Phosphor aus Klärschlamm recyceln

12. Februar 2012, 19:38
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In einer Pilot-Anlage in Leoben wird ein entsprechendes Verfahren im Rahmen eines EU-Projektes erprobt

Graz - Phosphor, das Lebenselixier der intensiven Landwirtschaft, geht zur Neige. Laut Schätzungen von internationalen Experten könnten ökonomisch sinnvoll nutzbare Phosphor-Lagerstätten in den nächsten 100 bis 150 Jahren erschöpft sein - und damit auch die Phosphatdüngerproduktion. An der Montanuniversität Leoben sucht man nach sinnvollen Wegen, diese wichtige Ressource für die chemische Industrie aus Klärschlamm zu recyceln.

Phosphor hat vor allem für die intensive Landwirtschaft, die phosphathaltigen Dünger eingesetzt, eine große Bedeutung. Verschärft wird die drohende Knappheit dadurch, dass Phosphate in Waschmitteln, als Flamm- und als Korrosionsschutz sowie als Zusatz von Futtermitteln sowie als Konservierungsmittel, Säuerungsmittel und Emulgator in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden. "Natürliche Phosphatvorkommen mit niedrigem Schwermetallgehalt werden allerdings immer seltener", schilderte Harald Raupenstrauch vom Lehrstuhl für Prozesstechnik im Gespräch. Er leitet in den kommenden drei Jahren von Leoben aus ein EU-Forschungsprojekt, die Phosphor-Rückgewinnung aus Klärschlamm erproben möchte. Im Klärschlamm liegt Phosphor in hohen Konzentrationen vor.

Gewinnung von Phosphorkonzentrat

"Wir wollen Phosphor reinster Güte gewinnen", so Raupenstrauch. Die Forschungspartner - die Universität Stuttgart und Unternehmen in Belgien, Spanien, der Schweiz und Frankreich - haben dafür 4,5 Millionen Euro zur Verfügung. Im Leobener "RecoPhos"-Prozess wird Klärschlamm zuerst verbrannt. Die Asche wird im sogenannten Flash-Reaktor oxidierend eingeschmolzen, wobei gleichzeitig flüchtige Staubbestandteile abgetrennt werden. In einer weiteren Stufe erfolgt eine Reduktion der Schlacke in einem induktiv beheizten Koksbett (InduCarb). Aus dieser Schicht verdampft der Phosphor, ohne mit den anderen Elementen in der Schmelze zu reagieren. Im entstehenden Abgas befindet sich der Phosphor in der Gasphase, die einer weiteren Nachverbrennung zugeführt wird, um letztlich das Phosphorkonzentrat zu erhalten.

Laut Raupenstrauch ist das Verfahren, das in Leoben bisher in einer ähnlichen Anordnung für die Rückgewinnung von Zink aus Stäuben eingesetzt wurde, für verschiedenste Arten von Klärschlamm und dessen Asche anwendbar. Im Rahmen des EU-Projektes will man eine Life-Cycle-Analyse erstellen und die Konkurrenzfähigkeit des Verfahrens zu bisherigen Aufbereitungs- und Recycling-Verfahren austesten. Die Leobener Pilot-Anlage ist vorerst auf einen Durchsatz von 300 Kilogramm Asche pro Stunde ausgelegt. (APA)

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    Archivbild der Entladung von Phosphatdünger - in Leoben wird erprobt, Phosphor aus Klärschlamm zu recyceln.

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