Die Fixer von Gaza: Journalismus nach Rezept

Blog | Andreas Hackl, 8. Februar 2012, 19:31
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    foto: ap/moussa

    Gaza ist ein gefährliches Pflaster für Journalisten.

Sie sind der Zauberstab eines jeden Journalisten. Alle Auslandsjournalisten kennen sie, doch niemand spricht gerne von ihnen: die Fixer. Sie besorgen Kontakte, organisieren Fahrer und übersetzen. Manchmal führen sie sogar Interviews anstelle von Journalisten.

"Hast du das Interview mit Ismail Haniyeh (Premierminister, Hamas, Anm.) im 'Independent' gesehen?", fragt der Fixer Mohamed am Weg vom israelischen Grenzübergang Erez nach Gaza-Stadt. "Das habe ich gemacht", fügt er stolz hinzu.

Der Vorstand von Independent Ltd., Evgeny Lebedev, ist Anfang Jänner höchstpersönlich nach Gaza gekommen, um Haniyeh zu treffen Doch wie bei allen anderen Geschichten kommt Mohamed auch hier nicht vor. Immerhin ist er ja bloß Fixer und nicht Journalist.

"Im Prinzip haben wir vier zentrale Aufgaben", erklärte mir ein anderer Fixer und Journalist während des Abendessens in Gaza-Stadt. Erstens ist ein Fixer ständiger Begleiter und Beschützer, denn immerhin sei Gaza kein Kinderspiel: Erst im April wurde mit dem Italiener Vittorio Arrigoni ein ausländischer Journalist (und Aktivist) entführt und Stunden später ermordet

Zweitens organisiere ein Fixer Interviews und stelle die dafür nötigen Kontakte her. In vielen Fällen ist er damit quasi der Produzent der Geschichte. Drittens könne er auch noch übersetzen, und viertens sei er für die Registrierung der Journalisten im Innenministerium verantwortlich.

200 US-Dollar pro Tag ist die übliche Rate. Dabei ist egal, ob man den Fixer für drei oder sechs Stunden in Anspruch nimmt. Und am Ende folgt meistens dennoch ein Feilschen um alle möglichen Extras. Immerhin ist in Sachen Journalismus zurzeit tote Hose in Gaza. Da will man sich fix das Maximum herausschlagen. Sind die Journalisten zu zweit, verdoppelt sich der Preis.

Während die ständigen Korrespondenten von größeren Medien meist Kosten für Fixer, Transport und Ähnliches absetzen können, stehen die freien Journalisten - schon heute die große Mehrheit der jungen Korrespondenten - oft ziemlich blöd da.

Doch letztlich ist es auch eine Frage des Stils. Vom größeren Risiko abgesehen: Das Gespräch mit dem Nachbarn im Bus wird viel eher Teil einer Reportage werden als der isolierte Blick aus dem Fenster eines Taxis. In diesem Sinne dürfte die finanzielle Benachteiligung freier Journalisten zumindest die Qualität ihrer Reportagen verbessern. (derStandard.at, 8.2.2012)

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11 Postings
accuser
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10.2.2012, 08:28
Die NZZ zum Thema (Fixer in Kabul)

http://www.nzz.ch/nachricht... 44409.html

Hugo Strudl
21

Ein guter und interessanter Text.

Dirty Sanchez i.R.
 
02
Ganz schön happige Preise dort!

Zu den Vietnam-Zeiten von Onkel Sanchez bekam man für 100 Dollar einen Fixer in Hanoi, der außerdem noch seine Schwestern für die Pausen und den Haushund als Jause zur Verfügung gestallt hat, all inclusive, selbstredend.

wieso auch nicht
2210

Die Fixer sind praktisch, sie stellen bei Bedarf gleich eine Riege an Laienschauspielern, die alle möglichen Verletzungen oder gar Begräbnisse simulieren. Pallywood lässt grüßen!

Der Waehlerwille
 
104
10.2.2012, 10:25
Achten aber nicht immer peinlich genau darauf dass "tote" die von Bahren gefallen sind nicht wieder fix raufspringen ohne dass die Kameras aus wären ...

1.Kp / EW 74
 
12
10.2.2012, 14:09
Ja, wahre "Sternstunden" des Jornalismus

waren das damals.

Manche davon durchaus reif für den Oskar, und sehr orientalisch-

mistaG
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warum ausgerechnet drogensüchtige? ;-)

ich sag's grad raus
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so, jetzt sind wir thematisch angefixt.

wo/wann gibt's mehr (lese)stoff? das wird doch wohl nicht alles gewesen sein.

baneck08
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zum Kopfschütteln

Wenn der Hackl den Italiener Arrigoni für einen "Journalisten" hält, wundert es nicht, dass er glaubt etwas über "Qualität der Reportagen" schreiben zu können.

Müllers Mops
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Irgendwie schon traurig. Und eins lass' ich mir nicht erzählen, das die Jungs da unten nicht abchecken können wie gestopft man ist.
Die können von 100 meter Entfernung locker einen Holländer von einem Deutschen unterscheiden. Einen Schweizer von einem Franzosen. Bevor man pap gesagt hat.
Was solls. Ausserdem, wenn sich die Kosten für ein Interview auf Eis und n Kaffee beschränken, kann man a) mehrere machen und b) dadurch ein wahrscheinlich treffenderes Bild zeichnen als wenn man den "Chief" fragt.

Menny
01
Zu dem Thema

würde ich gerne eine längere Geschichte lesen! Die paar Häppchen machen neugierig.

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