Deutsche Exporte knacken Billionen-Marke

8. Februar 2012, 13:09
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Der Jahresausklang war schwach, für das Gesamtjahr 2011 blickt Deutschland aber auf einen neuen Rekordwert zurück

Berlin - Die deutschen Exporteure sind in neue Dimensionen vorgestoßen: 2011 knackten sie erstmals die Umsatzmarke von einer Billion Euro - vor allem wegen der starken Nachfrage aus Schwellenländern wie China, aber auch aus Osteuropa. Das Auslandsgeschäft wuchs um 11,4 Prozent auf 1.060,1 Mrd. Euro, teilte das deutsche Statistische Bundesamt am Mittwoch mit. Die boomende deutsche Wirtschaft importierte gleichzeitig so viele Waren wie nie zuvor: Die Einfuhren legten um 13,2 Prozent auf 902 Mrd. Euro zu. Damit wurde die alte Bestmarke von 2008 um fast 100 Mrd. Euro übertroffen. Getrübt wird die Freude aber durch einen Einbruch am Jahresende, der ein deutlich langsameres Wachstum für 2012 signalisiert.

Im Dezember verkauften die Exporteure 4,3 Prozent weniger ins Ausland als im Vormonat. Einen stärkeren Rückgang gab es zuletzt auf dem Höhepunkt der Finanzkrise im Jänner 2009. Das Minus fiel viermal so stark aus wie von Analysten erwartet. "Das ist ein schwacher Jahresausklang", sagte Christian Schulz von der Berenberg Bank. "Die deutsche Wirtschaft steht möglicherweise vor einer Rezession." Bereits im vierten Quartal ging das Bruttoinlandsprodukt nach ersten Schätzungen der Statistiker um 0,25 Prozent zurück. "Das lässt sich nicht mehr halten", sagte DekaBank-Ökonom Andreas Scheuerle. "Man muss nun von einer höheren Schrumpfung ausgehen."

Sorgen bereitet den Unternehmen vor allem die Schuldenkrise in vielen Euroländern, wohin 40 Prozent der Exporte gehen. Von dort erhielt die Industrie im Dezember fast sieben Prozent weniger Aufträge, weil viele Länder vor der Rezession stehen. "Wir machen uns Sorgen um Europa", sagte der Präsident des Exportverbandes BGA, Anton Börner. "Noch ist nicht sicher, wie weit das durch die Auftragszuwächse aus den Schwellenländern kompensiert werden kann." Der BGA rechnet damit, dass sich das Exportwachstum in diesem Jahr auf sechs Prozent nahezu halbieren wird. Dennoch soll das gesamte Handelsvolumen - Ein- und Ausfuhren zusammen - erstmals die Marke von zwei Billionen Euro übertreffen.

Wichtige Stütze

Der deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler sieht im Außenhandel weiter eine wichtige Konjunkturstütze. "Aktuell ist es angesichts der Schwächephase der Weltwirtschaft zwar schwieriger, an die Erfolge anzuknüpfen", sagte Rösler. "Die deutsche Wirtschaft ist aber nach wie vor hoch wettbewerbsfähig." Belebe sich die Weltwirtschaft, könne sie ihre Wachstumschancen nutzen.

Besonders die USA schlugen sich zuletzt deutlich besser als erwartet. Die Arbeitslosenquote in der weltgrößten Volkswirtschaft ist derzeit so niedrig wie seit fast drei Jahren nicht mehr. Auch aus der deutschen Wirtschaft kamen zuletzt positive Signale: Die Industrieaufträge zogen im Dezember wegen der hohen Nachfrage aus Übersee um 1,7 Prozent an, die vom Ifo-Institut ermittelte Stimmung bei 7.000 Managern hellte sich im Jänner den dritten Monaten in Folge auf. "Alle Zeichen stehen jetzt auf Erholung", sagte Berenberg-Experte Schulz. "Wenn das so bleibt, kann Deutschland spätestens im Frühjahr zu Wachstum zurückkehren."

Besonders stark legten 2011 die Ausfuhren in die Länder außerhalb der EU zu: Hier gab es ein Plus von 13,6 Prozent, während die Lieferungen in die Eurozone nur um 8,6 Prozent zunahmen. Die Exporte übertrafen die Importe um 158,1 Mrd. Euro. Zum Vergleich: Frankreich wies keinen Handelsüberschuss, sondern ein Rekorddefizit von 69,6 Mrd. Euro aus. (APA/Reuters)

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