Die Abfahrer haben die Olympiastrecke von 2014 in Sotschi erstmals auf ihre Tauglichkeit überprüft. In den Olympiaorten wird im 24-Stunden-Betrieb an einer der wohl längsten Baustellen der Welt gearbeitet.
Krasnaja Poljana / Sotschi - Immerhin. Hannes Reichelt hat am Mittwoch
im überhaupt ersten Training für die überhaupt erste Weltcupabfahrt auf
der Olympiastrecke von 2014 im russischen Sotschi die schnellste Zeit
aufgestellt. Die Wertigkeit dieser Leistung bei der Jungfernfahrt auf
der vom Schweizer Bernhard Russi konzipierten Strecke muss nicht zu hoch
eingestuft werden. Schließlich hat der 31-jährige Salzburger zwei Tore
ausgelassen. Didier Cuche, der alle Tore regulär passierte, wurde
Zweiter.
"Es ist alles drin, was eine Abfahrt braucht. Mir gefällt sie",
beschrieb Reichelt seinen Eindruck von der Strecke. Vor allem vom
"Russisches Trampolin" genannten Sprung, der Weiten von bis zu 80 Meter
zulassen soll, zeigte er sich angetan. Andere Fahrer äußerten sich
kritischer, vor allem die vielen engen Kurven im oberen Teil missfielen.
"Es wäre ein epischer Super-G, aber keine Abfahrt", sagte der
US-Amerikaner Bode Miller.
Für die Herren gibt es am Wochenende die erste und einzige Möglichkeit
vor den Winterspielen 2014, die Pisten rennmäßig zu testen. Nach der
Abfahrt am Samstag folgt tags darauf noch eine Superkombination. Die
Damen haben in einer Woche dasselbe Programm zu absolvieren.
Das Skiresort Rosa Khutor, das als Gastgeber für die olympischen
Alpinbewerbe fungiert, liegt im Westkaukasus und ist etwa vierzig
Kilometer östlich der Schwarzmeerstadt Sotschi gelegen. Untergebracht
sind die Athleten im nahen und früher einmal kleinen Gebirgsdorf
Krasnaja Poljana. Diese drei Orte verbindet eine der derzeit wohl
längsten Baustellen der Welt.
50.000 Arbeiter
An der Eisenbahntrasse und der Autostraße, die von Sotschi aus in die
Berge führen, wird im 24-Stunden-Betrieb geschuftet. 50.000 Arbeiter
sind in den verschiedensten Projekten beschäftigt. Der Schienenverlauf
ist noch äußerst lückenhaft, immer wieder fehlen hunderte Meter. Auch
die Infrastruktur der Sportstätten ist vielerorts erst im Entstehen.
Noch kann man nicht erkennen, dass die Baustelle nahe einem der zwei
Athleten-Dörfer in Krasnaja Poljana ein Eiskanal werden soll. Auch der
Snowboard- und Freestyle-Park sowie das Langlauf- und Biathlon-Center
existieren hauptsächlich im Virtuellen und verstecken sich ansonsten gut
unter schneebedeckten Bergen von Erde und Gestein.
Die Gesamtkosten der Winterspiele, die am 7. Februar 2014 in Sotschi
eröffnet werden, sollen sich auf mehr als 24 Milliarden Euro belaufen.
Gut eine Milliarde haben sich österreichische Unternehmen gesichert. Der
Baukonzern Strabag errichtet das olympische Dorf, bis September 2013
sollen Wohnungen und Hotels um rund 350 Millionen Euro errichtet werden.
Der bereits erfolgte Umbau des Terminals am Flughafen Adler in Sotschi
brachte einen Auftragswert von 62 Millionen. Am Unternehmen von Hans
Peter Haselsteiner ist der russische Industrielle Oleg Deripaska mit 17
Prozent beteiligt. Neben dem Seilbahnbauer Doppelmayr ist auch der
Ziegelkonzern Wienerberger in Sotschi engagiert. (krud, APA, DER STANDARD Printausgabe 09.02.2012)