Zweifelhafte Herkunft

Versteigerung von Chirurgenbesteck aus KZ Theresienstadt abgeblasen

10. Februar 2012, 09:06

Instrumente gehörten vermutlich nicht dem SS-Offizier Anton Burger, sondern einem deportierten jüdischen Arzt

London - Am kommenden Samstag hätte ein Auktionshaus in Südengland chirurgische Instrumente aus dem KZ Theresienstadt zur Versteigerung angeboten. Zunächst hieß es, die Instrumente gehörten dem österreichischen SS-Offizier und KZ-Kommandanten Anton Burger, der im Frühjahr 1943 für die Deportation von Juden aus Thessaloniki nach Auschwitz verantwortlich war. Nun hat das Auktionshaus die Versteigerung unvermittelt abgeblasen. Der Grund waren Proteste und aufkommende Zweifel an den Angaben zum ursprünglichen Besitzer des  chirurgischen Bestecks.

"Wir haben eine Menge E-Mails und Anrufe von Leuten bekommen, die mit der Versteigerung nicht einverstanden waren - daraufhin haben wir den Posten auf Anweisung der Polizei gestern Abend zurückgezogen", sagte am Donnerstag eine Vertreterin des Auktionshauses Villa Hall Auctions, Grace Cloke. Dass die Angaben zum Besitzer der Geräte umstritten sind, will sie nach eigenen Angaben nicht gewusst haben.

Nach Recherchen von "Welt Online" gehörte das Besteck jedoch nicht dem SS-Offizier, sondern stammte von dem fast gleichnamigen Anton Bürger, dem Inhaber einer Dresdner Fabrik für chirurgische und orthopädische Instrumente. Die Initialen AB auf jedem der Instrumente seien das Markenzeichen der Fabrik.

Berechtigte Zweifel

Nach dem Bericht von "Welt Online" kamen zuerst dem Theresienstadt-Experten und Journalisten Roland Wildberg Zweifel an dem angeblichen Besitzer. Denn auf den Fotos von dem mit Samt ausgeschlagenen Holzkoffer mit dem Besteck sei gut lesbar "Anton Bürger" und "Dresden" eingeprägt gewesen. KZ-Kommandant Burger aber stammte aus Österreich und habe niemals länger in Dresden gearbeitet.

Nach Angaben des Auktionshauses hatten Überlebende des Holocaust unter nicht ganz geklärten Umständen den Koffer mit den Instrumenten an sich genommen - die Schwiegertochter der Familie habe sie dann nach dem Tod ihres Mannes zur Versteigerung freigegeben. Laut "Welt Online" dürfte das Chirurgenbesteck einem nach Theresienstadt deportierten jüdischen Arzt gehört haben.

Das heute in Tschechien liegende KZ Theresienstadt war ursprünglich als "Altersghetto" für deutsche Juden gegründet worden. 33.000 Juden starben dort, 88.000 wurden weiter in Vernichtungslager deportiert. Lagerleiter Anton Burger wurde nach dem Krieg zum Tode verurteilt, konnte aber untertauchen. Bis zu seinem Tod 1991 im Alter von 80 Jahren lebte er unter falscher Identität in Deutschland. (APA/red)

Kommentar posten
15 Postings
Juni G.
01
11.2.2012, 13:46
Die Auktionshäuser schrecken auch vor nichts zurück !

Wie kommt man überhaupt auf die Idee SS-Eigentum zu versteigern, wo sich dann noch herausstellt, dass es sich um vermutlich angeeignetes Gut handelt ?

pepitschek1
02
11.2.2012, 11:48
Liebe standard.at redaktion!

Im letzten Absatz steht hier, dass theresienstadt/terezin als ghetto fuer deutsche Juden gegruendet wurde. Das ist so nicht richtig, da es die ersten guten 6 monate nur fuer als juedisch definierte Menschen aus dem Protektorat boehmen & maehren bestimmt war, hier hatte auch heydrich als stv. Reichsprotektor seine finger im spiel. Fuer juedinnen und juden aus prag, pilsen, olomouc etc. war t. Da schon der letzte Zwischenstopp auf dem Weg in die ghettos und Vernichtungslager im osten. Erst im juni 1942 wurde t. Zum alters- und prominentenghetto, als schon zahlreiche transporte bereits an und abgefahren waren. Gerade die aelteren menschen hielten die unertraeglichen zustaende in t. Nicht lange aus.

Der sich den Wolf tanzt
02
10.2.2012, 18:32
gehört in ein museum!

Trevor Goodchild
22
10.2.2012, 13:36
Schmutziger Devotionalienhandel mit Nazigut ausgestzt.

Gottseidank, wie PERVERS!!!

Aso?Echt!
20
10.2.2012, 09:15
ist es nicht egal wem das gehörte?

egal ob nazi oder jude - wer bitte braucht (?!) heute (!) so was? wer bietet darauf? tststs

trollkind
10
11.2.2012, 11:19
also geschenklt würde ich es nehmen

hab ja auch altes zahnarztbesteck - perfekt für meine keramikarbeiten. allerdings steht der aspekt "werkzeug" im vordergrund, egal wem es x gehört hat. devotionalien sind ja ohnedies etwas für leute mit profildefizit. ^^

lg
dein trollkind

Mike 23
01
10.2.2012, 14:20
Eben nicht egal

Ein gut erhaltenes aelteres Chirurgenbesteck hat ja auch seinen Reiz.
Ich wuerde auch z.B. gerne einen alten Globus aus dem 15 Jhdt. haben, auch wenn ich ihn heute nicht mehr brauche, um den Weg zu finden.

Aber, wenn es sich hierbei um den vermeintlichen Besitz eines Massenmoerders handelt (z.B. der Globus in Hitlers Buero), ist das doch etwas anderes. Dass wuerde ich privat nicht ersteigern wollen.
Michael

Seria
04

Geschenk der FPÖ an den Tschetschenischen Presidenten für die Heimkehrerklinik ..

Sun Zi der II
01
Mehr als eine Amputation..

..dürfte mit dem Besteck wohl nicht drinnen gewesen sein! Man hätte vielleicht mit dem Kopf des früheren Besitzers beginnen sollen... ;=)

kiwi fish
 
10
10.2.2012, 10:44

sie haben den artikel wohl nicht verstanden/gelesen, das besteck gehörte wahrscheinlich einem jdischen arzt der nach theresienstdt deprotiert wurde und keinem lagerarzt

Seria
00

der Strache wird ja nicht deshalb nach London geflogen sein?

Der sich den Wolf tanzt
05
der schickt den gudenus...

porteño1
56

Ein Österreicher. Wie könnte es anders sein.

der schwitzbär der schwitzt sehr
25

Klar. Bei uns hatten die Nazis ja auch volle 16% bei den Wahlen.

major grubert
00
11.2.2012, 10:10
als bei den wahlen

bei denen man nazis waehlen konnten haben sie doch locker inoffiziell 60% geschafft, offiziell halt die 98% aber das machen ja nur die kommunisten.

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