Ausstellung "Strictly Private" vermittelt "Neuformulierung des Dokumentarischen" und Werk des Architekten Ernst Schwadron
Wien - Einblicke ins Private liefert die österreichische
Künstlerin Heidrun Holzfeind in der BAWAG Contemporary in Wien. Die
erste große Einzelausstellung der gebürtigen Lienzerin versammelt
vier Werkgruppen, die sich mit Architektur und deren sozialen
Implikationen auseinandersetzen. Im Zentrum der Schau "Strictly
Private", die bis 1. April zu sehen ist, steht dabei die
Wiederentdeckung des Architekten Ernst Schwadron, dem sie mit einer
"Neuformulierung des Dokumentarischen" begegnet, wie Kuratorin
Christine Kintisch bei der Presseführung vor der Eröffnung am Mittwochabend erklärte.
Mit Schwadron (1896-1979) wird auch die Geschichte des Hauses am
Franz-Josefs-Kai selbst thematisiert, befand sich doch der Schauraum
der Keramikfirma seines Vaters in den Räumlichkeiten der heutigen
BAWAG Contemporary. Der Wiener Architekt musste 1938 nach New York
emigrieren, wo auch Holzfeind die vergangenen 15 Jahre verbracht hat.
In detektivischer Arbeit hat sie sich auf die Spuren Schwadrons
begeben, u.a. eine nie publizierte Fotoreportage des "Life"-Magazins
entdeckt sowie Interviews mit Bobby Lach, der Nichte des Architekten,
geführt. Gesprächsausschnitte, eine Dia-Installation sowie Fotos
vermitteln nun einen Eindruck vom Leben und Werk Schwadrons.
Ordnung im Chaos vermittelt die Serie "Friday Market" (2008), zehn
Bilder eines Wochenmarkts auf einem stillgelegten Eisenbahngelände in
Kairo: Zerstörte Gebäude und scheinbar willkürlich angeordnete Stände
werden von der teils klaren Strukturierung der Waren konterkariert.
Wieder den Menschen in den Mittelpunkt rückt Holzfeinds
Auseinandersetzung mit "Colonnade Park" (2011), einem modernistischen
Wohngebäude Mies van der Rohes in Newark. Die Künstlerin führte
Interviews mit den Bewohnern, zusätzlich sind Fotos des Gebäudes zu
sehen, die von eigentümlichen Schlieren durchzogen sind. Ein Zufall,
wie Holzfeind erklärte: "Wahrscheinlich ist der Film nass geworden.
Ich habe das erst nach dem Entwickeln bemerkt."
Während hier der "Mikrokosmos der Stadt" in einen Wohnkomplex
transferiert wird, bilden "CU" (2006) und "Mexico 68" (2007) die
sozialkritische Komponente der Ausstellung. Zwei Jahre lang
beschäftigte sich Holzfeind mit der Ciudad Universitaria in Mexiko
City, präsentiert deren Architektur in oft unkonventionellen
Einstellungen und thematisiert erneut mit Interviews die
Studentenrevolte im Jahr 1968. 26 Archivfotos der Aufstände, die
blutig niedergeschlagen wurden, ergänzen diese Werkgruppe, die sich
wie der Rest einerseits spröde präsentiert, andererseits bei näherer
Beschäftigung den Blick hinter die offensichtliche Fassade leitet.
Am 22. Februar
und 28. März stehen begleitende Konzerte am Programm. (APA)