Rahul Gandhi

Der zornige junge Mann probt für Indiens Bundeswahlen

Christine Möllhoff aus Neu-Delhi, 8. Februar 2012, 18:38
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    foto: epa

    Die Chefin der Kongresspartei, Sonia Gandhi (l.), hat ihrem Sohn Rahul im Laufe der Jahre immer mehr Aufgaben übertragen. Bei den Bundeswahlen 2014 soll er dann in der ersten Reihe stehen.

Früher reichte schon der Name Gandhi, um Wahlen zu gewinnen - doch diese Zeiten sind wohl vorbei

Rahul Gandhi watet durch den Schlamm, ganz in Weiß gekleidet. "Ich werde bis zu meinem letzten Bluts- und Schweißtropfen für euch arbeiten!", verspricht er den armen Menschen im Dorf. Indiens "Kronprinz", wie ihn die Medien gern nennen, ist auf Wahlkampftour. Und das ist in dem Riesenland ein mühsames, bisweilen schmutziges Geschäft. Gleich in fünf Bundesstaaten wird in diesen Wochen gewählt, zwei weitere folgen später.

Und der Hoffnungsträger der Gandhi-Dynastie hetzt von Dorf zu Dorf, von Rede zu Rede. Früher reichte schon allein der Name Gandhi, um Wahlen zu gewinnen. Doch heute kämpft die Kongresspartei, die seit Jahrzehnten fest in der Hand der Nehru-Gandhi-Familie ist, gegen den Niedergang. Nun will Indira Gandhis Enkel den alten Glanz wiederbeleben.

Die Wahlen gelten als Nagelprobe für Rahul, der als "Regierungschef im Wartestand" und "Premierminister im Praktikum" gehandelt wird. Er zeichnet für die Wahlkampagne verantwortlich.

Wichtig wird vor allem Uttar Pradesh, der größte Bundesstaat mit 200 Millionen Einwohnern. Dort schlage die "Stunde der Wahrheit", meint das Magazin Tehelka. Dort regiert bisher eine Frau, die die Gandhi-Partei das Fürchten gelehrt hat: Sie ist klein, untersetzt und trägt das Haar fast so kurz wie ein Mann. Ihr Name ist Mayawati, aber ihre Anhänger nennen sie meist respektvoll "Behenji" (ehrwürdige Schwester). Mit ihrer Kastenpartei BSP hat sie 2007 in Uttar Pradesh die absolute Mehrheit erobert. Nun hofft Gandhi dort auf ein Comeback seiner Partei, das auch indienweit eine Trendwende einläuten soll.

Kontrahentin Mayawati

Über Jahrzehnte wurden die Gandhis wie Götter verehrt, besaßen beinahe ein Geburtsrecht auf die Macht. Doch das änderte sich ab den 1980er-Jahren mit der Hindu-Partei BJP und Regionalparteien in den Bundesstaaten.

Das war in Uttar Pradesh nicht anders. Doch inzwischen wächst wegen Stagnation und Korruption der Unmut über Mayawati. Sie, die vor allem bei den Dalits, den Unberührbaren, stark ist, zelebriert ihre Macht wie eine neuzeitliche Sonnenkönigin und soll unglaubliche Reichtümer angehäuft haben. Vertreter unterer Parteiränge müssen angeblich vor ihr niederknien.

Doch inzwischen scheint Mayawati um ihre Wiederwahl zu bangen: In letzter Minute versucht nun die 56-Jährige, sich als Sauberfrau zu präsentieren. Sie entließ die schlimmsten Finger aus ihrer Regierung, und ihr Markenzeichen - luxuriöse Handtaschen - lässt sie lieber daheim. Doch ob ihr die Wähler die späte Reue abkaufen, ist zweifelhaft.

Darauf setzt auch Gandhi, der kräftig Salz in die Wunden streut und die Korruption anprangert, obwohl auch die Kongresspartei ihre Hände keineswegs in Unschuld waschen kann. "Wir werden kein Bündnis mit Dieben und Gangstern eingehen", schmäht er die rivalisierenden Parteien.

Der Gandhi-Spross spielt einerseits auf der Klaviatur der traditionellen Kastenpolitik und schnappt der BSP und der SP zugkräftige Kasten-Kandidaten weg. Andererseits gibt er sich als fortschrittlicher Führer, der die verkrustete Kongresspartei verjüngen und mehr Graswurzel-Demokratie einführen will.

Rahul gibt den zornigen jungen Mann, der für den einfachen Mann kämpft, teilt Becher und Teller mit Unberührbaren und marschiert an der Spitze landloser Bauern - das trägt ihm Lob ein, aber auch Spott. Wofür Gandhi steht, lässt sich nur schwer sagen. Er gilt als medienscheu, so gut wie nie gibt er Interviews, und über das Privatleben des Unverheirateten ist wenig bekannt.

