Wer mehr arbeiten muss, wenn's so kalt ist

9. Februar 2012, 06:15
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Für manche Berufsgruppen bedeutet die Witterung deutlich mehr Arbeit - für Pannenhelfer, ÖBB-Angestellte und Friedhofsverantwortliche etwa – Gute Nachrichten können ihnen die Meteorologen nicht bieten

Wien - "Der frühe Vogel fängt den Pannenhelfer" würde stimmen, wenn die Tiere Autofahren könnten. Das Grundprinzip gilt aber auch für Menschen: Wer Mittwochvormittag wegen kältebedingten Autoausfalls einen ÖAMTC-Pannenhelfer brauchte, war in der Ostregion zu spät dran. Erst am nächsten Tag könne man wegen der vielen Fälle jemanden vorbeischicken, erklärten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Callcenters ihren Kunden. Was durchaus stimmt: Mehr als 15.000 Einsätze gab es in der ersten Februarwoche, dreimal so viele wie üblich.

Dass man bei einer Panne plötzlich ohne Helfer dastehen kann, gesteht Gerhard Samek, Leiter der Pannenhilfe, ein. Man biete den Mitgliedern aber an, Kosten bis zu 70 Euro für Fahrten mit Taxis oder öffentlichen Verkehrsmitteln zu übernehmen. Und intern würden die Fälle nach vier Prioritätsstufen gereiht - ein Unfalleinsatz liegt dabei vor einer leeren Batterie. Drei von vier Ausfahrten betreffen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland derzeit letzteres Problem. Sieben Prozent der Automobile sind immobil, da der Diesel ausgeflockt ist und sich der Motor nicht mehr starten lässt.

Weiterer Kältetoter in der Steiermark

Doch auch wer freiwillig auf seinen Wagen verzichtet, hat es dieser Tage nicht leicht. In Wien-Hietzing kam es kältebedingt zu einer gröberen Betriebsstörung bei den Wiener Linien, auch einige Straßenbahnen konnten wegen defekter Weichen nicht weiterfahren. Schienenmäßig war auch die Steiermark eine Störzone. Zwischen Bruck, Graz und Spielfeld/Strass kam es am Mittwochvormittag zu Zugsausfällen und Verspätungen bei der ÖBB.

In der Steiermark ist auch ein weiterer Kältetoter zu beklagen. Ein 70-Jähriger wurde Dienstagabend vor seinem Wohnhaus im Bezirk Leibnitz tot aufgefunden. Der Mann dürfte bereits am Montagabend zu Sturz gekommen und in der Nacht erfroren sein. Die gesundheitlichen Folgen der Witterung zeigen sich auch bei der Wiener Rettung: Die Auslastung der Wiener Rettung stieg durch vermehrte Einsätze und längere Fahrzeiten um 20 Prozent.

Erst Dienstag Plusgrade

Die Gesundheitsgefahr bleibt nach Meteorologen noch bis zur kommenden Woche bestehen. Erst am Dienstag soll es wieder Plusgrade in Österreich bekommen. Dass Prognosen der Wetterkundler aber manchmal äußerst grobe Schätzungen sind, beweist ein Blick auf die Homepage der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik.

Dort findet sich auch die sogenannte Saisonprognose, eine in Wahrscheinlichkeiten ausgedrückte Klimatendenz für drei Monate im Voraus. Die Aussage für den zweiten Monat des Jahres: "Im Feber liegt die Wahrscheinlichkeit für überdurchschnittliche Temperaturen bei rund 50 Prozent." Könnte natürlich noch werden, wenn es in der zweiten Monatshälfte geschätzte 20 Grad bekommt.

Über einen derartigen Temperaturanstieg würden sich übrigens nicht nur die Pannenfahrer, sondern auch die "Aufmacher" freuen. So lautet der interne Ausdruck für jene Mitarbeiter, die auf dem Wiener Zentralfriedhof die Gräber ausheben - was derzeit nicht so leicht ist.

"Je nach Lage ist die Erde bis zu 40 Zentimeter tief gefroren", erklärt Christian Schertler, einer der Verantwortlichen. Die Folge: Es muss ein "Schremmhammer" eingesetzt werden, ein Pressluftbohrer, um in den Boden eindringen zu können. "Das kann bis zu einer Stunde dauern." Ist eine Beerdigung erst am Montag, kommt ein weiteres Problem dazu, da das Grab schon am Freitag davor gegraben wurde. "Dann ist aber auch der Erdhaufen selbst schon wieder gefroren", sagt Schertler. (Michael Möseneder, DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2012)

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    Vier Beine sind zumindest in Ostösterreich derzeit zwecks Fortbewegung besser als vier Räder. Leere Batterien und Probleme mit dem Diesel machen tausende Autos immobil.

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