Vize-Innenminister: Interreligiöser Dialog soll nicht von "kleiner Sekte" dominiert werden
Wien - Von irakischer Seite kommen Vorbehalte gegen das
"Internationale König-Abdullah-Bin-Abdulaziz-Zentrum für
Interreligiösen und Interkulturellen Dialog", dessen Gründung in Wien
zwischen Österreich, Saudi-Arabien und Spanien vertraglich vereinbart
wurde. Der zu einem inoffiziellen Besuch in Wien weilende
stellvertretende Innenminister Adnan al-Asadi, Berater von
Ministerpräsident Nuri al-Maliki, befürchtet, dass diese Institution
der "wahhabitischen Sekte" als Tribüne dienen soll.
80 Prozent der Selbstmordattentäter Wahabiten
"Wir sind für den Dialog der Religionen und Kulturen, aber es darf
nicht ein Land oder eine kleine Sekte den Dialog dominieren und die
anderen ausgrenzen", sagte der irakische Politiker im Gespräch mit
dem Journalisten und Islam-Experten Amer al-Bayati. "Das ist nicht im
Sinne des Dialogs, ungeachtet unseres Respekts für Saudi-Arabien". 80
Prozent der Selbstmordattentäter im Irak zwischen 2003 und 2008
gehörten zur "saudi-arabischen wahhabitischen Sekte".
Dem Direktorium des Wiener Zentrums sollen neben einem
saudi-arabischen Wahhabiten-Kleriker auch ein libanesischer Sunnit
und ein Vertreter der Schiiten sowie christliche, jüdische,
buddhistische und hinduistische Vertreter angehören.
Der irakische Vizeminister hat mit österreichischen Firmen
Gespräche über konkrete Projekte in den Bereichen Umweltschutz,
Kriegsfolgenbeseitigung und Minenentschärfung geführt. Das irakische
Innenministerium will auch mit dem österreichischen Innenministerium
zusammenarbeiten. Ein bilaterales Abkommen wäre im Interesse beider
Seiten, sagte Al-Asadi. Er verwies darauf, dass radikale Islamisten -
Personen und Organisationen - die Freiheit und Demokratie in den
verschiedenen europäischen Ländern ausnützen würden. Das
Terrornetzwerk Al-Kaida und andere Jihadisten sowie die Baath-Partei
Saddam Husseins im Irak würden mit Geld und rekrutierten Attentätern
aus verschiedenen europäischen Ländern versorgt. (APA)