Vranitzky für starkes Sparen und mehr noch für viel Erneuern

8. Februar 2012, 18:15
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Der Altkanzler war zu Besuch in Brüssel

Die Haare sind inzwischen weiß, nicht mehr graumeliert. Aber so wie Franz Vranitzky Mittwoch in Brüssel auftrat und seine Sicht von Lage und Zukunft der EU erläuterte - dunkler Anzug, rote Krawatte, schlanke sportliche Figur, gewählter Ausdruck -, konnte man fast glauben, der regierende Kanzler, der Österreich vor siebzehn Jahren in die EU führte, und nicht der Altkanzler, sei aus Wien angereist: "Ich bekenne mich unverbrüchlich wie am ersten Tag zum Projekt Europa", sagt er.

Aber: Die EU-Skepsis, die Spaltung der Bevölkerung macht ihm Sorgen. Nach der Schaffung der gemeinsamen Währung hätte man "schon längst" den nötigen zweiten Schritt zu einer politischen Union setzen müssen. Strukturreformen seien "unumgänglich", der Aufholprozess im Süden werde "schwierig und lang". Die Union stehe vor einer "kolossalen Aufgabe". Mit Sparen allein werde man die Krise aber nicht meistern, dazu müssten Maßnahmen in den Bereichen Infrastruktur, Bildung, Forschung und Innovation kommen, erklärt Vranitzky.

Gleiches gelte für die Spardebatte in Wien: "2008 hat die Regierung etwas Richtiges gemacht. Man hat gesagt, die Finanzkrise darf nicht zur sozialen Krise führen." So seien die Defizite entstanden, die abgebaut werden müssten, "nicht wegen Griechenland". Und wie? Vranitzky: "Von drei Milliarden, die jährlich im Haushalt eingespart werden, sollen zwei Milliarden für Defizitabbau, eine Milliarde für Infrastrukturentwicklung verwendet werden." (Thomas Mayer aus Brüsse, DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2012)

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