Kostenbremse

Letzte Kilometer zur Sparschiene bei der Bahn

Luise Ungerboeck , 8. Februar 2012, 18:03
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    foto: apa/roland schlager

    Durch den Berg ist nicht immer ein Muss, die Weichen können auch vorbeigeführt werden.

Um bis 2017 eine Milliarde Euro beim Bahnausbau zu sparen, sollen die drei Milliardentunnel­projekte abgespeckt und Bahnhöfe später renoviert werden

Beim Bahnausbau steigt die Regierung auf die Bremse. Um bis 2017 eine Milliarde Euro beim Bahnausbau zu sparen, sollen die drei Milliardentunnelprojekte abgespeckt, langsamer gebaut und Bahnhöfe später renoviert werden.

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Wien - Die letzten Kilometer sind auch bei der Bundesbahn die härtesten. Denn die Koalitionspartner eint in seltener Zweisamkeit, die Weichen keinesfalls in Richtung Umfahrung der drei großen Tunnel zu stellen. Koralm-, Semmering- und Brennerbasistunnel mit Planungs-, Bau- und Finanzierungskosten jenseits der 20 Milliarden Euro sind weiterhin sakrosankt.

Um die drei - auch unter Verkehrsexperten höchst umstrittenen - Löcher zu retten, sucht man nun fieberhaft nach Möglichkeiten für Verzögerungen und Verschiebungen - immer unter der Prämisse, das jeweilige Gesamtprojekt nicht zu gefährden und Mindeststandards an Sicherheit zu erhalten. Und trotzdem bis 2016 insgesamt eine Milliarden Euro an Zuschüssen der Republik zum voluminösen Bahnausbauprogramm einzusparen.

Als in Stein gemeißelt gilt auch: Es wird nicht auf einröhrige Tunnelvarianten abgespeckt, weil dies deren Kapazität dramatisch senkt. Personen- und Güterzüge dürften nie gleichzeitig einen Tunnel passieren. Das wiederum würde die beim Koralmtunnel ohnehin nicht gegebene Rentabilität noch weiter drücken. Ohne dramatische Verkehrsexplosion wird die Bahn gemäß Streckenerfolgsrechnung auf der Koralmstrecke nicht einmal die Betriebskosten verdienen.

Perdu wären bei einer einröhrigen Variante des Brennerbasistunnels (BBT) auch die dringend notwendigen EU-Gelder. Der auf mindestens zehn Milliarden Euro taxierte BBT hängt ohnehin in der Luft, Finanzierungszusagen aus Brüssel gibt es nur bis 2013. Gut informierte Quellen wollen nun von zaghaften Anfragen aus Wien wissen, mit denen Reaktionen auf allfällige Umschichtungen der BBT-Gelder auf den Südbahnausbau abgeklopft werden sollen. Offiziell sagt dazu niemand etwas. Außer: Beim BBT sei man in Brüssel und Italien in der Ziehung, daher sei eine Verschiebung "sehr heikel" und eine Absage des verkehrspolitischen Monsterprojekts "kein Thema".

Am leichtesten verabschieden könnte man sich vom Semmeringbasistunnel. Denn für diese Röhre gäbe es relativ kostengünstige Alternativen von Wien über Sopron auf der Raaberbahn hinunter zur Grazer Ostbahn. Dafür fehlt es allerdings an politischem Willen. Denn wohl wird das ungarische Teilstück mit EU-Geldern elektrifiziert und könnte als Verbindung zur Grazer Ostbahn aufgemöbelt werden. Aber für die Politiker in Wien zählt diese Variante nicht, Österreich dürfe nicht umfahren werden. Ergo wurde die Pottendorferlinie das erste Opfer der Haushaltskonsolidierung.

