Gazprom steigert Gasexport nach Europa

8. Februar 2012, 13:23
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Russland wird für Europa auch zukünftig die wichtigste Gasquelle sein - Österreichist ist der zehntwichtigste Kunde

Moskau - Für Russland ist Europa inklusive Türkei der wichtigste und profitabelste Exportmarkt. In den vergangenen Jahre lieferte Russland zwischen 27 und 30 Prozent seiner gesamten Gasproduktion an seinen Hauptabnehmer. Im Vorjahr machte der staatliche Monopolist Gazprom die Rückgänge der Jahre 2009 und 2010 wett und lieferte 150 Mrd. Kubikmeter Gas (+8,22 Prozent) nach Europa. Damit erreichten die Gaslieferungen wieder den Stand von 2007, blieben aber um knapp 9 Mrd. Kubikmeter unter dem Niveau von 2008, dem Höchststand der letzten Jahre. Österreich erhielt 2011 laut Gazprom 5,43 Mrd. Kubikmeter russisches Gas und war damit der zehntwichtigste Kunde des Konzerns.

Im Gegensatz zu Österreich reduzierte Deutschland, der Hauptabnehmer russischen Gases in Europa, in den vergangenen Jahren die Importe aus Russland: 2011 exportierte Gazprom 34 Mrd. Kubikmeter Gas in die größte Volkswirtschaft der EU, 2007 waren es noch 39 Mrd. Kubikmeter gewesen. Hinter Deutschland folgte bereits die Türkei als zweitwichtigster Gas-Abnehmer mit knapp 26 Mrd. Kubikmetern und Italien mit 17 Mrd. Kubikmeter.

Wechselseitige Abhängigkeit

Die wechselseitige Abhängigkeit Russlands und Europas lässt sich auch an den realisierten Pipeline-Projekten der vergangenen Jahre ablesen, in die Gazprom Milliarden investierte. Die Jamal-Pipeline geht über Weißrussland und führt nach Polen und Deutschland. Ihr jährliche Transportkapazität beträgt 33 Mrd. Kubikmeter Gas, die Inbetriebnahme erfolgte im Oktober 2001. Rund zehn Jahre später ging die Ostsee-Pipeline Nord Stream mit einer Länge von 1.224 Kilometern in Betrieb, die Russland durch die Ostsee direkt mit Deutschland verbindet. Derzeit wird der zweite Strang der Pipeline gebaut, damit durch sie jährlich 55 Mrd. Kubikmeter Gas transportieren werden.

Das Gasgeschäft besitzt in Russland oberste Priorität, wie man etwa beim Pipeline-Projekt South Stream ablesen kann, dem Konkurrenzprojekt zur Nabucco im südlichen Energiekorridor Europas. Premier und Präsidentschaftskandidat Wladimir Putin hat erst kürzlich angeordnet, den Baubeginn für die Gasleitung von 2013 auf den Dezember 2012 vorzuverschieben. Diese Gasleitung soll eine jährliche Transportkapazität von 63 Mrd. Kubikmeter Gas haben und die Gazprom-Kunden in Südeuropa versorgen, aber auch zum Gas-Hub Baumgarten in Österreich führen. Die Kosten für den Bau der Pipeline, die durch das Schwarze Meer verlegt wird, werden auf bis zu 25 Mrd. Euro geschätzt.

Kreml behält das Sagen

Der Kreml will auch künftig das Sagen bei den führenden Energieunternehmen, Gazprom und Rosneft, behalten. Putin sprach sich vor ein paar Tagen gegen eine Privatisierung aus. Er halte es für verfrüht, diese strategisch wichtigen Unternehmen völlig in private Hände zu geben. Immerhin profitierte Russland in den vergangenen Jahren sehr stark von seinen Energieunternehmen und konnte riesige Devisenreserven aufbauen - auch wenn der durchschnittliche Gaspreis in den vergangenen Jahren eine deutliche Wellenbewegung mitmachte: 2007 bezahlten Gazprom-Kunden für 1.000 Kubikmeter Gas im Schnitt 262 Dollar, ein Jahr später legten sie bereits 401 Dollar auf den Tisch. In der Wirtschaftskrise brach der Preis 2009 auf 302 Dollar ein und legte 2010 nur leicht auf 316 Dollar zu. 2011 zog der Gaspreis laut Gazprom nach vorläufigen Zahlen auf durchschnittlich 390 Dollar an. Im Jänner gab Gazprom aber dem Druck seiner Partner nach und senkte für viele Unternehmen, darunter auch für die österreichische Econgas, die Gaspreise. Wie viel der Rabatt ausmachte, wurde aber nicht bekannt.

Von Preisanstieg im Vorjahr profitierte Gazprom in den ersten neun Monaten mit einem Nettogewinn von 923,6 Mrd. Rubel (23,5 Mrd. Euro), ein Plus von 41,3 Prozent im Jahresvergleich. Gazprom-Chef Alexej Miller betont aber kürzlich in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung", dass das russische Gas trotz der Preissteigerungen zu günstig sei. "Die pauschale Behauptung, unser Gas sei zu teuer, ist schlicht nicht wahr", sagte er. Radikale Veränderungen am Gasmarkt trotz Schiefergas-Suche in Europa und Förderung in den USA gibt es seiner Ansicht nicht. "Der Gaspreis ist an einen Korb von Erdölprodukten gekoppelt. In den letzten zehn Jahren ist er gestiegen, wie auch der Preis für die meisten anderen Rohstoffe. Unser Gas ist nicht zu teuer. Ganz im Gegenteil. Es ist zu günstig", so Miller.

In den kommenden 20 Jahren wird das Erdgas eine Schlüsselrolle bei den Energieträgern spielen, glauben Experten. "Russland ist der weltweite Spitzenreiter bei der Gasgewinnung. Und an der Spitzenposition wird sich aus unserer Sicht wenig ändern. Die sogenannte Schiefergasrevolution der USA erinnert mich eher an eine Geschichte aus der Traumfabrik Hollywood. Nein, unsere Prognosen sehen anders aus. So wird der Gasverbrauch in Europa weiter wachsen, die europäische Erdgasproduktion aber stark sinken. Für mich ist klar: Der Gasmarkt hat eine große Zukunft", sagte ein selbstbewusster Miller, der vor rund zehn Jahren von Putin an die Spitze des Gasriesen gesetzt wurde. (APA)

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