Eigentor der Frauenlobby

KrisenFrey, 8. Februar 2012, 20:58

Der Kampf gegen die Angleichung des Pensionsalters ist weder gerecht noch gut für Frauen

Seit Tagen wird das Leserbrief-Postfach des Standard mit Briefen von Frauen gefüllt, die alle ungefähr das gleiche sagen: Die von der ÖVP und den meisten Pensionsexperten geforderte rasche Angleichung des Frauenpensionsalters an das der Männer, das nach derzeitigem Stand erst im Jahr 2024 beginnen soll, wäre ein Schlag gegen die Frauenrechte und würde ohnehin schon benachteiligte Arbeitnehmerinnen weiter hart treffen.

Frauen seien über 50 oft krank und kaum noch arbeitsfähig, heißt es, und das Recht, fünf Jahre früher in Pension zu gehen, sei ein notwendiger Ausgleich für geringere Bezahlung und schlechte Aufstiegschancen.

Die Briefe klingen so ähnlich, dass man eine Kampagne dahinter vermuten muss. Und tatsächlich haben die ÖGB- und SP-Frauen, angeführt von Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek, die Verteidigung des jetzigen Fahrplans für die Angleichung als zentrale Forderung an ihre Fahnen geheftet. Die Chancen, dass sie die Angleichung zumindest noch auf Jahre hinauszögern können, stehen gut.

Das ist schlecht.

Das ist schlecht für das Budget, schlecht für die Volkswirtschaft und vor allem schlecht für den Status der Frau in unserer Arbeitswelt. Das frühere Pensionsantrittsalter für weibliche Arbeitnehmer ist ein Relikt aus einer vergangenen Ära, das schleunigst abgeschafft gehört.

Es stimmt, dass viele arbeitende Frauen immer noch benachteiligt werden, und dass sich das auf ihre Pensionshöhe niederschlägt. Aber das gilt nicht pauschal für alle Frauen.

Ein sinnvoller Ausgleich sind Maßnahmen zur Sicherstellung einer fairen Bezahlung und eine Anrechnung von Kindererziehungsjahren auf die Pension -  all das ist in den letzten Jahren passiert. Aber alle Frauen deshalb früher in Pension gehen zu lassen, ist vom grundsätzlichen Ansatz her falsch.

Es schadet auch Unternehmen, die oft erfahrene Kräfte verlieren, für die es angesichts des wachsenden Arbeitskräftemangels keinen guten Ersatz gibt.

Es schadet der Wirtschaft allgemein, die Frauen fürs Nichtstun bezahlen muss, wenn sie noch Jahre produktiv arbeiten könnten. Das gilt auch für männliche Frühpensionisten, für Frauen wegen des früheren Antrittsalters aber noch mehr.

Am meisten schadet es den Frauen selbst. Im Einzelfall werden Frauen oft gezwungen oder gedrängt, in Ruhestand zu gehen, wenn sie es eigentlich noch nicht wollen. Sie enden mit einer geringeren Pension, als wenn sie länger arbeiten würden. Gerade die Jahre mit dem besten Verdienst gehen für viele verloren.

Vor allem aber zementiert das frühere Pensionsalter eine Zweiklassengesellschaft in der Arbeitswelt ein. Spätestens ab 50 werden Frauen auch deshalb nicht mehr weitergebildet oder befördert, weil sie ja ohnehin nicht mehr lange arbeiten werden. Kaum dass sie die Benachteiligung wegen tatsächlicher und möglicher Mutterschaft hinter sich gelassen haben, taucht die kommende Pensionierung am Horizont auf.

Die Frauen, die heute und morgen davon betroffen sind, sind nicht mehr die Trümmerfrauen der Wiederaufbauzeit. Darunter sind viele Frauen, die in den siebziger Jahren studiert haben, die ihr Leben lang für Gleichberechtigung gekämpft haben, und die oft gute Jobs halten. Und nun sollen sie zu arbeiten aufhören, weil ihrem Geschlecht so viel Böses angetan wurde?

Natürlich ist es für viele nett, wenn sie spätestens ab 60 – aber oft schon ab 55 – mehr Zeit für Reisen oder für Gartenarbeit haben oder sich um die gerade angekommenen Enkel kümmern können. Pensionierte Großmütter sind eine Säule der Kinderbetreuung in Österreich. Aber ist das das Frauenbild, das Heinisch-Hosek & Co erhalten wollen?

Gerade die Frauenministerin hat immer wieder mit klugen Vorschlägen aufhorchen lassen. Warum sie sich hier an eine völlig überholte Regelung klammert, ist unverständlich. Entweder ist sie selbst verblendet, oder traut sie sich nicht gegenüber anderen Funktionärinnen, ein einmal erkämpftes „Privileg“ infrage zu stellen.  