Verschubbahnhof Bahnbau

Womit klar ist: Die eine Milliarde Euro, die die Regierung beim Bahnausbau bis 2016 sparen will, muss zusammengekratzt werden. Denn: Bei weitem nicht alles, das aktuell gebaut wird, braucht sofort Zuschüsse aus dem Budget. Die Belastungen kommen zeitverzögert, quasi wenn die Liquidität der von der ÖBB begebenen Anleihen nicht mehr ausreicht. Gemäß der vor den Verhandlungen über das Sparpaket gültigen Zeitrechnung flossen im Vorjahr 398,9 Millionen Euro Zuschuss in den Bahnausbau, die bis 2016 auf 796,1 Millionen Euro (siehe Grafik) steigen sollten. Nun müssen es pro Jahr 200 bis 250 Millionen Euro weniger sein - ohne die Sicherheit zu unterminieren, wie betont wird.

Neben den spartechnisch vielversprechenden Tunneln geht es vor allem um Kleinvieh wie die Elektrifizierung des Marchegger Asts von Wien nach Bratislava. Der Verzicht bringt laut ÖBB 60 Millionen. Auch einzelne Bahnhofsausbauten werden in die Wartehalle verfrachtet, Nebenbahnen, allen voran in Oberösterreich, will Bures abgeben oder zusperren. Beides geht nicht ohne Zustimmung der Bundesländer, die sich, wie berichtet, bei den laufenden Verhandlungen über die Länderbudgets schadlos halten wollen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2012)

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poster1231
00

ich meine, dass der bbt einfach ein internationales projekt ist, und hoffentlich hilft den güterverkehr auf schiene zu bringen.
ich denke, dass der koralmtunnel sehr wohl eine ordentliche kostenreduktion bringen würde. statt dass man einen zug nach graz und einen nach klagenfurt schickt (und jeweils einen wieder retour und einen zwischen den beiden städten) benötigt man nur einen zug in eine richtung. und das wäre sehr wohl eine kostenersparnis.

Albert Mairhofer
10
11.2.2012, 12:43
Basistunnel für die Wasserstraße Donau-Tirol-Adria

Nur die Rückkehr zu den Wasserstraßenprojekten der Donaumonarchie und die Verbindung der Flüsse Inn und Etsch durch den AlpenKanalTunnel kann zu einer europaweiten Verlagerung auf das Binnenschiff führen. Eutropa bis zum Ural hat ein Wasserstrassennetz von ca. 100.000 km. Deshalb gilt es, Ostsee-Donau-Adria-Schwarzes Meer zu verbinden.

BraS
 
12
10.2.2012, 10:07
kostenersparnis

die Kostenersparnis ist allerdings nicht einmal so hoch, die Zinseszinsen für die dazu notwendige Investition abzudecken.

El Lute
03
Die Ostbahn

nach Bratislave über Marchegg nicht auszubauen und zu elektrifizieren ist glatte Fehlplanung. Die angegeblichen 60 Mio€ für den Ausbau sind ein Klacks verglichen mit anderen Projekten.
Die Züge Wien-Ost - Bratislava hl.st. sind stark frequentiert und oft sind in Spitzenzeiten alle Sitzplätze besetzt.
Tausende Tonnen Diesel pro Jahr auf dieser Strecke zu verbrennen statt umweltfreundlich elektrisch zu fahren, zeigt nicht gerade ein konsequentes Umweltbewusstsein der ÖBB-Planer.

bahnfan
00
Bei ca. 20000 Mio. für die Basistunnels

sind die 60 Mio. für die Strecke über Marchegg natürlich nicht mehr drinnen. Es ist absurd, wie viel weit Sinnvolleres man mit einem Bruchteil der Tunnelkosten tun könnte. Dabei sind die Tunnels für den Güterverkehr, der immer wieder als Argument vorgeschoben wird, gar nicht unbedingt nötig. Anstatt die Bahn in der Fläche mit guter Qualität zu erhalten und moderne Fahrzeugtechnik (auch im Güterverkehr) einzusetzen, wird das Geld für viele Jahre ohne jeden Nutzen in Tunnelröhren gesteckt, die nach Fertigstellung zudem wegen mangelhafter Zulaufstrecken nicht wirklich genützt werden.

ama2deus
01
sinnvolleres

die frage ist halt nur warum man die "sinnvolleren" projekte, dann nicht umsetzt, wenn doch seit 23 jahren erfolglos am SBT geplant wird und offenbar eh nichts realisiert wird.

denn genug geld müsste dann ja da sein.

azurta
08
S 8

die 600 Millionen Euro für die Marchfeld-Schnellstraße sind allerdings kein Problem?

