"Wenig Personal, viel Arbeit"

Beamte sehen in Verwaltung wenig Sparpotenzial

8. Februar 2012, 16:06

Gewerkschaft wartet fertiges Sparpaket ab - Vertreter aus den Ländern sträuben sich aber vorsorglich gegen "Beamtensteuer", Nulllohnrunde und gestrichene Gehaltssprünge

Stellt man den möglicherweise Betroffenen dieser Tage Fragen zum Sparpaket, hört man vor allem einen Satz: "Es muss jetzt einmal alles auf den Tisch kommen." Die Gewerkschaften sind besonders unglücklich mit der mangelnden Information zum Paket, das die Bundesregierung gerade mit sich selbst aushandelt. Dem öffentlichen Dienst schwant dabei Schmerzhaftes: Einsparungen in Höhe von 2,7 Milliarden Euro bei den Staatsbediensteten wurden zuletzt kolportiert.

Ein Detail, das bereits durch die sonst dichten Wände der Verhandlungsräume gesickert ist: Staatsbedienstete sollen einen "Arbeitsplatzsicherungsbeitrag" - also de facto eine Art "Beamtensteuer" - leisten. Josef Pilko, Steiermark-Chef der Gewerkschaft Öffentlicher Dienst (GÖD) von der Fraktion Christlicher Gewerkschafter (FCG), hält davon wenig bis nichts. Ein solcher Beitrag sei für ihn "denkunmöglich", sagt Pilko: "Soll jemand dafür bestraft werden, dass er seine Arbeit macht?"

"Unqualifiziert und dumm"

Auch Pilkos Kollege in Vorarlberg, Eugen Lampert (ebenfalls FCG), kann sich einen Arbeitsplatzsicherungsbeitrag nicht vorstellen. "Wir haben wenig Personal und viel Arbeit", erklärt Lampert gegenüber derStandard.at. Vor zwei Wochen hatte Lampert die damals diskutierten Einschnitte in einer Aussendung als "unqualifiziert und dumm" bezeichnet. Das größte Problem ist für ihn, dass keine Verhandlungen mit den Gewerkschaften geführt würden. "Es gibt nur informelle Gespräche, Details werden uns über die Medien ausgerichtet", klagt er.

Noch weniger hält Lampert von einer Streichung der Biennalsprünge, also der automatischen Erhöhung der Gehälter von Staatsbediensteten: "Wie die Menschen da noch motiviert werden sollen, weiß ich nicht." Auch von Nulllohnrunden überhaupt zu sprechen, ohne die wirtschaftliche Entwicklung abschätzen zu können, empfindet der Vorarlberger als "sehr problematisch und nicht angebracht".

"Verwaltung hat ihre Hausaufgaben gemacht"

Nur: Wo kann der öffentliche Dienst sparen? Konkretes Potenzial sieht Lampert nicht. "Es wird ja jetzt schon jeder Euro zweimal umgedreht", so der Gewerkschafter. Man müsse sich jedoch die Frage stellen, was der öffentliche Dienst leisten muss. "Weniger Staat" steht bei Lampert trotzdem nicht hoch im Kurs: "Die Privatisierungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass auch das nicht der Weisheit letzter Schluss ist."

Dass die Staatsbediensteten überhaupt in hohem Ausmaß zur Budgetkonsolidierung beitragen sollen, versteht Lampert nicht. "Wir sind bei Gott nicht vergleichbar mit Griechenland oder Italien", die Verwaltung habe ihre Hausaufgaben in den letzten Jahren gemacht. "Die Beamten hatten mit der Krise nichts zu tun", wieso sie jetzt unverhältnismäßig viel dafür bezahlen sollen, sei nicht einzusehen.

Volle Bandbreite an Maßnahmen

Die Rolle der Gewerkschaften in den Verhandlungen zum Sparpaket sehen sowohl Lampert als auch Pilko als ausbaufähig. "Die Gewerkschaft hat sich in der Vergangenheit nie gegen notwendige Sparmaßnahmen gesträubt", betont Pilko - es gehe nur darum, wie die Belastungen verteilt sind. Die Hoffnung, dass die GÖD noch zu "echten" Verhandlungen eingeladen wird, lebt bei Lampert offenbar noch: "Am wichtigsten ist, dass jetzt Verhandlungen geführt werden. Das hat sich auch in der Vergangenheit immer als sehr fruchtbar herausgestellt."