Was wir haben, werden wir mit Händen und Füßen verteidigen, ist die Devise, die Heinisch-Hosek offenbar von ihrem Verhandlungsgegner Fritz Neugebauer gelernt hat. Schade.

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Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 152
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Tishbi
20
Eigentlich wollte ich ja jetzt ein Posting schreiben

1. Schritt: Einloggen auf der derStandard.at
2. Schritt: Andere Postings mal durchlesen
3. Schritt: Nachdenken wie man seine vernünftige Meinung so formulieren kann dass man keine Antwort bekommt die einen zur Verzweiflung treibt
4. Schritt: Kapitulation

Oddo Wolf
01

beim 3. Schritt gescheitert?
Nochmal versuchen. Jetzt nur nicht aufgeben.

woody999
14
wo sind die arbeitsplätze für ältere?

man gilt doch schon mit 40 oder 45 als alt am arbeitsmartk. wie soll dann eine/r 60-jährige wieder einen job finden, wenn er/sie arbeitslos wird?

wo sind die arbeitsplätze für die älteren?

die sehen wohl nur die wissenschaftler und statistiker in ihren studien. in der realen wirtschaft schaut es anders aus.

je länger arbeitslos und je geringer das einkommen im alter, umso geringer ist die pension. das ist wohl der einzige grund für diesen alterspoker.

.

Mag. Doris Mihokovic
 
22

Ich gebe zu bedenken, dass verheiratete Frauen erst mit der Eherechtsreform 1974 ueberhaupt einer Erwerbstaetigkeit nachgehen DURFTEN. Vorher konnte der Ehemann als "Familienoberhaupt" bestimmen, dass ihre Frau zu Hause bleibt - und wenn es nur dazu diente, im die Hauspatschen rechtzeitig aufzuwaermen, wenn er von seiner Arbeit heimgekommen ist.
Auch NACH dieser Reform haben viele Ehemaenner ihren Frauen, die Aufnahme einer Erwerbstaetigkeit untersagt oder zu verhindern gewusst.

Mag. Doris Mihokovic
 
02

"Es schadet auch Unternehmen, die oft erfahrene Kräfte verlieren, für die es angesichts des wachsenden Arbeitskräftemangels keinen guten Ersatz gibt."

Meist sind es jedoch die Unternehmen, die freiwillig auf die Dienste ihrer erfahrenen MitarbeiterInnen verzichten und danach trachten, diese fruehestmoeglich loszuwerden.

Das Argument zaehlt auch insofern nicht, weil es keinen ZWANG des Arbeitnehmers/der Arbeitnehmerin gibt, bei Erreichen eines bestimmten Alters, in Pension gehen zu MUESSEN - ausser ev. einem - mehr oder weniger - "sanften" Druck seitens des Arbeitgebers.

Dagmar Rehak Wien
 
65

Was an der ganzen Argumentation falsch ist:
Die Ansprüche von Individuen werden am Durchschnitt einer Menschengruppe festgemacht. Das darf man nicht, sondern wenn man schon bestimmte Belastungen anführt, dann muss das Recht, früher in Pension gehen zu dürfen, an diesen Belastungen festgemacht werden.
Also: Ein alleinerziehender Vater mit drei Kindern soll genauso früher in Pension gehen können wie eine alleinerziehende Mutter, und umgekehrt kinderlose Frauen zum Bundesheer und später in Pension.
Eigenartig auch, dass das freiwillige Kinderkriegen zu einem früheren Pensionsantritt verpflichten soll, das verpflichtende Bundesheer aber nicht.

Aber mit Jammern hat man anscheinend Erfolg.

Die Ungleichbehandlung muss SOFORT weg.

Mag. Doris Mihokovic
 
13
@ Dagmar Rehak

Kinderlose Frauen arbeiten durch, d.h. sie machen keine Baby-Pause, haben daher auch frueher ihre Versicherungsjahre beisammen.

Frauen - auch kinderlose - kuemmern sich oft um ihre alten Eltern u pflegen diese, leisten als mehr als laeppische 6 Monate Praesenzdienst.

Die Freiwilligkeit des Kinderkriegens ist relativ.
Frueher gab es keine Verhuetungsmittel, ausserdem war in der Ehe die "Verweigerung der Fortpflanzung" ein Scheidungsgrund.

Und es gibt nicht allzuwenige Maenner, die keinen Praesenzdienst abgeleistet haben, weil sie (angeblich!) untauglich waren. Die muessen auch nicht spaeter in Pension gehen.
Der Wehr-/Zivildienst wird ebenso wie Kindererziehungszeiten als Ersatzzeiten fuer die Pensionsversicherung angerechnet.