BraS
 
04
10.2.2012, 10:10

und das angesichts der Tatsache, dass es schon eine Autobahn nach Bratislava gibt.

albertalbert
03

die Politiker muessen gespaltene Persoenlichkeiten sein, es wird von der Verlagerung von der Strasse auf die Schiene, von CO2 Reduktion usw. geredet und dann werden die Strassen weiter ausgebaut als ob es kein morgen gebe. Das was angeboten wird wird genuetzt werden aber das kapieren die Politiker offenbar nicht. Die Glatze aus Niederoesterreich ist wahrscheinlich auch da wieder eine der treibenden Kraefte, Proell arbeitet ganz massiv gegen die Inderessen der NiederoesterreicherInnen.

glitsch
06
So ein Topfen

Der wichtigste Tunnel von allen ist der Semmeringtunnel. Ohne ihn sind drei weitere Projekte fast Sinnlos. Das sind:

* Wien Hauptbahnhof, der anstehende Ausbau der Strecke
* Graz-Maribor-Pragersko sowie der
* Koralmtunnel

Erst durch den SBT rechnen sich die drei Projekte so richtig.

verleih nix
60
so ein topfen

eine sinnvolle alternative zum semmeringtunnel steht doch eh im artikel. warum meckern sie denn nur herum, lesen sie doch auch ein wenig!

BraS
 
04
10.2.2012, 10:11

nicht alles, was Fr. Ungerboeck als sinnvoll bezeichnet ist es auch.

ama2deus
04
sinnvolle alternative

und im forum gibts unzählige argumente dazu warum das eben keine sinnvolle alternative ist:

• strecke knapp 100km länger
• kunstbauten im grazer hügelland nötig
• weniger personen im einzugsbereich als bei der bestehdenden strecke
• neutrassierung (samt elektrifizierung) in ungarn, im südbgld. und der südoststmk. nötig

glitsch
04
das hab ich eh gelesen

und dann herzhaft gelacht. von wegen sinnvoll -> eine idiotie ist das, die strecke aus der hand zu geben. außerdem hat ungarn ein anderes stromsystem.

wir wollen eine möglichst schnelle (direkte) verbindung nach graz, die sich auf österreichischem staatsgebiet befindet. die steirische ostbahn ist eingleisig und total veraltet. die bestehende südbahn ist hingegen bereits bis graz zweigleisig.

verleih nix
20
10.2.2012, 10:55

was wollen's denn mit der alten strecke durch mur und mürztal? für eine schnelle verbindung muss die doch auch komplett neu trassiert werden, da bietet sich die strecke über ungarn doch förmlich an.

für den güterverkehr sind die argumente noch viel, viel zwingender. überlegen sie wieviel energiersparnis aus weniger höhenmetern zu lukrieren wäre wenn sie ihre kleinkarierte inland/ausland-argumentation ablegen würden.

glitsch
01
10.2.2012, 12:01
Denken sie an Viktor Orbán

Als man sich damals vor 150 Jahren für die Strecke über den Semmering entschieden hat, wollte man vor allem das politisch instabile Ungarn umgehen. Die Geschichte lehrt uns, dass die Entscheidung goldrichtig war.

