Vom ORF zu Turner Broadcasting: Gerhard Zeiler am Sprung in die USA

8. Februar 2012, 14:47
posten

Früherer ORF-General und SP-Ministersekretär managte jahrelang die RTL-Group

Ein Vielflieger auf dem Sprung in die USA: Gerhard Zeiler, Österreichs schillerndster und erfolgreichster Medienlegionär, hat einen weiteren Karriereschritt gesetzt, der ihn einmal mehr in die internationale Liga katapultiert. Der CEO von Europas größter Fernsehgruppe, der RTL Group, gibt sein dortiges Engagement auf und wechselt zum US-Unternehmen Turner Broadcasting System International, einer Tochter des Unterhaltungsriesen Time Warner. Ein weiter Weg für den gebürtigen Ottakringer, der sich als roter Ministersekretär zum ORF-General hocharbeitete und von dort seinen Siegeszug im europäischen TV-Markt antrat.

"Brandon Tartikoff Legacy Award"

Zeiler galt schon in der Vergangenheit als einer der wenigen europäischen TV-Manager, die auch in den USA gut angeschrieben sind. Manifest wurde dieser Ruf 2010 bei der Vergabe des "Brandon Tartikoff Legacy Award" der US-Fernsehvereinigung NATPE, den er als bisher einziger Nicht-Amerikaner überreicht bekam. Dass die Time Warner-Tochter Turner ihn nun zum Oberaufseher über alle Programme außerhalb Nordamerikas macht, gilt in den USA als Coup für den Konzern, wie etwa die amerikanische "Variety" am Dienstag online schrieb.

Zeiler, der einen Ruf als manischer Programmmacher hat und das Management seines zweistelligen Senderportfolios auf mehreren Kontinenten bei der RTL Group gerne per Flugzeug und vor Ort erledigte, ist beruflich zwangsläufig ein Kosmopolit, der aus dem Koffer lebt. Wie die meisten beruflichen Jetsetter hat er sich privat jedoch nie ganz aus der kleinen Alpenrepublik verabschiedet. Sein privates Glück fand Zeiler in Salzburg, wo er auch ein Haus hat, eine Wohnung besitzt er außerdem noch in Wien.

ORF-Kurator, ORF-Generalsekretär, ORF-Generalintendant

In seiner Geburtsstadt machte er auch seine ersten Karriereschritte. Der am 20. Juli 1955 geborene Ottakringer war ORF-Kurator, ORF-Generalsekretär und schließlich - von 1994 bis 1998 - ORF-Generalintendant. Zuvor kannte er die Medien eher von der "anderen Seite", war er doch in den 1980er-Jahren Pressesprecher mehrerer roter Regierungsmitglieder. 1998 wechselte Zeiler zu RTL Television, ab 2003 war er Chef der RTL Group.

Die Verbindung zur Heimat ließ er auch beruflich nie ganz abreißen: Im Vorjahr galt Zeiler etwa als ernstzunehmender Konkurrent für den im Sommer wiedergewählten ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz. Monatelang streckte der RTL-Mann seine Fühler nach Österreich aus und bemühte diskret seine guten SPÖ-Kontakte, während ihn die ÖVP öffentlich hofierte. Allein: Die rote Parteiführung wollte nicht und setzte weiter auf Wrabetz. Zeiler gab auf, nicht ohne die Vorgänge markig zu kommentieren: Nach wenigen Gesprächen habe sich herausgestellt, dass es "wesentlichen Teilen der Politik nicht darum geht, wer das Unternehmen am besten führen kann, sondern wer willfährig parteipolitische Personalwünsche umsetzt", ätzte er in einem Interview mit "profil" in Richtung SPÖ.

Gewinngarant auch in geldknappen Zeiten

In der Konzernmutter der RTL Group, der Bertelsmann AG, war Zeiler eine wichtige Säule, wiewohl das Verhältnis zu den Eignern dem Vernehmen nach auch Dämpfer erlitt - zuletzt etwa mit seiner geplanten ORF-Bewerbung. In seiner Amtszeit galt Zeiler jedenfalls als Gewinngarant auch in geldknappen Zeiten - die RTL Group lieferte den weitaus größten Gewinnbeitrag im Konzern ab und trug somit wesentlich zum Schuldenabbau im Mutterkonzern bei. Geschätzte 700 Mio. Euro lieferte RTL an Dividenden nach dem Rekordjahr 2010 bei der Bertelsmann AG ab. Sein Portfolio managte Zeiler leidenschaftlich, hatte aber auch Rückschläge einzustecken: Engagements in Griechenland und Großbritannien floppten.

Der Abschied erfolgte per internem Rundmail. "Es ist nicht einfach für mich, Ihnen die folgenden Zeilen zu schreiben", erklärte Zeiler in dem Rundbrief am Dienstagabend: "Nach mehr als 13 Jahren bei RTL und fast neun Jahren als CEO der RTL Group habe ich für mich beschlossen, dass es Zeit ist, das Unternehmen zu verlassen." (APA)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Zeiler: "Nach mehr als 13 Jahren bei RTL und fast neun Jahren als CEO der RTL Group habe ich für mich beschlossen, dass es Zeit ist, das Unternehmen zu verlassen."

Share if you care.