Der verhandelnden Bundesregierung gibt er einen Tipp: "Ein Sparpaket zu präsentieren, ohne davor mit den Betroffenen über den Inhalt gesprochen zu haben, wäre sehr unklug" - eine versteckte Drohung? Er wolle nicht zur Eskalation beitragen, sagt Lampert. Aber beide Gewerkschafter betonen: "Im Falle einer untragbaren Belastung steht uns natürlich die volle Bandbreite an Maßnahmen zur Verfügung." (sab, derStandard.at, 8.2.2012)

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Posting 1 bis 25 von 61
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links kritik
 
00
"Beamte sehen in Verwaltung wenig Sparpotenzial"

alles was von den verhandlungen bisher an die öffentlichkeit gedrungen ist lässt erahnen, das die beamten leider recht haben.

wirklich viel geld ist nur mit wirklich großen strukturreformen zu holen - und die wird es auch jetzt nicht geben.
nix ändern und nur beamte abbauen ist weder nachhaltung - noch bringts wirklich viel geld.

The Alien
 
00
10.2.2012, 07:43
Falsch

Der Staat ist in A der größte Dienstgeber.
Keine der Verwaltungstätigkeiten ist wertschöpfend und trägt zur Steigerung des Wohlstands im Land bei - Verwaltung ist reiner Overhead.
Bestwerte bei schlanken Verwaltungen sind 1,5% des BNP. In A kostet die Verwaltung fast 5% des BNP. Wir haben 3,5% des BNP Einsparungspotential.

Bedingung ist natürlich eine drastische Vereinfachung aller Staatssysteme, einfacheund transparente Steuer- und Rechtsysteme eingeschlossen.

Eine große, teure Verwaltung entsteht nur, durch zu komplizierte Regeln und durch die Tendenz von Bürokratie, sich wie ein Krebsgeschwür auf Kosten des Wirtssystems (Volkswirtschaft) aufzublähen und dieses vampirisch zu schädigen, bis sie durch eine Revolution bekämpft wird.

links kritik
 
00
10.2.2012, 11:33
ich gebe ihnen ja sogar mit meiner aussage völlig recht.

schlanke verwaltung meint ein vereinfachen der behördenwege - zusammenlegung von öffentlichen institutionen, und und und ..... dann kann man auch 1,5 des BNP den apparat runterfahren.

es gibt aber anscheinend 0 änderung in diesem sparparket. und einfach nur leute aus dem aktuellen bürokratiegeschwühr rausnehmen geht nicht - und deswegen gibt es auf basis dieses sparpaket wenig sparpotential bei den beamten.

The Alien
 
00
10.2.2012, 16:37

Es ist ein Jammer, für kritisch mitdenkende, gern eigenverantwortliche, freie Bürger.

Es gilt einen Mittelweg zu finden, zwischen resignativem Wellenreiten auf dem Schulden-Tsunami, bis dieser mit aller Gewalt gegen das Festland rennt und trotz der ziemlich unausweichlichen Katastrophe noch gegen selbige anzukämpfen.

Eines ist klar: die Bürokratie und all ihre Beamten gehören zu jenen, die den Tsunami noch zusätzlich aufschaukeln und jeden Versuch, die Wogen zu kalmieren, mit bürokratischen Hürden blockieren.

Eine Revolution scheint von Tag zu Tag sinnvoller, wenn man nicht resignieren will ...

mikromalist
 
00
Viel selbsterfundene Arbeit

mit unendlichen Aktenläufe und tausendfacher Absicherung, dass die Entscheidungen ja eigentlich keine Entscheidungen ....

The Alien
 
01
10.2.2012, 07:48

Bureaucracy is a self propagating system, like a virus or cancer.

Daher: gegen Bürokratie würde man in einer echten Demokratie genauso hart vorgehen, wie gegen eine Virusinfektion oder Krebs.

In einer Bürokratur (Bürokratie Diktatur) wie in A ist man aber bereits in dem für Volkswirtschaft und damit Wohlstand der Bürger tödlichen Endstadium dieser Seuche ... Österreich wird Griechenland werden (und dann brauchen wir noch mehr Beamte, um den Untergang zu verwalten).

Jan Sommer
32
So geht das nicht !

Da haben die seit Jahren fleissigst daran gearbeitet eine krebsartig wuchernde Bürokratie so schön auszubauen und jetzt auf einmal solls in die andere Richtung gehen.
Nur mit bewilligter Frühpension, sonst gibts nur noch Dienst nach Vurschrift oder Krankenstand!
js

Gummi
 
01
Wetten das ...

Da auch viele unsere "Volksvertreter" aus der Steigleiter Bünden-Stadt-Landespolitik-Lehrerschaft-Gewerkschaft- ... kommen, wird man sicherlich wieder viiiiiel Verständnis dafür aufbringen bei "seinesgleichen" zu sparen. So erleben wir es ja immer wieder ...

