriffe auf zivile Gegenden"

Ähnlich äußerte sich UN-Menschenrechtskommissarin Navi Pillay. Sie sei "entsetzt" über die "wahllosen Angriffe auf zivile Gegenden" in Homs, erklärte Pillay. Das Scheitern der Resolution des Sicherheitsrats habe offenbar "die Bereitschaft der syrischen Regierung angeheizt, die eigene Bevölkerung zu massakrieren, um die Protestbewegung niederzuschlagen".

Drei Tage Zeit zum Abzug

Libyen weist alle syrischen Diplomaten aus. Die Mitarbeiter der Botschaft in Tripolis hätten drei Tage Zeit bekommen, das Land zu verlassen, sagte der Sprecher des libyschen Außenministeriums, Saad al-Shlmani, dem arabischen Sender Al-Jazeera (Doha) zufolge am Donnerstag.

Der Nationale Übergangsrat Libyens hatte bereits im Oktober den oppositionellen Syrischen Nationalrat als einzigen Vertreter des syrischen Volkes anerkannt. Syrien hatte zuletzt nur einen Geschäftsträger und keinen Botschafter in Tripolis.

Dutzende Tote in Homs

Die Offensive der syrischen Regierungstruppen in der Stadt Homs hat erneut Dutzende von Toten gefordert. Nach Informationen des Nachrichtensenders Al-Arabiya kamen am Donnerstag in der Früh 31 Menschen ums Leben. Am Vortag sollen in der Hochburg der Regimegegner 93 Menschen getötet worden sein.

Der Syrische Nationalrat wollte am Donnerstag im Golfemirat Katar beraten, wie das Blutvergießen gestoppt werden könnte. Der Rat setzt inzwischen stärker als bisher auf militärische Optionen. Unter anderem wird über die Bewaffnung von Deserteuren diskutiert. Außerdem soll in Katar nach Informationen aus Oppositionskreisen darüber abgestimmt werden, ob der Sorbonne-Professor Burhan Ghalioun weiterhin Vorsitzender des Rates sein soll.

Die syrischen Truppen gehen seit der Nacht zum Samstag mit massiver Gewalt gegen die Protestbewegung in Homs vor. Nach Angaben von Menschenrechtsaktivisten wurden alleine in jener Nacht mindestens 230 Menschen getötet. Seit Beginn der Niederschlagung der Proteste Mitte März starben Menschenrechtsgruppen zufolge mehr als 6.000 Menschen.

Unter arabischen Diplomaten wird unterdessen erwogen, den von mehreren Oppositionsgruppen gegründeten Nationalrat als legitime Vertretung des syrischen Volkes anzuerkennen. Über diese Frage werde am Sonntag bei einem Treffen der Arabischen Liga in Kairo diskutiert, hieß es.

Deutschland weist vier syrische Diplomaten aus

Die Entscheidung vier syrische Diplomaten auszuweisen gab Außenminister Guido Westerwelle am Donnerstag in Berlin bekannt. Die vier Mitarbeiter der syrischen Botschaft haben drei Tage Zeit, Deutschland zu verlassen. Die Ausweisung steht offensichtlich in Zusammenhang mit Einschüchterungsversuchen des syrischen Regimes gegen Exil-Oppositionelle. Bei den vier Diplomaten handelt es sich um drei Männer und eine Frau, die in der Botschaft angestellt waren.

Zu den Gründen für die Ausweisung äußerte sich Westerwelle zunächst nicht im Detail. Aus dem Berliner Auswärtigen Amt verlautete, die vier Syrer hätten sich Aktivitäten hingegeben, die "mit dem Diplomatenrecht nicht vereinbar" gewesen seien. Falls sich weitere Hinweise für eine Drangsalierung syrischer Oppositioneller ergäben, seien auch weitere Maßnahmen möglich.

Eine der "schlimmsten Todesmaschinen der Welt"

Syrische Rebellen beschrieben die humanitäre Lage in Homs als "katastrophal". Sie stünden einer der "schlimmsten Todesmaschinen der Welt" gegenüber, sagte einer der Aufständischen. Bei einem via Internet nach Washington übertragenen Treffen nahe Damaskus forderten die Rebellen Waffenhilfe. Es würden keine Truppen benötigt, sondern Waffen, sagte ein Kommandeur der Freien Syrischen Armee.

Nach einem Besuch in Damaskus sagte Russlands Außenminister Sergej Lawrow am Dienstag, Staatschef Bashar al-Assad habe ihm zugesichert, die Gewalt zu beenden. Der britische Regierungschef David Cameron sagte am Mittwoch, er habe nur "begrenztes Vertrauen" in die Ergebnisse dieses Treffen.

