Santorums Rückkehr

Analyse8. Februar 2012, 14:19
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Kandidatenfeld wird durch die Wahlsiege von Rick Santorum neu aufgerollt - Suche nach "wahrem" Republikaner beginnt

Da waren's wieder drei: Mit seinen Siegen bei den Vorwahlen in Colorado, Minnesota und Missouri hat sich Rick Santorum wieder als republikanischer Präsidentschaftskandidat ins Spiel gebracht. Bisher hatte Mitt Romney als Favorit gegolten. Newt Gingrich war auch noch nicht abzuschreiben. Mit Santorum aber hatte kaum jemand mehr gerechnet. An seinen Sieg bei der Vorwahl in Iowa im Jänner schien er nicht mehr anknüpfen zu können. Jetzt ist er wieder da. Dass die Ergebnisse der drei Vorwahlen vom Dienstag für die Delegierten nicht bindend sind, spielt dabei kaum eine Rolle. Entscheidend ist, dass wieder über Santorum geredet und geschrieben wird.

Neuer Sieg, neue Chance

Jetzt könnten Wähler wieder überlegen, ihm ihre Stimme zu geben, weil sie vielleicht nicht mehr verloren scheint. Jetzt könnten Finanziers überlegen, ihm Geld zu geben, weil es vielleicht nicht mehr verloren scheint. Weil er eben jetzt wieder eine Chance hat. Zumindest kurzfristig.

Vor dem Super Tuesday am 6. März, an dem in elf Bundesstaaten insgesamt 466 Delegiertenstimmen zu gewinnen sind, stehen nur mehr drei Vorwahlen an: Am 28. Februar entscheiden die Republikaner in Arizona und Michigan, wen sie als Kandidaten gegen Barack Obama antreten lassen wollen. Vier Tage später, am 3. März, folgt Washington.

Suche nach dem "wahren" Republikaner

Santorum wird im kommenden Monat versuchen unter Beweis zu stellen, dass er der bessere Konservative als Mitt Romney ist. Vor allem für die Unterstützer der erzkonservativen, steuer- und staatsfeindlichen Tea Party ist Romney nicht der Wunschkandidat. Zu moderat hat er sich in ihren Augen zu Themen wie Abtreibung und Homosexuellenrechten geäußert. Santorum betonte immer wieder, dass Romneys inhaltliche Distanz zu Obama geringer sei als seine eigene. Demnach wäre er, Santorum, der "wahre" konservative Kandidat.

Für Romney hat Santorums Sieg bei den drei Vorwahlen einen einzigen positiven Effekt: Die Stimmen seiner Gegner verteilen sich nun auf zwei Kandidaten und können ihm so weniger schaden. Romneys Wahlkampfteam versucht nach der Niederlage am Dienstag zu betonen, Romney sei der Kandidat mit den besseren Aussichten in der Konfrontation mit dem amtierenden Präsidenten Barack Obama. Romney habe mehr finanzielle Mittel und eine bessere Organisationsdichte, das sei wichtig, um als Kandidat gegen Obama bestehen zu können.

Gingrich und der "Schönheitswettbewerb"

Newt Gingrich, der zuletzt South Carolina am 21. Jänner für sich entscheiden konnte, hatte die Vorwahl in Missouri als "Schönheitswettbewerb" abgetan und war dort gar nicht erst angetreten. Die Vorwahlen in Minnesota und Colorado schien er auch weitgehend abgeschrieben zu haben. Den Wahltag hat er in Ohio verbracht, wo die Republikaner am Super Tuesday abstimmen werden.

Für Santorum werden die Wochen bis zu diesem 6. März auch kein Spaziergang. Einstellen muss er sich jetzt auf verstärkte Attacken seiner Konkurrenten. Solange er nicht als Bewerber mit Siegeschancen wahrgenommen wurde, haben sich auch Romney und Gingrich wenig um ihn gekümmert. Das wird sich jetzt wohl ändern. (mka, derStandard.at, 8.2.2012)

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    Rick Santorum hat sich durch die drei Vorwahlsiege wieder ins Rennen um den republikanischen Präsidentschaftskandidaten gebracht.

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    Bisher war Mitt Romney in der Favoritenrolle.

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    Newt Gingrich hat eine der drei Vorwahlen am Dienstag komplett ausgelassen und die anderen beiden auch eher links liegen gelassen. Er will sich auf den Super Tuesday am 6. März konzentrieren. An diesem Tag entscheiden die Republikaner in elf Bundesstaaten, wer für sie im November gegen Barack Obama antreten soll.

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