Instrumente gehörten vermutlich nicht dem SS-Offizier Anton Burger, sondern einem deportierten jüdischen Arzt
London - Am kommenden Samstag
hätte ein Auktionshaus in Südengland chirurgische Instrumente aus dem KZ Theresienstadt zur Versteigerung angeboten. Zunächst hieß es, die Instrumente
gehörten dem österreichischen SS-Offizier und KZ-Kommandanten Anton Burger, der im Frühjahr 1943 für die Deportation von Juden aus Thessaloniki nach Auschwitz verantwortlich war. Nun hat das Auktionshaus die Versteigerung unvermittelt abgeblasen. Der Grund waren Proteste und aufkommende Zweifel an den Angaben zum ursprünglichen Besitzer des chirurgischen Bestecks.
"Wir haben eine Menge E-Mails und Anrufe von Leuten bekommen, die mit der
Versteigerung nicht einverstanden waren - daraufhin haben wir den Posten auf
Anweisung der Polizei gestern Abend zurückgezogen", sagte am Donnerstag eine
Vertreterin des Auktionshauses Villa Hall Auctions, Grace
Cloke. Dass die Angaben zum Besitzer der Geräte umstritten sind, will sie nach
eigenen Angaben nicht gewusst haben.
Nach Recherchen von "Welt Online" gehörte das Besteck
jedoch nicht dem SS-Offizier, sondern stammte von dem fast gleichnamigen Anton
Bürger, dem Inhaber einer Dresdner Fabrik für chirurgische und orthopädische
Instrumente. Die Initialen AB auf jedem der Instrumente seien das Markenzeichen
der Fabrik.
Berechtigte Zweifel
Nach dem Bericht von "Welt Online" kamen zuerst dem Theresienstadt-Experten
und Journalisten Roland Wildberg Zweifel an dem angeblichen Besitzer. Denn auf
den Fotos von dem mit Samt ausgeschlagenen Holzkoffer mit dem Besteck sei gut
lesbar "Anton Bürger" und "Dresden" eingeprägt gewesen. KZ-Kommandant Burger
aber stammte aus Österreich und habe niemals länger in Dresden gearbeitet.
Nach Angaben des Auktionshauses hatten Überlebende des Holocaust unter nicht
ganz geklärten Umständen den Koffer mit den Instrumenten an sich genommen - die
Schwiegertochter der Familie habe sie dann nach dem Tod ihres Mannes zur
Versteigerung freigegeben. Laut "Welt Online" dürfte das Chirurgenbesteck einem
nach Theresienstadt deportierten jüdischen Arzt gehört haben.
Das heute in Tschechien liegende KZ Theresienstadt war ursprünglich als
"Altersghetto" für deutsche Juden gegründet worden. 33.000 Juden starben dort,
88.000 wurden weiter in Vernichtungslager deportiert. Lagerleiter Anton Burger
wurde nach dem Krieg zum Tode verurteilt, konnte aber untertauchen. Bis zu
seinem Tod 1991 im Alter von 80 Jahren lebte er unter falscher Identität in
Deutschland. (APA/red)