Töchterle

"Es wird immer welche geben, für die kein Platz da ist"

8. Februar 2012, 12:45
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    foto: standard/cremer

    "Man wird bei kleinen Fächern mit den Unis überlegen, ob man alle Standorte braucht."

Wissenschaftsminister will Unis finanziell belohnen, wenn sie mehr Absolventen haben

Wien - Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle bekennt sich zu Studienplatzbeschränkungen. Im Interview mit dem Nachrichtenmagazin "News" erläutert er seine Pläne: "Der Staat soll mitreden, wie viele Studienplätze finanziert werden. Die Uni soll entscheiden, wie sie die Leute auswählt." Er wünsche sich, dass die Eingangsverfahren "prognosestark und gerecht" sind. Töchterle gibt zu, dass in Zukunft nicht alle im System Uni Platz finden werden: "Man muss ehrlich sagen: Es wird immer welche geben, die die Voraussetzungen erfüllen, aber für die einfach kein Platz da ist. Aber so eine Entscheidung ist ja nicht für die Ewigkeit. Man kann ein ähnliches Fach anfangen und später wechseln, wenn man etwas unbedingt studieren will."

Töchterle zweifelt die Sinnhaft kleiner Studienrichtungen an manchen Unis an: "Man wird bei kleinen Fächern mit den Unis überlegen, ob man alle Standorte braucht. Wobei natürlich alle, die ein Studium begonnen haben, es dort zu Ende führen können."

Schneller studieren

Weiters will der Minister das Tempo der Studierenden erhöhen und Unis finanziell belohnen, wenn sie mehr AbsolventInnen haben: "Das werden Studierende durch offensivere und schnelle Prüfungs- und Abschlussgestaltung spüren. Als Minister, der öffentliche Gelder verwaltet, muss ich dem Effizienzgedanken huldigen, auch wenn er sich manchmal mit dem universitären Gedanken beißt."

Scharfe Kritik an der erneuten Forderung nach Studienplatzbeschränkungen von Wissenschaftsminister Karlheinz Töchterle im Interview mit "News" übte am Mittwoch die Österreichische HochschülerInnenschaft (ÖH). Die Aussage Töchterles, wonach es immer Studierwillige geben wird, "die die Voraussetzungen erfüllen, aber für die einfach kein Platz da ist", sieht die ÖH als "ein klares Zeichen der politischen Verweigerung". Auch der Verband Sozialistischer Student_innen (VSStÖ) und der Grüne Wissenschaftssprecher Kurt Grünewald verurteilten die Pläne des Ministers.

"Kein Naturgesetz"

"Wie viele Studienplätze es gibt, ist eine politische Entscheidung und kein Naturgesetz", so ÖH-Vorsitzende Janine Wulz (Grüne und Alternative StudentInnen, GRAS) in einer Aussendung. "Anstatt sich endlich zur Ausfinanzierung der Hochschulen zu bekennen, stiehlt sich Töchterle lieber aus seiner politischen Verantwortung." Die Studienplatzfinanzierung kommt laut ÖH "einem generellen Aufnahmestopp gleich".

Grünewald hinterfragt indes die Voraussetzungen, wonach Studierwilligen ein Platz verwehrt werden soll. "Hier wird suggeriert, es gäbe allgemeingültige Methoden zur Erhebung des individuellen Talents", so der Grüne Wissenschaftssprecher. Er verlangt von Töchterle "konkrete Zahlen wie viele junge Menschen in Zukunft keinen Platz mehr an den Unis oder Fachhochschulen finden werden".

"Verquerer Ansatz"

Den Ratschlag Töchterles, bei abgelehntem Studienplatz ein ähnliches Fach anzufangen und später zu wechseln, ist aus Sicht des VSStÖ indes "mehr als skurril". Das erhöhe die Drop-Out-Quote im Zwischenstudium und verschärfe den Platzmangel im Wunschstudium im Folgejahr, so VSStÖ-Bundesvorsitzende Mirijam Müller. Auch der Plan, Universitäten für mehr bzw. schnellere Studenten finanziell zu belohnen, sei "ein völlig verquerer Ansatz". "Solange Studierende nicht ausreichend sozial abgesichert sind und über 60 Prozent arbeiten, um sich ihr Studium leisten zu können, werden sich die Studienzeiten weiter verlängern", meint Müller. (red, derStandard.at, 8.2.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 75
1 2
Resilienzfaktor
00
21.2.2012, 18:43

Es wird immer welche geben, die Ratschläge a la "sollen sie doch Kuchen essen" geben.

ÖVP halt.

Hermine Berg
 
00
da muss ich der OeH mal total recht geben

wenn ein minister - ehemaliger rektor! - oeffentlich bekennt, dass der staat vor hat talente zu verschleudern dann ist der untergang nicht mehr weit.

wir pfeiffen auf die talente, sollen sie verkommen. wir pfeiffen auf die loehne der arbeiter, sollen sie doch schaun, wie sie weiterkommen, wir pfeiffen auf die ausbildung unserer kinder, is eh alles wurscht. das ist oesterreich wie es leibt und lebt.

otto strammer
01
Hier sehen wir,

dass eine universitäre Karriere nichts über die Bildung aussagt.
ÖVP-Koffer

Tox in
15
Töchterle?

Was für eine Pfeife! Den nimmt doch eh keiner mehr ernst!!!

der schwitzbär der schwitzt sehr
02
No child left behind !

Wer resigniert hat, soll zurücktreten!