Nach Angaben eines EU-Diplomaten werden derzeit die EU-Vertretungen in Jordanien und im Libanon verstärkt, um sich im Ernstfall um "einige tausend" in Syrien lebende Europäer kümmern zu können. Die Türkei plant laut Außenminister Ahmet Davutoglu in Kürze eine internationale Konferenz zum Konflikt in Syrien. (APA)

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Dagmar Rehak Wien
 
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10.2.2012, 00:33

Die UNO hat sich mit dem Libyenkrieg als Regenschirm, oder wie das heißt, für bösartigste Kriege herausgestellt. Die gehört genauso wie der Friedensnobelpreis zum Sondermüll der Geschichte.

hart_aber_fair
14

lieber einen diktator assad, mit werten die die meisten hier auch haben, als ein islamistisches syrien, in dem minderheiten für immer vertrieben werden, in denen minderheiten gelyncht werden, in dem frauen per gesetz burka tragen müssen, in dem menschen gesteinigt und körperteile abgehackt werden. dann lieber ein diktato assad, der mehr oder weniger sozial-liberale werte vertritt. aber die westlichen islamisten-freunde haben wieder mal keine ahnung was sie mit ihrer unterstützung anrichten. siehe afghanistan (1980er), siehe lybien.

naval
31
10.2.2012, 08:03

Und wie kommen sie darauf, dass sie Syrien in einen Iran entwickeln soll ? Und warum unterstützen sie das Mullah-Regime im Iran, wenn sie deren Denk- und Handlungweise in Syrien nicht verbreitet haben wollen ?

trestigres
 
20
10.2.2012, 00:00
Ein Teil der radikalen Linke ist wirklich auf den Hund gekommen....

Die pausenlose Weichzeichnung der lupenreinen Diktatur in Syrien, der Versuch die Verbrechen des Assad-Clans unter den Teppich zu wischen, ist ein ideologisches Schmierenstueck. Assads Geheimdienst verfolgt inzwischen syrische Dissidenten in Europa, bedroht deren Familienangehoerige in Syrien, und Euch faellt nichts besseres ein als Propaganda fuer einen Gewaltherrscher zu verbreiten, weil die Dialektik " der Feind meines Feindes.." Euer Hirn zerfressen hat.

Geronimo's Cadillac1
12
Situation

die gleiche wie in Libyen vor der französischen Intervention. Atomare Erstschlagsdrohung gegen den Iran liegt seit München auf dem Tisch. FSA wurde nach dem Desaster in Homs - Wohl oder Übel - fallen gelassen. Militärs in Ägypten und Türkei scheinen Asad nicht notwendig stürzen wollen. Es zeichnen sich Brüche in der arabischen Liga ab => gemeinsame Beobachter mit UNO

MySinn.at
43
(Groß)Machtinteressen ...

hin oder her, der Konflikt kann und wird nur am Verhandlungstisch nachhaltig gelöst werden ... und die einzige Alternative zu einem Rücktritt Assads ist die Teilung Syriens.

derrabe
47

brutkasten-story die 2te:

http://diepresse.com/home/poli... e/index.do

"Zudem seien in zwei Krankenhäusern insgesamt 18 frühgeborene Babys gestorben, weil der Strom für ihre Brutkästen abgeschaltet wurde."

Syrer22
76
Ich traue mich zusagen

das dieser Plan, nämlich Homs zu Bombadieren, wahllos auf alles schiessen was sich bewegt, auf Kinder, Frauen, Krankenhäuser, einfach allesss, VON RUSLAND GEPLANT bzw mir Lawrow besprochen war, als er am Dienstag mit dem Cheff der Auslandsgeheimdienst in Damaskus war :-(

Müllers Mops
02
Homs. Bashar-Forces bombed ....sssssst_bums

http://www.youtube.com/watch?v=9... ideo_title

Oddo Wolf
54
Ich traue mich zusagen

dagegen gibts sicher ein Medikament

casus belli
25

Na ja die Reaktion fand schon am Tag der Abstimmung statt, also ist das wieder nur eine Hypothese...

Übrigens hat die FSA an dem Tag vor dem Angriff 52 Soldaten getötet...

http://m.faz.net/aktuell/p... 38877.html

Honzo1122
74

Ich glaube nicht, dass das eine Reaktion darauf ist.
Die Tage zuvor hat die FSA einige Checkpoints der syrischen Armee "geräumt".
Einige Soldaten gefangen genommen, einige getötet.
Man darf nicht vergessen, dass diese Soldaten willkürlich Menschen erschossen haben, willkürlich von diesen Checkpoints Schüsse abgegeben haben.
Diese Soldaten haben die Bewohner Homs terrorisiert.

