Aussichtsreiche neue Therapieform bei Hautkrebs

8. Februar 2012, 15:46
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Erster Patient erfolgreich an der Uniklinik Köln behandelt - Nur zwei Prozent der Tumorzellen müssen vernichtet werden, um Tumore dauerhaft auszulöschen

Köln - Kölner Forscher haben erste Erfolge in der Bekämpfung von Hautkrebs mit einem neuen Therapieansatz verbucht. Die Mediziner haben einen Hautkrebs-Patienten sechs Monate lang mit einer neuen Immuntherapie behandelt und gezielt Masterzellen, die lediglich zwei Prozent des Tumors ausmachen, entfernt - mit einem äußerst vielversprechenden Ergebnis, wie sich jetzt herausstellte.

Gezielte Zerstörung von Masterzellen

In den Experimenten der Wissenschaftler um Hinrich Abken von der Uniklinik Köln zeigte sich, dass das Wachstum eines Melanoms von einigen wenigen Tumorzellen abhängt, den sogenannten Masterzellen. Diese steuern den Tumor und machen lediglich zwei Prozent seiner Zellen aus. "Bisher war die Medizin davon ausgegangen, dass für eine erfolgreiche Behandlung 99,99 Prozent der Krebszellen chirurgisch oder medikamentös entfernt werden müssen", erklärt der Mediziner, der im Zentrum für Molekulare Medizin Köln (ZMMK) und der Klinik I für Innere Medizin tätig ist.

Nach Abkens neuem Ansatz müssen lediglich bestimmte Tumorzellen vernichtet werden, um Tumore dauerhaft auszulöschen. "Mit Hilfe der neuen Strategie können wir bestimmte Proteine auf der Oberfläche der Masterzellen erkennen und diese dann gezielt vernichten", so der Forscher.

Anwendung an erstem Patienten

Ein erster Patient mit einem stark gestreuten Melanom hat jetzt von diesem neuen Ansatz profitiert. Chirurgische Eingriffe an den multiplen Haut- und Lymphknotenmetastasen sowie chemotherapeutische Behandlungen haben dem Mann zuvor nicht geholfen. Daher behandelten die Ärzte des Zentrums den 74-Jährigen etwa sechs Monate ambulant in einer lokalen Therapie mit einem Anti-CD20-Antikörper, der gezielt die Masterzellen des Melanoms zerstörte. Der Antikörper ist bereits länger bekannt, wurde bisher jedoch bei anderen Erkrankungen mit anderen Zielen eingesetzt. „Was zuvor unsere Modelle vorausgesagt hatten, konnten wir jetzt bei dem Patienten beobachten", berichtet Abken. "Der gesamte Tumor ist verschwunden, obwohl 98 Prozent der Tumorzellen nicht durch den Antikörper zerstört wurden." Die spannende Frage sei gewesen, so der Forscher, ob das neue Konzept richtig ist. "Es ist nicht nur irgendeine neue Therapie bei Hautkrebs, sondern die erste Bestätigung für ein vollkommen neues Verständnis in der Krebstherapie. Wir werden künftig für die Therapieplanung berücksichtigen müssen, welche Tumorzellen wir zerstören müssen."

Die gezielte Zerstörung spezieller Tumorzellen, entweder durch Antikörper oder durch Immunzellen, ist außerordentlich komplex. Daher ist weitere intensive Forschung notwendig, um die Therapie in breitem Rahmen anwenden zu können. Die Wissenschaftler der Uniklinik Köln sind sich sicher, dass ihre Erkenntnisse zu einem Paradigmenwechsel in der Krebstherapie führen und die Basis zukünftiger therapeutischer Strategien bilden. (red)

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