TV-Serienhit

Dänen im Politsumpf: "Gefährliche Seilschaften" auf Arte

8. Februar 2012, 17:36
  • Artikelbild
    foto: arte

    Parteichefin trotzt dem Politsumpf: Sidse Babett Knudsen in "Gefährliche Seilschaften", Arte, 20.15.

Skandale um Korruption und Amtsmissbrauch folgen durchaus real vorstellbaren Mustern

Wien - Eine Parteichefin stellt sich gegen eine Abmachung, die ihr und der Opposition die Mehrheit im Parlament sichern würde. Eine Journalistin ignoriert, was vor dem Interview besprochen wurde und lässt den Befragten freie Hand - ebenjene Journalistin, die nicht um ihren Geliebten trauern darf, weil der im Bett Verstorbene gleichzeitig Parteifunktionär ist. Und dann stellt sich noch die Frage, ob man das geheime Wissen über Eingriffe in die Staatskasse nicht doch in der Elefantenrunde vor der Wahl ausnützen sollte, um den politischen Gegner auszuhebeln. Pressefreiheit? "Hör doch auf, du weißt genau, wie der Scheiß funktioniert."

Voller Stolpersteine und Schlaglöcher ist die politische Landschaft in Gefährliche Seilschaften (Original Borgen - so sagen die Dänen zum Regierungssitz). Das Serienepos führt ab Donnerstag, 20.15 Uhr auf Arte ziemlich gnadenlos in Abgründe der dänischen Polit- und Medienszene. Pikant daran: Skandale um Korruption und Amtsmissbrauch folgen durchaus real vorstellbaren Mustern.

Gefährliche Seilschaften ist Teil des dänischen Serienwunders mit Erfolgsprodukten wie Kommissarin Lund, Anna Pihl, Nordlicht und Broen (ab 18. März, ZDF). Borgen war im dänischen öffentlich-rechtlichen DR tatsächlich Straßenfeger. 1,5 Millionen (bei 5,5 Millionen Gesamtbevölkerung) sahen zu. Inspiriert vom US-Epos The West Wing bastelt Autor Adam Price bereits an der dritten Staffel. Wie in den USA arbeiten die Autoren weitgehend autonom. Fernsehen und Kino haben längst den gleichen Stellenwert. Ein Status quo, von dem deutschsprachige Kollegen träumen. Viele der einstigen Dogma-Regisseure haben aufs Fernsehen umgesattelt. Die ersten zwei Folgen von Borgen setzte etwa Mifune-Regisseur Soren Kragh-Jacobsen um. (prie, DER STANDARD; Printausgabe, 9.2.2012)

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.