Zurückgetretener Präsident bei Demonstration in Male verletzt - Hilfswerk weist auf Christen-Verfolgung hin
Male - Die Unruhen auf den Malediven haben sich
ausgeweitet. Nach dem Machtwechsel in der Hauptstadt Male gab es am
Mittwoch auf mindestens zwei Inseln im Süden des Archipels Angriffe
auf Polizeistationen. Der Bürgermeister von Addu, Abdulla Sodig,
sagte, eine Polizeistation sei gestürmt worden, zwei andere würden
von Demonstranten belagert. Auf der Insel Thinadhoo griff eine Menge
von rund eintausend Demonstranten laut der Schilderung eines
Regierungsmitarbeiters sowohl eine Polizeistation als auch ein
Justiz- und ein weiteres Regierungsgebäude an.
Der am Dienstag zurückgetretene Präsident Mohamed Nasheed, der
seinen Stellvertreter und Nachfolger Mohamed Waheed für den Umsturz
mitverantwortlich machte, wurde bei einer Demonstration in Male
verletzt. Mehrere Mitglieder von Nasheeds Demokratischer Partei (MDP)
seien bei den Auseinandersetzungen in der Hauptstadt verletzt worden,
sagte Nasheeds Cousine Eva Abdulla. Augenzeugen berichteten, dass die
Polizei gegen Demonstranten Tränengas und Schlagstöcke einsetzte.
6. Platz am "Weltverfolgungsindex"
Das christliche Hilfswerk "Open Doors" wies in einer Aussendung
darauf hin, dass der zurückgetretene Präsident Nasheed als Reformer
galt. Er sei teils der islamistischen Opposition wegen gewichen. Die
Malediven zählten schon seit Jahren zu jenen Ländern, in denen die
Christen am stärksten verfolgt werden. Auf dem vom Schweizer
Hilfswerk alljährlich erstellten "Weltverfolgungsindex" liegen die
Malediven heuer auf Platz 6, hinter Nordkorea, Afghanistan,
Saudi-Arabia, Somalia und dem Iran.
So verbietet die Verfassung der Malediven vom Islam abweichende
religiöse Ansichten, nicht-muslimische Ausländer dürfen die
Staatsbürgerschaft nicht erhalten. Die Einfuhr von Bibeln sei
verboten, nur Ausländer dürfen ein Exemplar für den Eigenbedarf
besitzen. Die wenigen einheimischen Christen "leben in einem Klima
der Angst", heißt es in der Aussendung. Sie dürfen sich nicht zu
Gottesdiensten versammeln und auch keine Kirche gründen. (APA)