Neue Untersuchung über globalen Verlust an Landeismassen brachte Überraschungen
London/Wien - Auf den Landmassen der Erde gibt es insgesamt 160.000
Gletscher, Eisschilder und Eiskappen. Bilder vom Rückgang der Gletschermassen
zählen zu den eindrucksvollsten Veranschaulichungen des Klimawandels. Allein:
Bei weniger als 120 Gletschern, also nicht einmal einem Promille, wird die
jährliche Massebalance genau registriert, und bei bloß 37 der vermessenen
Eismassen gehen diese Aufzeichnungen weiter als 30 Jahre zurück.
Aus diesem Grund nimmt es nicht Wunder, dass die bisherigen Analysen zur
globalen Landeisschmelze an Land eher vorläufig ausfielen. Und ebenfalls nur
sehr grob konnte bisher geschätzt werden, wie groß der Beitrag dieser
abgeschmolzenen Gletschermassen zur Erhöhung des Meeresspiegels war.
Wie aber lassen sich die Eismassen und ihre Veränderungen überhaupt global
messen? Ein Team von Klima- und Gletscherforschern um Thomas Jacob und John Wahr
von der Universität von Colorado in Boulder (US-Staat Colorado) hat dazu eine
neue Methode entwickelt: Es wertete Aufnahmen der Grace-Satelliten-Mission aus,
die monatliche globale Schwerefeldmessungen vornimmt. Damit konnten die Forscher
auch Rückschlüsse auf Massevariationen der Gletscher anstellen.
Die Wissenschafter konzentrierten sich zunächst auf große Gletscher und
Eiskappen mit einer Fläche von mehr als 100 Quadratkilometern. Zu den
untersuchten Regionen gehörten etwa die Gletscher in den Hochgebirgen wie den
Alpen oder dem Kaukasus, das patagonische Inlandeis oder die kanadischen
Eiskappen.
Dabei zeigte sich durchaus Überraschendes: Laut der im Fachblatt
Nature (online) veröffentlichten Studie verloren die Gletscher und
Eiskappen zwischen 2003 und 2010 deutlich weniger Masse als bisher angenommen.
Vor allem in den Hochgebirgen Asiens sei der Masseverlust deutlich geringer als
in früheren Studien errechnet.
Aus der verflüssigten Eismasse errechnete das Forscherteam auch den Beitrag
zum Anstieg des Meeresspiegels: Der betrug ganze 1,5 Millimeter pro Jahr.
(tasch, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 9. Februar 2012)