Stano Filko rätselt über das Vakuum (und die Kunst) und folgt dabei Leibniz' berühmter Frage: "Warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?"
Wien - Nicht nur die Dimensionen von Zeit und Raum, auch die im
Universum der Kunst so elementaren Koordinaten wie Biografie und Kontext
hebelt Stano Filko gerne aus: Vielmehr ersetzt der Künstler, 1937 im
Norden der Slowakei geboren, etablierte Ordnungen durch ein eigenes
Koordinatensystem, durch eine ausgeklügelte Kosmologie, der man gut und
gerne den Anspruch eines Gesamtkunstwerks zugestehen darf. Eine ganz
spezielle, ursprünglich von Elementen aus Fluxus, Nouveau Realisme und
Dada inspirierte Filko-Kosmologie, in der Kunst entstehen kann:
Installationen, Environments und Objekte. Da er seine Arbeiten in dem
flexiblen System auch immer wieder neu einbettet, gibt er ihnen auch
andere Titel, datiert sie um: etwa in sein Geburtsjahr 1937. Wer sagt,
dass das Initialmoment einer künstlerischen Idee nicht mit Filkos
Menschwerdung zusammengefallen ist?
Für sein komplexes und neuestes Environment mit dem komplizierten Titel
Tranzscendenteaoq 5.4.3.D = Metodika = Intellingenteaoq hat Filko sogar
den Ort der Galerie Emanuel Layr in seiner Kosmologie verankert: Draußen
auf dem Gehsteig zeigen Farbmarken (ebenso wie auf dem papierenen
Grundriss) die Himmelsrichtungen an: Orange etwa für Süden und Grün für
Norden.
Derart ausgerichtet fliegen auch seine Planetenmodelle nicht planlos im
All herum: Jupiter, Saturn, Mars, Merkur, Erde, Mond und freilich auch
die Sonne hat der 74-Jährige in komplexen Beziehungen mit namenlosen
anderen Sternen (rudimentär aus Deckeln von Honig- und Marmeladegläsern
ausgeschnitten) auf riesige glänzende Plexiglasplatten montiert.
Wie monströse Mobiles hängen sie von der Decke: Die schwarzen stehen für
das Vakuum, das sich auch in Form eines Schriftzugs mit kraterähnlichem
Loch im Galerieboden oder als durchlöcherter Plastikblumentopf auftut:
die blauen symbolisieren Kosmos und Vision, während die transparenten
für das Absolute und Unendliche stehen. Insgesamt zwölf Farbsäulen gibt
es in Filkos Kosmologie, sie stehen dort für Raumkonzepte und
Seinszustände. Ein Universum für völlig ausgekoppelte ästhetische Ideen
mit erstaunlich frischer Wirkung. (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Printausgabe, 9.2.2012)