In einer Pilot-Anlage in Leoben wird ein entsprechendes Verfahren im Rahmen eines EU-Projektes erprobt
Graz - Phosphor, das Lebenselixier der intensiven Landwirtschaft, geht
zur Neige. Laut Schätzungen von internationalen Experten könnten ökonomisch
sinnvoll nutzbare Phosphor-Lagerstätten in den nächsten 100 bis 150 Jahren
erschöpft sein - und damit auch die Phosphatdüngerproduktion. An der
Montanuniversität Leoben sucht man nach sinnvollen Wegen, diese wichtige
Ressource für die chemische Industrie aus Klärschlamm zu recyceln.
Phosphor hat vor allem für die intensive Landwirtschaft, die phosphathaltigen
Dünger eingesetzt, eine große Bedeutung. Verschärft wird die drohende Knappheit
dadurch, dass Phosphate in Waschmitteln, als Flamm- und als Korrosionsschutz
sowie als Zusatz von Futtermitteln sowie als Konservierungsmittel,
Säuerungsmittel und Emulgator in der Lebensmittelindustrie eingesetzt werden.
"Natürliche Phosphatvorkommen mit niedrigem Schwermetallgehalt werden allerdings
immer seltener", schilderte Harald Raupenstrauch vom Lehrstuhl für
Prozesstechnik im Gespräch. Er leitet in den kommenden drei Jahren
von Leoben aus ein EU-Forschungsprojekt, die Phosphor-Rückgewinnung aus
Klärschlamm erproben möchte. Im Klärschlamm liegt Phosphor in hohen Konzentrationen vor.
Gewinnung von Phosphorkonzentrat
"Wir wollen Phosphor reinster Güte gewinnen", so Raupenstrauch. Die
Forschungspartner - die Universität Stuttgart und Unternehmen in Belgien,
Spanien, der Schweiz und Frankreich - haben dafür 4,5 Millionen Euro zur
Verfügung. Im Leobener "RecoPhos"-Prozess wird Klärschlamm zuerst verbrannt. Die
Asche wird im sogenannten Flash-Reaktor oxidierend eingeschmolzen, wobei
gleichzeitig flüchtige Staubbestandteile abgetrennt werden. In einer weiteren
Stufe erfolgt eine Reduktion der Schlacke in einem induktiv beheizten Koksbett
(InduCarb). Aus dieser Schicht verdampft der Phosphor, ohne mit den anderen
Elementen in der Schmelze zu reagieren. Im entstehenden Abgas befindet sich der
Phosphor in der Gasphase, die einer weiteren Nachverbrennung zugeführt wird, um
letztlich das Phosphorkonzentrat zu erhalten.
Laut Raupenstrauch ist das Verfahren, das in Leoben bisher in einer ähnlichen
Anordnung für die Rückgewinnung von Zink aus Stäuben eingesetzt wurde, für
verschiedenste Arten von Klärschlamm und dessen Asche anwendbar. Im Rahmen des
EU-Projektes will man eine Life-Cycle-Analyse erstellen und die
Konkurrenzfähigkeit des Verfahrens zu bisherigen Aufbereitungs- und
Recycling-Verfahren austesten. Die Leobener Pilot-Anlage ist vorerst auf einen
Durchsatz von 300 Kilogramm Asche pro Stunde ausgelegt. (APA)