Ex-Präsident: Wurde mit Gewalt zum Rücktritt gezwungen

8. Februar 2012, 13:54
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Nasheed sieht sich als Opfer eines Putsches - Neuer Präsident Waheed sei eine "Marionette"

Neu-Delhi - Der nach einer Meuterei der Polizei zurückgetretene Präsident der Malediven, Mohamed Nasheed, ist nach eigenen Angaben mit Waffengewalt zum Rücktritt gezwungen worden. Er habe sich am Dienstag in das Hauptquartier der Armee begeben und sei dort auf rund 18 bewaffnete Polizei- und Armeeoffiziere "mittleren Ranges" gestoßen, sagte Nasheed am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP in einem Telefonat. "Sie haben mir gesagt, dass sie ihre Waffen benutzen, wenn ich nicht zurücktrete. Ich habe das als Drohung begriffen."

Die Offiziere hätten ihm bis ein Uhr mittags Zeit gegeben zurückzutreten, sagte Nasheed. Er sei schließlich von den Männern in den Präsidentenpalast gefahren worden. "Sie zwangen mich, einen Rücktrittsbrief zu schreiben" - auf Briefpapier der Präsidentschaft. Nasheed verkündete seinen Rücktritt anschließend in einer Fernsehansprache und sagte, es sei für das Land in der "in der derzeitigen Situation besser", dass er zurücktrete.

Waheed eine "Marionette"

Im Gespräch mit AFP sagte Nasheed, er verdächtige seinen Nachfolger und bisherigen Stellvertreter Mohamed Waheed, in den Coup involviert zu sein. "Er hatte immer die Vorstellung, Präsident zu werden. Er war nie dazu in der Lage. Als sich ihm die Möglichkeit bot, hat er sie ergriffen." Waheed sei eine "Marionette" der Sicherheitskräfte. Waheed hat zurückgewiesen, hinter dem Sturz Nasheeds zu stehen. Die Armee bestreitet Putsch-Vorwürfe.

Hinter dem Umsturz sieht Nasheed die politische Opposition des Landes, insbesondere die Partei des früheren Machthabers Maumoon Abdul Gayoom. "Sie (die Oppositionsparteien) hatten Angst, dass sie bei den Wahlen im kommenden Jahr keine Chance haben", sagte Nasheed mit Blick auf die Präsidentschaftswahl im November 2013 zu AFP. "Es gibt keinen Grund, warum die Bevölkerung die Regierung stürzen sollte." Der heute 44-jährige Nasheed war 2008 mit breiter Unterstützung der Bevölkerung ins Amt gekommen. Er beendete drei Jahrzehnte der autoritären Herrschaft unter Gayoom. (APA)

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    Mohamed Nasheed.

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