Alpendollar
00
Logisch das die Beamten das so sehen

Sind ja deren eigene Jobs um die es geht.

nussknacker8
12

vielleicht sollten die gewerkschaftsbonzen mal beim schlecker nachfragen, die mitarbeiter dort würden gerne einen beitrag zahlen um ihre arbeitsplätze zu behalten, die können von den beamten privilegien nur träumen, dürfen sie aber mitfinanzieren!
Der satz ist typisch "Wir haben wenig Personal und viel Arbeit", dann heisst es halt schneller greifen und mal die edv auch verwenden!

Peacefrog
13
Welche Beamtenprivilegien meinen Sie?

Die relative Arbeitsplatzsicherheit ist eines - das aber recht teuer erkauft wird. Welche anderen sprechen Sie noch an?

Chri_Kn
01

was heißt denn hier relativ - die ist absolut!

Gegenfrage: warum teuer erkauft?
Es steht jedem frei, sofern er denn etwas besseres in der Privatwirtschaft findet und auch genommen wird zu wechseln.
Kommt in der Verwaltung aber nur sehr selten vor denk ich.

Peacefrog
04
Fragen Sie am besten bei der Telekom nach,

die wissen, wie man sich von beamteten Mitarbeitern trennt.

Ich kenne einige ehemalige Beamte persönlich, die von ihren "sicheren" Posten in die Privatwirtschaft wechselten - bei einer Einkommensteigerung bis zum 3fachen.

Mein Vorschlag wäre, die Pragmatisierung abzuschaffen und die Beamten wie ASVGler zu behandeln - nur könnten sich das Bund/Länder/Gemeinden nicht leisten

collector1
03

Also Hr/Fr.Neider kommen Sie einmal in den öffentlichen Dienst :
1) sie kommen wenn Sie länger als 5 Jahre im System waren nicht weg, da die Privatwirtschaft trotz bester Qualifikation sagt, einen Beamten /VB brauchen wir nicht => Vorurteil
2) die Gehälter sind wesentlich niedriger als in vergleichbare Positionen in der PW
3) keine Abfertigung
4) keine Überzahlung wie in der Privatwirtschaft üblich
5) Selbstbehalt bei Arzt und Heilbehelfen
6) Versetzung jetzt schon in ganz Österreich möglich
7) Disziplinarrecht mit tw. drakonischen Strafen
8) keine Möglichkeit z.B. eines Bildungsurlaubes

sysiphos
 
11
nix für ungut, aber

dass jene, bei denen beim lohn gespart werden soll bzw. denen mehr abgaben zugemutet werden sollen, diese maßnahmen nicht sinnvoll finden, ist wohl alles andere als überraschend. wenn man viel mit öffentlichen verwaltungen zu tun hat, wird wohl aber kaum jemand die these von der "eh schon überlastung" stützen wollen, damit sind jetzt dezidiert nicht lehrerInnen und bedienstete des gesundheitssystems gemeint, sondern die wirklichen beamten, also die verwalter in den ministerien, lansdes- und bezirksverwaltungen usf. hier ist grob geschätzt eine durchschnittliche überbelegung von einem drittel realistisch, manche abteilungen sind völlig unproduktiv. das wird natürlich aus dem kreis der betroffenen niemand zugeben...

sysiphos
 
31
und was die konkreten pläne betrifft,

so ist es allerdings völlig legitim die biennalsprünge in frage zu stellen und wie für alle anderen branchen kollektivvertagsverhandlungen als einzige generelle lohnerhöhungsmaßnahme zu belassen. und die "arbeitsplatzsicherungsabgabe" kann man, wenn zweckgenunden für die aktive arbeitsmarktpolitik, sehr wohl als berechtigt ansehen und nicht als eine einseitige strafsteuer. privatbedienstete zahlen schließlich auch arbeitslosenversicherung, ohne sich arbeitslosigkeit zu erhoffen.
die argumente von eh niedriger entlohnung im öffentlichen dienst sind schließlich nichts anderes als ein märchen, siehe einkommensbericht des statistik austria: http://www.statistik.at/web_de/st... 021668.xls

paranoid
00

KEIN MÄRCHEN!!!

Sie vergleichen Zwetschken mit Birnen!!!

Im Bundesdienst sind zur Privatwirtschaft vergleichsweise 1/3 mehr Akademiker, dass heißt Sie können nicht die Durchschnittswerte miteinander vergleichen.