Vorbereitung auf 2014

Seit seine Mutter, Parteichefin Sonia Gandhi, wegen einer schweren Operation in den USA weilte, hat er schrittweise mehr Aufgaben übernommen. Doch bis zu den Bundeswahlen 2014 bleibt noch viel zu tun, denn in Umfragen wünschen sich 24 Prozent Narendra Modi als Premier. Das ist jener BJP-Politiker, dem die Ausschreitungen gegen Muslime in Gujarat 2002 angelastet werden. Rahul kam dagegen nur auf 17 Prozent. Ein Trost bleibt ihm: Indiens Wähler haben Umfragen schon mehr als einmal Lügen gestraft. (DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2012)

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13 Postings
Marthandavarman
00
18.2.2012, 14:38
Tendenzen gegen Nationalparteien

In den Bundesstaaten wird der Ruf nach Regionalparteien immer lauter. Viele Wähler sehen in den Nationalparteien keine Zukunft, weil diese die lokalen Bedürfnisse ignorieren. Hinzu kommt, dass die Nationalparteien ein großes Imageproblem haben, da diese traditionell mit Höherkastigen durchsetzt waren/sind. Die Regionalparteien waren daher auch durch das sozialhistorische Argument zu Drachentötern aufgestiegen.
Das hat zur Folge, dass der INC dem Untergang geweiht ist. Die BJP war zumindest in der Lage, die Zeichen der Zeit zu erkennen. Diese haben erfolgreich Teile des Regionalprogramms inheriert.

hugo berndt
20
Großmutter Indira und Mutter Sonja

hatten's schon grandios verbockt.
Jetzt wieder einer der nur den Namen Gandhi trägt, obwohl Er keine leiblichen Kinder hatte.
Man beobachte die Grausamkeit der Großmtter und die veruntreuung der Staatsgelder der Mutter.
Ich glaube es ist ganz normal in Indien, daß da jeder Korrupt ist.

seek+destroy
00
15.2.2012, 14:04

sonia u indira gandhi haben nichts mit mahatma gandhi zu tun !

indira ist die tochter von nehru, erster premier des unabh. indiens.

hugo berndt
00
16.2.2012, 00:09
Noch was,

Es gab einmal einen König, war das ein Maximilian?, nageln sie mich da jetzt nicht fest, der sagte zum Papst:
Halt du s'e Dummm, ich halt s'e Arm.
Das war im 14. JHT, was aht sich jetzt geändert?

hugo berndt
10
15.2.2012, 23:58
Stimmt

verkauft sich aber gut, der Name Gandhi,
eben alles korrupt.
Frage: Hat er jemals Kinder adoptiert?
Antwort: Ja
Frage: Was hat er plötzlich nicht damit zu tun?

seek+destroy
01
16.2.2012, 17:19

der nachname kommt daher dass indira nehru feroz ghandi ehelichte.

das der herr feroz ghandi ws mit dem mahatma ghandi zu tun hat, wär mir neu...

..aber bitte klären sie mich auf.

hier könnte ihr name stehen
00
10.2.2012, 09:21
"Ich glaube es ist ganz normal in Indien, daß da jeder Korrupt ist."

sie meinen, es grassert dorten auch, nicht nur bei uns?

huzlweibl
00
das ist ja fast so schlimm wie in kärnten

lenja
01

gandhi hatte aber schon leibliche kinder, 4 stück sogar:
http://de.wikipedia.org/wiki/Maha... a_Makthaji

Cassidorus
 
01
Den letzten Satz

würde ich als Österreich zur Zeit eher zurückhaltend verwenden...

NONE
00

Gandhi hat damals seine Rolle nicht gespielt sondern sie gelebt. Die Unabhängigkeitsbewegung - von dem britischen Imperium - hat sich hinter Gandhi geschart.

Dieser Kontext existiert heute nicht mehr.

Timagoras
 
02
13.2.2012, 17:55
ich fürchte, Sie verwechseln da - wieder mal - einiges!

Mahatma Gandhi hat mit dem Nehru-Gandhi-Clan nichts zu tun.

subspace99
02
"Das ist jener BJP-Politiker, dem die Ausschreitungen gegen Muslime in Gujarat 2002 angelastet werden."

"India's National Human Rights Commission (NHRC), an official body, found evidence in the killings of premeditation by members of Hindu extremist groups; complicity by Gujarat state government officials; and police inaction in the midst of attacks on Muslims. The NHRC also noted "widespread reports and allegations of well-organized persons, armed with mobile telephones and addresses, singling out certain homes and properties for death and destruction in certain districts-sometimes within view of police stations and personnel," suggesting the attacks may have been planned in advance. Christians were also victims in Gujarat, and many churches were destroyed." (wiki)

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