Unruhen weiten sich auf weitere Inseln aus

8. Februar 2012, 19:39
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Zurückgetretener Präsident bei Demonstration in Male verletzt - Hilfswerk weist auf Christen-Verfolgung hin

Male - Die Unruhen auf den Malediven haben sich ausgeweitet. Nach dem Machtwechsel in der Hauptstadt Male gab es am Mittwoch auf mindestens zwei Inseln im Süden des Archipels Angriffe auf Polizeistationen. Der Bürgermeister von Addu, Abdulla Sodig, sagte, eine Polizeistation sei gestürmt worden, zwei andere würden von Demonstranten belagert. Auf der Insel Thinadhoo griff eine Menge von rund eintausend Demonstranten laut der Schilderung eines Regierungsmitarbeiters sowohl eine Polizeistation als auch ein Justiz- und ein weiteres Regierungsgebäude an.

Der am Dienstag zurückgetretene Präsident Mohamed Nasheed, der seinen Stellvertreter und Nachfolger Mohamed Waheed für den Umsturz mitverantwortlich machte, wurde bei einer Demonstration in Male verletzt. Mehrere Mitglieder von Nasheeds Demokratischer Partei (MDP) seien bei den Auseinandersetzungen in der Hauptstadt verletzt worden, sagte Nasheeds Cousine Eva Abdulla. Augenzeugen berichteten, dass die Polizei gegen Demonstranten Tränengas und Schlagstöcke einsetzte.

6. Platz am "Weltverfolgungsindex"

Das christliche Hilfswerk "Open Doors" wies in einer Aussendung darauf hin, dass der zurückgetretene Präsident Nasheed als Reformer galt. Er sei teils der islamistischen Opposition wegen gewichen. Die Malediven zählten schon seit Jahren zu jenen Ländern, in denen die Christen am stärksten verfolgt werden. Auf dem vom Schweizer Hilfswerk alljährlich erstellten "Weltverfolgungsindex" liegen die Malediven heuer auf Platz 6, hinter Nordkorea, Afghanistan, Saudi-Arabia, Somalia und dem Iran.

So verbietet die Verfassung der Malediven vom Islam abweichende religiöse Ansichten, nicht-muslimische Ausländer dürfen die Staatsbürgerschaft nicht erhalten. Die Einfuhr von Bibeln sei verboten, nur Ausländer dürfen ein Exemplar für den Eigenbedarf besitzen. Die wenigen einheimischen Christen "leben in einem Klima der Angst", heißt es in der Aussendung. Sie dürfen sich nicht zu Gottesdiensten versammeln und auch keine Kirche gründen. (APA)

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