Beobachtung zweier Forschergruppen ist "ein wichtiges Puzzlestück der Galaxienentwicklung"
London/Heidelberg - Astronomen haben erstmals eine Zwerggalaxie
erspäht, die eine andere Zwerggalaxie verschlingt. Die Beobachtung
vervollständigt das Bild der Galaxienentwicklung im Kosmos, wie das
Max-Planck-Institut für Astronomie (MPIA) in Heidelberg in einer Mitteilung
betonte. Bisher sei ein solcher galaktischer Kannibalismus nur bei großen
Sternensystemen beispielsweise vom Kaliber unserer Milchstraße beobachtet
worden.
Das kosmische Drama, das zwei Forschergruppen unabhängig voneinander in den Fachblättern
"Nature" und "Astrophysical Journal Letters" beschreiben, spielt sich in 12,4
Millionen Lichtjahren Entfernung im Sternbild Jagdhunde ab. Dort verleibt sich die Zwerggalaxie mit
der Katalognummer NGC 4449 einen noch kleineren,
erstmals 2007 beobachteten Begleiter ein.
Der gängigen Vorstellung zufolge bilden sich große Galaxien aus der
Verschmelzung zahlreicher kleinerer. Unklar ist jedoch, ob sich auch
Zwerggalaxien bereits auf diese Weise bilden oder ob sie direkt aus
intergalaktischem Gas entstehen.
Puzzlestück gefunden
"Die Modelle sagen vorher, dass Zwerge andere Zwerge verschlingen sollten",
erläuterte der Forschungsleiter einer der beiden Gruppen, David
Martínez-Delgado, in der MPIA-Mitteilung. "Jetzt haben wir eine solche Mahlzeit
erstmals direkt beobachten können und so ein wichtiges Puzzlestück der
Galaxienentwicklung gefunden."
Die Form der Begleitergalaxie zeigt, dass sie mit dem größeren Partner in
Kontakt getreten ist und durch dessen Schwerkraft angeknabbert wurde. Die
Wissenschafter hoffen, weitere Zwerggalaxie-Kannibalen aufzuspüren.
MPIA-Astronomin Michelle Collins betonte: "Jetzt, wo wir wissen, wie eine
halbverdaute Zwerggalaxie aussieht, sollten wir in der Lage sein, weitere
Beispiele für Zwerge zu finden, die andere Zwerge verschlingen." (APA/red)