Der Angriff auf Bab Amr ist allerdings geplant gewesen.
Ebenfalls der auf Bayada und Khalidiya.
Russland hat das OK dafür gegeben.

casus belli
32

Na ja ich glaube dieser Willkür nicht, denn rein militärisch gesehen hat die FSA Stellungen in Wohnblöcken genommen (wie auf etlichen Videos und Bildern zusehen ist), also schießt die Armee die Stellungen zusammen. Dass sie dabei Zivilisten töten scheint ihnen dabei recht egal, was ich nicht unterstütze, aber rein Militärisch gesehen richtig ist...

Beweis für die Planung oder ihre Schlussfolgerung?

Honzo1122
00
10.2.2012, 02:43
Na ja ich glaube dieser Willkür nicht,

Da gibt es sehr viele Videos und Zeugenaussagen.

Shota
711
Killer Bunny
11
10.2.2012, 05:29
Was soll daran Qualitätsjournalismus sein? Gleich im zweiten Satz meint Berger, dass die Nato in Syrien gerne intervenieren würde.

Syrien wird seit einem Jahr wie ein heiße Kartoffel behandelt und die Nato (bzw. der Westen) hat wirklich keine Lust, 1 Billion oder mehr wie im Irak für ein Fiasko auszugeben. Die Gemengenlage in Syrien ist ja noch viel komplizierter als im Irak und die Kohle sitzt im Westen auch nicht so locker, als dass man sich sich auf Verdacht hin in so ein Abenteuer stürzen würde. Eine wirkliche Unterstützung mit Waffen soll mir der Berger einmal zeigen. Was liefert der Westen und diverse arabische Länder: Kieselsteine gegen Panzer? Jetzt beginnen sich erst die Fronten zu klären, nachdem eine politische Lösung (Abgang Assad) auszuschließen ist und wahrscheinlich werden jetzt auch bald andere Waffen zu sehen sein.

MySinn.at
74
und ...

dies ist also die "ultimative" Propaganda, Verzeihung ... Wahrheit ???

egal9
54

Sind Sie zu blöd zum Lesen oder was?

Was deutet bei Sätzen wie
"Wir tappen also als Beobachter im Dunkeln und sollten Berichten von beiden Seiten mit einem gesunden Misstrauen begegnen."
darauf hin, dass es die "ultimative Wahrheit ist?

Ist es denn so schwer wenigstens mal einen Text zu lesen, bevor man ihn kommentiert.

Es wird immer peinlicher mit euch Trollen. Ihr seid ja überhaupt nicht mehr imstande irgendwie sachlich zu diskutieren.

MySinn.at
20
Ob Sie es glauben ...

oder nicht, ich habe den Text zuerst gelesen und dann mein Post geschrieben !!!

Der Herr Berger scheint Ihrer Meinung zu sein und ist sicher dankbar wenn Sie sein Buch erwerben - aber darum hat er es ja nicht geschrieben, oder ?

pepitant
00
10.2.2012, 00:07

Auch das noch. :-)

egal9
22

Sind Sie nicht in der Lage Kritik anhand des Textes zu formulieren?

"Der Herr Berger scheint Ihrer Meinung zu sein"
Schon wieder falsch. Berger bezeichnet sich als liberalen Linken. Das mache ich mit Sicherheit nicht. Allerdings denkt er wenigstens nach und glaubt nicht jeder Kriegeslüge bedingungslos. Das unterscheidet ihn und mich dann von Ihnen.

Und welches Buch? Im Artikel ist von keinem Buch die Rede.

Und wenn Sie den Artikel gelesen haben, was soll dann so ein Satz
"ultimative" Propaganda, Verzeihung ... Wahrheit "?

Das ist sicherlich nicht Bergers Anspruch und das macht er auch klar deutlich. Also was sollen Ihre miesen rhetorischen Spiele? Können Sie nicht sachlich?

MySinn.at
20
... stimmt !

Tatsächlich kein Buch !!!

Mir stösst nur das ewige "... der kriegsgeile Westen.." und "Kriegslüge" langsam sauer auf; weiters bezweifele ich in keinster Weise den geostrategischen Hintergrund (zB Iran-Frage). Nur sollte nicht andauernd (propagandistisch) der Tod von Zivilisten in Frage gestellt werden ... dh meine "miesen rhetorischen Spiele" !

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