Mit dem Semmeringtunnel kann die österreichische Strecke zeitmäßig mit dem PKW mithalten. Auch um das geht es. Man soll möglichst schnell von Graz nach Wien kommten. Da die Strecke über Ungarn 100 km länger ist, wäre das ein Rückschritt. Darüber hinaus würde die Obersteiermark noch mehr ins Abseits gestellt.

Ich verstehe einfach nicht, warum immer nur bei den südlichen Bundesländern gespart werden soll. Will man Graz aushungern?

glitsch
03
Nachtrag:

Der Semmeringtunnel soll nämlich die baltischen Staaten, Polen, Tschechien und Österreich mit dem Hafen Koper verbinden. Für uns ist das einer der wichtigsten Häfen überhaupt. Der Koralmtunnel soll unsere Anbindung an die Norditalienische Industrie werden. Ohne die Tunnels und Streckenausbauten wird dieser Güterverkehr in Zukunft ausschließlich über die Autobahnen geschickt. Ich glaub wohl kaum, dass wir das wollen.

ama2deus
01

da muss man nicht mal international denken.

KAT und SBT ermöglichen einen ausbau der südbahn ähnlich dem der westbahn.

dass es im sinne des landes ist wenn wien, klagenfurt, kapfenberg-bruck, wiener neustadt und wien besser miteinander verbunden sind, muss man ja nicht extra erwähnen.

armin delmenhorst
 
05
Ein Armutszeugnis dieses Regimes

Diesen beiden Parteien ist es zu verdanken, dass bis auf die Westbahn das Bahnnetz verluderte. Mehr oder weniger besteht es noch aus der K.K. Zeit. Für Autobahnen und die Bau-Mafia war hingegen immer Geld da. Mehr als 20 Jahren nach dem Fall des E.V. gibt es noch immer keine ordentliche Bahnverbindung von Prag nach Linz - Graz und weiter in den Süden. Graz-Linz wurde eingestellt. Linz bis Grenze ist noch das alte verrottete Bahngleis aus der K.K. Zeit. Und solche Beispiele könnte man endlos fortsetzen.

Modernisierung der Bahninfrastruktur ist ein Gebot der Stunde, aber auch die Überwachung der Kosten - Stickwort Baumafia, korrupte Politiker, etc.

chelene chirsch
00

ausbau von infrastruktur kostet immer geld, dafür bringts jedem was.

was ich mich allerdings frage: wir sind verschuldet wie sonstwas, haben unleistbare pensionisten, eine marode infrastruktur und ein bestenfalls suboptimal zu nennendes bildungssystem...

... wo floss das geld die letzten 50 jahre so hin ? ? ?

BraS
 
03
10.2.2012, 10:13
... wo floss das geld die letzten 50 jahre so hin ? ? ?

in eines der dichtesten Autobahnnetze Europas z.B.

der_kleine_pariser
 
01
11.2.2012, 08:12

Aber auch z.B. in die Westbahn.

oder glauben's dass der viergleisige Ausbau gratis war?

Nur einmal so aufgezählt :

Lainzer Tunnel
Wienerwald Tunnel
Tunnel Umfahrung Melk
Tunnel Umfahrung Krummnussbaum
Tunnel Umfahrung Haag
Tunnel Umfahrung Lambach

Ob das jemals die Zinseszinsen....

ama2deus
00
10.2.2012, 12:28

während bei der bahn nicht einmal wert darauf gelegt wurde die fenster des südbahnhofes regelmäßig zu putzen oder bahnhöfe zu sanieren...

albertalbert
01

es kommt darauf an welche Infrastruktur ausgebaut wird. Wenn es Strassen sind profitieren die Erdoelexportierenden Staaten und Konzerne.Was sollen mehr Strassen bringen - alla long nur weitere Wege und weniger Lebensqualitaet.

Entfesselter Prometheus
00
Hauptproblem ist die politische Korrumpierung der Bahn

In jedes Projekt wird hineingemauschelt und intregiert. So stehen am Ende meist sinnlose Ergebnisse zu völlig überhöhten Preisen.

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