Vera Rschung
 
01
Sparpotenzial bei Minderleistern

1/3 der Beamten arbeitet hart, 1/3 macht Dienst nach Vorschrift und 1/3 übt sich in Minderleistung - stellte einst ein Jörg Haider fest. Jeder Amtsleiter kennt seine Pappenheimer, bei denen man Einsparungen insoweit vornehmen könnte, indem man ihnen bspw. die Mehrdienstleistungszulage aberkennen würde. Auch könnte man sie, ihrer Arbeitsleistung gemäß, auf Teilzeit herabsetzen. Was sie leisten, lässt sich auch in 10-Wochenstunden leicht bewerkstelligen. Bei diesen Herrschaften Einsparungen vornehmen, wäre nur richtig und gerecht, und wegen der hohen Zahl betroffener Personen entsprechend Budgetwirksam.

Marilynn E.
01

jo, nur trifft man mit allen maßnahmen das drittel (ich denke es sind 50%), die wie verrückt hackeln und diesen staat am leben halten. was können erstens diese dafür und zweitens, was macht man, wenn die so demotiviert sind, daß sie nur mehr dienst nach vorschrift machen und alles den bach runter gehen lassen?

Vera Rschung
 
00
verkehrte Gewerkschaftspolitik

Damit haben sie natürlich recht, aber es ist für die diensteifrigen Beamten schon sehr frustrierend, wenn sie die ganze Zeit über mitansehen müssen, dass die faulen und dienstpflichtvergessenen Kollegen das gleiche Gehalt beziehen und sich zugleich durch ihre Untätigkeit den ganzen Ärger ersparen, den ein emsiges Beamtenleben so mit sich bringt. Oft machen die Einen die Arbeit der anderen mutwillig zunichte.

Die Gewerkschafter machen leider primär Interessenspolitik für die Minderleister. Sie verhindern jeden Anflug von Leistungsgerechtigkeit und halten ihre Hand schützend über jene, die nur zum Schein ein Beamtenleben führen. Eine völlig verkehrte Gewerkschaftspolitik zum Nachteil von Kollegen mit hohem Arbeitsethos.

VI SHU
03
"mehr privat, weniger staat"

man korrigiere mich - aber hat ausgehend von dieser "formel" so nicht erst der ganze irrsinn angefangen???

ideologisch vergebene rot-stricherln kümmern mich nicht; wenn dann bitte harte fakten als gegenargumente aufzählen.

"weniger staat mehr privat" bedeutet in AT id gelebten praxis: wir stellen keine billigen hauseigenen kräfte an, sondern betreiben outsourcing. unterm strich sind die kosten dafür jedoch weit höher - wir sind in AT, da muss ja auch noch der hawerer vom hawerer vom hawerer mitschneiden. live erlebt.

das "KHG network" ist ja kein einzelfall sondern eher systemimmanent.

was früher von 5 beamten erledigt wurde, wird heute von 7 firmen mit insg. 30 "profi-" (hust) consultants erledigt.

ersparnis wo bist du ??

Marilynn E.
04

ja, leider ist es genauso. was früher eine abteilung in einem ministerium erledigt hat, erledigt heute eine ausgegliederte gesellschaft, mit geschäftsführern, die zwischen 10.000 und 20.000 monatlich verdienen, statt dem abteilungsleiter, der vorher 4.500 verdient hat. die bediensteten haben auch um 10-30% höhere gehälter - aber alles befindet sich im sachaufwand und ist deshalb ok. solange man sagen kann, man habe beim personal gespart ist ja alles gut.

max + moritz
01

S T R U K T U R R E F O R M !!!!

Legt Bezirke zusammen, Gemeinden, Schulbehörden, Gesundheitsbehörden, Verkehrsbehörden und so fort.

Der Beamtenapparat lebt so gut, weil viele das Gleiche tun. Das können wir uns nicht mehr leisten und wollen wir uns nicht mehr leisten.

Wir wollen nicht mehr im Behördendschungel hin- und her geschickt werden.

Seth Gecko
11
vollkommen richtig

es gibt zu wenig leute (und zu alt) für die zu erledigenden aufgaben. prozesse (gesetze) müssen optimiert werden, und nicht "nur" der personalstand verkleinert werden.
- es gibt ein tierschutzgesetz für ganz österreich
- es gibt 9 verschiedene jugendschutzgesetze
- und es gibt fast 600 vorschläge des rechnungshofes
aber nichts dergleichen passiert. das sind keine reformen, das ist ein stückwerk für max. 5 jahre

VI SHU
01
ja leider

"österreichische reformen" = oxymoron

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