Chi-Unit
01
haha, sehr intelligent

dann gibt es auf einmal schwupsdiwups noch mehr Absolventen; kompetenter macht man damit freilich keinen.

smea_gol
01

Der Mann ist inzwischen ein Armutszeugnis.
Für die österreichische wissenschaftspolitik,
die Perspektivenplanung für die Jugend durch die konservative Fraktion
und für den mann ob seiner Provenienz selbst.

Die Karl war zwar der absolute Nullpunkt was WissenschaftsministerInnen angeht (auch JustizministerInnen), aber der Töchterle liegt nur knapp drüber.

Ich sehne mihc (!!!) nach dem Nihilisten Hahn, der einfach nur nicht anecken wollte, aber recht harmlos war. das will was heißen.

chem
02
Ich halt den immer weniger aus !!!

somussesnichtsein
14
für wendehälse wie sie herr töchterle

SOLLTE ES NIRGENDWO EINEN PLATZ GEBEN!

Hermine Berg
 
00
gibt es ja genug

in der bundesregierung, im parlament, in den landtagen, in den landesregierungen, in den parteisekretariaten,....

somussesnichtsein
00
ja frau berg - auch

da sollte man die dringend entfernen...

am meisten wendehälse gibt es übrigens bei blauen.

NPT
11
!

Der hat scheinbar seine Zeit auf der Uni vergessen, seit er am Ministersessel hockt!

Munis
11
leider gibts für Politiker a la Töchterle immer Platz...

Und das macht mich traurig. Eine ÖVP Marionette, ein Wendehals mit Scheuklappen - ja dafür gibts immer Platz auf der politischen Bühne.....

Der Chronist
14
Töchterle: "Es wird immer welche geben, für die kein Platz da ist"

Ja - für ihn uns seinesgleichen.

Roter Baron
00

so ist es !

sledgehammer44
32
ich mag ihn nicht

aber darum gehts nicht. er sagt seine meinung klar, und scheinbar hat er auch ein klares ziel vor augen, und auch einen plan wie er das umsetzten möchte. das ist schon viel mehr als eigentlich alle anderen minister haben.
das österreich trotz bisher offenen unizugang eine sehr geringe akademikerquote hat ist nicht zu bestreiten. der herr versuchts mal mit einer anderen strategie. sicher einer der besseren minister, trotz grosskotzigkeit.

Hermine Berg
 
00
ja, ich wuerde ihn gerne so positiv sehen

aber bitte, was ist das fuer ein statement? wie waere das irgendwo anders?

innenminister: "es wird immer ein paar morde geben, die keiner untersucht"

unterrichtsminister: "es wird immer ein paar schueler geben, die in keiner schule mehr platz haben"

verteidigungsminister: "es werden immer ein paar grenzorte von fremden armeen gepluendert werden ohne dass wir eingreifen"

gesundheitsminister: "es wird immer ein paar notfaelle geben, fuer die kein spitalsbett mehr da ist"

aussenminister: "es wird immer ein paar touristen geben, fuer die kein ersatzpass beschafft wird, wenn er gestohlen wurde"

verkehrsminister: "es wird immer ein paar ortschaften geben, zu denen wir keine strasse hinbauen"

sledgehammer44
00
10.2.2012, 09:53

passiert genau so. pro forma natürlich nicht, aber sehen sie es sich doch genau an.

wizenstain
00
kein Platz ?

24/7 Stunden Uni
potentiale sollte man wenigstens auschöpfen
bei nachtaktiv veranlagten persönlichkeiten
gäbe es noch dazu einen kreativitätsschub

im innovations-europa muß man halt platz machen
für innovation

Der Chronist
18

Ich hab ihn vom ersten Tag an so erlebt, wie er sich gibt. Inzwischen dürfte es für alle unübersehbar geworden sein, wofür dieser feine Herr steht. Ich konnte nie verstehen, warum er soviel Kredit mitbekommen hat, es war ganz klar, dass er ein braver Knecht seines zahlenden Herrn ÖVP ist.

Animus Ashitakae
01

Knecht ist irgendwie ein zu harmloser Begriff.

Er ist eher ein Bildungsscherge.

witzlos
21
stimme ihnen zu...

..,ich hab anfangs sehr viel von ihm gehalten und auch erwartet: ein prof der die situation der studenten kennt, der weiss wie schlecht es um die ausrüstung, die räumlichkeiten, die schlechten diestverhältnisse bestellt ist - so dachte ich - wird als minister das richtige tun.

und was passiert? er sitzt keine 5 tage im amtssessel und schon kommt die 180° kehrtwende.
ich frag mich ernsthaft, wie man sich so derart verlogen und hinterfotzig von der eigenen klientel wegbewegen kann. ein astreiner politiker...

smea_gol
00

saruman, der diener saurons.

Turbinenreiter
09

schneller studieren.
ich hab' jetzt schon bei den meisten sachen grad' genug zeit sie für die prüfung schnell reinzustrebern.
nichts mit langfristiger wissensaneignung, nichts mit vertiefen und hinterfragen, nichts mit dem eigenen interesse ein bisschen abseits des prüfungsstoffes folgen.

is doch scheiße.

abcddcba
00

Nun ja, Ihre Bedenken in Ehren, aber irgendwann müssen auch die wissbegierigsten Studenten arbeiten gehen und die Kosten für ihre (Aus-)Bildung via Steuern an den Staat abführen. Studieren zum Selbstzweck können Sie ja als ausserordentlicher Hörer. Aber um zu einem Abschluss zu gelangen braucht es eben auch eine zeitliche Einschränkung.

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