Dagmar Rehak Wien
 
15

Männer arbeiten auch durch. Haben die auch früher ihre Versicherungsjahre zusammen?

Wer sich um pflegebedürftige Verwandte kümmert, sollte diese Zeit natürlich irgendwie abgegolten bekommen, aber nicht auf Grund des Geschlechts. Ich kenne übrigens einen Mann, der seinen Vater gepflegt hat.

Kinderkriegen ist für Frauen absolut freiwillig. Für die aktuell in Pension gehenden Frauen hat es nie verhütungslose Zeiten gegeben.

Es bleibt dabei: Wenn schon was abgelten, dann auf Grund tatsächlicher Leistungen und NICHT auf Grund des Geschlechts.

randolf
11
Ja ja

Bitte liebe mitleidensgenossen, lasst euch bitte nicht Hirnwaschen...
Die Sache ist die, der Staat will keine Pensionen mehr zahlen. Das will er so erreichen, dass man Männer ein halbes Jahr vor ihrem biologischen Ablaufdatum frühestens in Pension gehen lässt. Bei der Frau ist das ein bisschen schwierieger, weil ihr biologisches Ablaufdatum etwas länger ist, und weil sie auch noch früher in Pension gehen darf. Die Frage ist die, ist das fair? Ja ist es, weil wenn wir keine Steuern zahlen müssten, könnten wir nach 20 Jahren arbeiten, mit privat Arzt, Haus, Hund und Garten in Pesnsion gehen, aber weil wir extrem Steuerversklavt sind, müssen wir über 40 Jahre arbeiten um dann mit Hungerrente dahin zu vegetieren...

Oddo Wolf
01
10.2.2012, 00:43
Im letzten Satz Deines Beitrags ist der Hinweis auf die Wurzel allen Übels.

-
In den letzten Monaten ist eine zunehmende Polarisierung in allen Bereichen zu beobachten. Links gegen Rechts, Frauen gegen Männer, Privatangestellte gegen Beamte und ebendort gegen Pragmatisierte usw.

Die Verursacher der Krise agieren global und wirken regional als geheime Sponsoren politischer Parteien und sind die größten Nutznießer der Pressefreiheit. Das zu erkennen und der geeinte Widerstand kann einen sozialen Wandel herbeiführen.

Der Soziologe Pierre Bourdieu: Widerstand entsteht dann, wenn die Konkurrenzkämpfe überwunden werden zugunsten von Kämpfen, die die herrschende Ordnung in Frage stellen: durch reale, effektiv mobilisierte Kräfte, praktische Klassen, die kollektiv und öffentlich im sozialen Feld zu agieren beginnen.

02515151541
57
welche entschuldigung gibts eigentlich, dass frauen keinen wehrdienst zu leisten haben???

oder warum sie trotz 7 jahre längerer lebenserwartung 5 jahre früher in pension gehen dürfen????

mit den einzahlungen in die pensionskasse schauts bei euch nämlich eher mager aus...

oder kann mir jemand die gleichtheit erklären, warum frauen per gesetz mehr (nicht gleich viel) für die selbe leistung bekommen sollen?
(zb. schwerarbeiterregelungen)

wann gibts endlich Männer-Parkplätze???
mit extra kleinen parklücken? heavy metal beschallung....

bitte wofür erdulde ich den ganzen Gender-Horror???

auf gehts!
wer will?

patriotin
10
10.2.2012, 19:08

Frauen leisten mehr zum Wehrdienst als Sie glauben: Frauen bringen nämlich die künftigen Soldaten zur Welt und kümmern sich darum, dass sientauglich werden! Dafür kriegen's eine eingeschränkte Anrechunung der Karenzzeiten! Also merke: Ohne Frauen kein Bundesheer!

02515151541
00
10.2.2012, 12:55
also nach einem tag leider noch immer keine irgendwie befriedigende antwort oder gar fakten...

rosebud2
20
10.2.2012, 09:00
wenn wehrdienst fuer frauen schon immer vorgesehen ware, wuerd ma ihn wahrscheinlich machen

aber ich bin auch fuer eine abschaffung des wehrdienstes fuer maenner

und tun,s ihre gender traumatisierung behandeln lassen und seien's nicht so ein wimmerl

rosebud2
10
10.2.2012, 08:56
maenner-parkplaetze?

seit wann sind maenner haufige opfer maennlicher taeter von ueberfaellen und vergewaltigungen in parkgaragen?

