Malerei nach dem Film: Die Galerie Krobath in Wien zeigt Arbeiten von Judith Eisler
Wien - Judith Eisler bewegt sich mit ihrer Arbeit zwischen Film und
Malerei. Und zwar nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch:
Schließlich geht ihren Bildern das intensive Sichten von Filmen voraus.
Dass die Malerin dabei weniger an Hollywood als an B-Movies und den
Filmen der 1960er- und 1970er-Jahre interessiert ist, machen auch die in
der aktuellen Ausstellung präsentierten Sujets deutlich. Zwei in
Schwarz-Weiß gehaltene Bilder zeigen Romy Schneider, während ein
weiteres Bild mit zwei weit aufgerissenen Augen auf das Horrorgenre
verweist.
Eisler friert die Bewegung ein, die das Medium Film eigentlich ausmacht.
So ermöglicht sie den Blick auf Details: auf die Farbe der Augen zum
Beispiel, die in ihrer Unterschiedlichkeit irritieren, aber auch auf den
nach links gerückten Bildausschnitt, der zusätzlich Spannung oder besser
Suspense erzeugt.
In der Auswahl der Filmstills konzentriert sich die 49-jährige
Künstlerin, die in New York und Wien lebt, eher auf die
"Nebenschauplätze"; und zwar auf jene Bilder, deren Spezifika dem
Filmbetrachter womöglich entgehen: So bieten die Gemälde Romy 1 und Romy
2 auch keinen ungebrochenen Blick auf das Gesicht der berühmten
Schauspielerin, sondern eine Verzerrung. Verantwortlich ist dafür das
Gitter eines Zaunes.
Im Stil impressionistischer Bilder gemalt, verstärkte Eisler noch einmal
jene seltsame Verschmelzung von Zaun und Gesicht, die die Künstlerin an
den Stills interessierte. Obwohl die Abfolge der beiden Bilder Romy 1
und Romy 2 eine Narration suggeriert, entfaltet Eisler ihre Geschichten
auch in nur einem Bild. Als Affektträger stehen dabei immer wieder
berühmte, meist weibliche Gesichter im Zentrum. Eisler verweist auf sie
- wie etwa im Falle von Liz (Taylor) - nur noch mit Augenbrauen, Wimpern
und einem das Gesicht bedeckenden Schleier.
In enger Anlehnung an die Plein-Air-Malerei, mit der die Impressionisten
den Blick auf die Landschaft einst neu interpretierten, rückt Eisler
zudem die Filmstadt New York ins Bild: Ihre Leinwände zeigen hohe Häuser
und künstlich flirrende Lichter, mit denen sich die Großstadt allerdings
längst in das kollektive Gedächtnis eingebrannt hat. (Christa Benzer / DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2012)