Nachdem seine Mannschaft locker ins Halbfinale spaziert war, platzte Jürgen Klopp der Kragen. Der Dortmunder Trainer schimpfte nach dem 4:0 in Kiel über das vereiste Spielfeld
Kiel - Nach dem Spaziergang ins Halbfinale des deutschen Cups hatte es Jürgen Klopp eilig.
Es war schon tief in der Nacht und der Mannschaftsbus von Borussia
Dortmund wartete nur noch auf den Trainer. Doch der machte kurz vor dem
Ziel noch einmal halt, um sich Luft zu verschaffen. Denn Klopp war
sauer und so schimpfte er über das teils
vereiste Spielfeld in Kiel.
"Man spielt auch nicht Eishockey auf
Rasen. Das Verletzungsrisiko war viel zu hoch. Im Fußball geht es darum,
dass ein Feld zur Verfügung gestellt wird, auf dem vernünftig Fußball
gespielt werden kann. Das war nicht der Fall", moserte Klopp, nachdem
seine Mannschaft beim bisherigen Pokalschreck Holstein Kiel leicht und
locker mit 4:0 gewonnen hatte. Auch DFB-Teamspieler Mats Hummels klagte
über den harten Boden: "Es war sehr schwierig. In der Bundesliga wäre
das Spiel nicht angepfiffen worden."
Zum Glück könne er nicht als
schlechter Verlierer hingestellt werden, witzelte Klopp - schließlich
steht der BVB nach Toren von Robert Lewandowski (11.), Shinji Kagawa
(18.), Lucas Barrios (80.) und Ivan Perisic (87.) nach vier Jahren
wieder in einem DFB-Pokal-Halbfinale.
Platz "nicht bespielbar"
Trotzdem war sein Ärger auch
weit nach Spielschluss noch nicht verflogen. Die Partie hätte nie
stattfinden dürfen, weil der Untergrund schlicht "nicht bespielbar"
gewesen sei. Doch weil Schiedsrichter Felix Zwayer dennoch angepfiffen
hatte, attackierte Klopp hinterher den Deutschen Fußball-Bund (DFB):
"Ich kann mir keine Bodenverhältnisse vorstellen, bei denen das Spiel
abgesagt worden wäre - aus dem einfachen Grund, weil das Fernsehen da
war", wetterte er, "das kann nicht sein. Da muss der DFB reagieren."
Der
Verband reagierte gelassen auf Klopps Äußerungen. "Wir haben durchaus
Verständnis und alle das gemeinsame Interesse, die bestmöglichen
Bedingungen zu schaffen", teilte Mediendirektor Ralf Köttker mit, "wir
nehmen deshalb jedes Argument sehr ernst und befassen uns auch mit der
Frage, ob eine Anpassung der Durchführungsbestimmungen sinnvoll wäre."
Seine
scharfen Worte wollte Klopp ausdrücklich nicht als Kritik an den
Kielern verstanden wissen. Der Viertligist habe vor der Partie alles
versucht, um gute Bedingungen zu schaffen. Für 100.000 Euro wurde extra
ein neuer Rollrasen verlegt, für weitere 150.000 Euro ein Klimazelt
darüber gebaut, damit das Gras die eisigen Temperaturen einigermaßen
übersteht.
Doch wirklich geholfen hat es nicht. Die Spieler liefen
zwar mit Schuhen auf, die eigentlich bei Kunstrasen verwendet werden -
doch selbst kleine Techniker wie Kagawa oder Jakub Blaszczykowski hatten
Probleme mit der Standfestigkeit. Es sei reiner Zufall gewesen, dass
sich niemand verletzt hat, meinte Klopp weiter, der zuletzt schon die
Ausfälle von Mario Götze und Sven Bender zu verkraften hatte.
Bei
all dem Ärger über den Rasen geriet fast in Vergessenheit, dass der
Bundesliga-Tabellenführer seinem ersten Double der Vereinsgeschichte
wieder einen Schritt näher gekommen ist. "Ich war noch nie im
Halbfinale", sagte Klopp, "dass wir nach Berlin wollen, ist keine
Frage."
Doch nach offizieller Regelung beschäftigen sich
weder Klopp, noch seine Mannschaft mit Meisterschaft oder Pokalsieg. Der
Trainer genießt einfach die starke Form seines Teams: "Mir reicht es,
dass wir gut drauf sind - und die Tatsache, dass sicher keine der drei
Mannschaften, die am Samstag im Lostopf sein werden, im Halbfinale gegen
Borussia Dortmund spielen will." Anschließend zog sich Klopp seine
Mütze tief ins Gesicht und eilte zum Bus.
(SID)