02515151541
00
10.2.2012, 12:54

das frauenparkplätze nur ca. doppelt so breit sind liegt woran?

lightyear2000.tumblr.com
35

die "bevorzugung" von frauen bei wehrdienst u pensionsantrittsalter ist im system hegemonialer maennlichkeit durchaus logisch. so werden frauen ja als schwach konstruiert, denen man die tuere aufhalten muss u in den mantel hineinhelfen muss.

ein wichtiger aspekt ist, dass f seit jeher unbezahlte hausarbeit u somit reproduktionsarbeit leisten, ohne die unser kapitalist. system niemals funken wuerde, der mann unmoeglich der "ernaehrer der familie" (sic!) sein koennte. dazu kommt, dass diese hausarbeit weder in irgendeine wirtschaftliche rechnung einfließt, oder auch nur von irgendwem als sehr wichtig anerkannt werden wuerde.

gendermainstreaming gibt es aufgrund der massiven benachteiligung v f, wir als m stehen im patriarchat ganz gut da.

Dagmar Rehak Wien
 
11

WENN das so ist, soll das natürlich auch gewürdigt werden. Aber man darf nicht sagen, dass nur Frauen unbezahlte Hausarbeit machen und Männer nicht, weil das einfach nicht stimmt. Ich mache zB keine Hausarbeit, bzw. nur das Notwendigste. Und wenn ich einen Mann hätte, wäre es auch nicht mehr. Wahrscheinlich würde der sogar mehr machen.

lightyear2000.tumblr.com
10

dass es so ist, wurde in wissenschaftlichen, feministischen debatten bereits x-fach bewiesen. du bist möglicherweise eine ausnahme, aber es war über viele jahrtausende so und ist auch heute noch eine gesellschaftliche realität.

die rote baronin
14
Mann, waren das noch Zeiten als Frauen nicht mal die Bürgerrechte besessen haben!!!

"Wer will"? Wer will was? Zurück zu diesen Zeiten, eine Welt ohne das Frauengesindl? Frauen die nur zum Sex und zum Pflegen, Kochen, und Söhnegebären da sind?
Woher kommt eigentlich immer dieser enorme Frauenhass?

erkelteter tiger
03

jetzt wissen wir, dass frey bei bernd marin gut aufgepasst hat

ein sternderl für die fleißaufgabe das nochmal niederzuschreiben

Max Carlo
00

HH kämpft ja auch dafür, dass Frauen im Schnitt gleich viel verdienen wie Männer. Aber objektiv gesehen kann das nur ein Unsinn sein. Wenn Frauen aus evolativen Gründen fast ausschließlich nach oben heiraten, dann müssen Frauen geradezu weniger verdienen. Das klingt jetzt vielleicht komisch, ist aber die einzig legitime Konsequenz aus diesen Tatsachen. HH glaubt den Frauen zu helfen, in Wirklichkeit schadet sie ihnen aber massiv. Und genau hier liegt das Problem auch beim Pensionsalter.

Mathias1337
05
Gleichbehandlung

aber bitte nur dort wo ich was davon hab ....
ts.

Kollege Polygonix
05
Die Geschichte des ungleichen Antrittsalters für Frauen und Männer

Ich finde ja spannend, dass der historische Grund für das ungleiche Antrittsalter nie diskutiert wird, darum für alle interessierten hier zur Info:

Seinerzeit war im österreichischen Recht ausschließlich eine Witwenpension vorgesehen, keine Witwerpension. Dadurch mussten für einen männlichen Pensionsversicherten potentiell mehr Leistung erbracht werden.
Da es ein Ungleichgewicht bei den Leistungen gab, wäre es nur ungerecht gewesen wenn die Einzahlung gleich erfolgen müsste. Aus diesem Grund setzten sich ein paar Versicherungsmathematiker zusammen und raus kam 60 - 65.

Da es inzwischen eine Witwerpension genausogibt: so obsolet wie die Nacht dunkel...

bluebeard's 8th wife.
18
es kommt nicht oft vor, aber hier muss ich frey recht geben.

es gibt viele schlechte gründe, am früheren antrittsalter festzuhalten, aber keinen einzigen guten.

was ich so gar nicht verstehe: die spö- und die gewerkschaftsfrauen hätte hier einen gewaltigen hebel für verhandlungen, den sie einfach liegen lassen.

in etwa: wir stimmen einer schnelleren anhebung zu, wenn die hälrfte der einsparungen für bessere kinderbetreuung, für teilzeitzuschläge und (vor allem!!!!) zur abschaffung der schändlichen anrechnung von partnereinkommen bei der notstandhilfe verwendet wird.

davon hätten viele frauen tatsächlich etwas - aber wo kämen wir hin, wenn die spö-frauen auf einmal anfingen, politische veränderungen strategisch zu verfolgen.

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