"Haben uns selber aus dem Dreck gezogen"

Interview8. Februar 2012, 11:50
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Stefan Maierhofer ist der effektivste Stürmer der österreichischen Bundesliga, vom Meistertitel mit Salzburg ist er überzeugt

Salzburg - Alle 78 Minuten hat Stefan Maierhofer in der Herbstsaison einen Scorerpunkt verbucht und ist damit der effektivste Stürmer der österreichischen Fußball-Bundesliga. Der Titel des Torschützenkönigs ist für Maierhofer aber nur sekundär, der Stürmer streicht vielmehr den Mannschaftserfolg hervor, von dem er überzeugt ist. Im Interview erklärte er, warum es genug Typen in der Mannschaft gibt, der Kader nicht groß genug sein kann und er als "Hochzeits-Crasher" auch mit zwölf Toren zufrieden wäre.

Frage: Haben Sie eine Erklärung dafür, warum die Meisterschaft für Ihre Mannschaft bisher so enttäuschend verlaufen ist?

Maierhofer: Einige wichtige Spieler sind durch Verletzungen lange ausgefallen. Dadurch gab es immer wieder Veränderungen in der Mannschaft. Dazu kam die Doppelbelastung. Es muss alles funktionieren, weil man spielt gegen Gegner, die halt auch nicht schlafen, und die genau wissen, wie man gegen uns auftreten muss. Das alles darf aber keine Entschuldigung sein für die teils enttäuschenden Leistungen, vor allem in den sieben Spielen, in denen wir nicht voll punkten konnten. Dank der Durchhänger von Rapid, Austria und Sturm sind wir noch immer im Titelrennen.

Frage: Sie haben diese sieben Spiele angesprochen. In dieser Zeit gab es eine Umfrage der Salzburger Nachrichten, in der nur mehr jeder Sechste an den Meistertitel glaubte.

Maierhofer: Das war ganz einfach die Reaktion der Leute auf das, was sie von uns zu sehen bekommen haben. Wenn man zu Hause gegen Ried und Innsbruck nicht voll punktet und auch noch solche Leistungen wie unter anderem in Mattersburg abliefert, dann ist so etwas verständlich. Wir haben uns aber selber aus dem Dreck gezogen, und ich glaube fest daran, dass wir den Titel wieder nach Salzburg holen werden.

Frage: Was macht Sie so zuversichtlich?

Maierhofer: Die Typen, die man dafür braucht. Mit Duisburg sind wir nur deshalb ins Cupfinale gekommen, weil wir Typen hatten, die zusammen gehalten und füreinander gespielt haben. Das sehe ich auch bei uns so. Deshalb bin ich positiv gestimmt, dass wir da weitermachen, wo wir in den Heimspielen gegen die Admira und die Austria aufgehört haben.

Frage: Trotzdem war in den letzten Jahren die fehlende Hierarchie innerhalb der Mannschaft immer ein Thema.

Maierhofer: Man kann immer mehr reden, und immer mehr von jedem einzelnen Spieler verlangen. Aber wichtig ist doch nur, dass wir die Leistung auf dem Platz bringen. Wenn man in einem Alles-oder-Nichts-Spiel wie in Bratislava nach acht Minuten 0:2 hinten liegt und am Ende noch gewinnt, dann sieht man, dass wir Typen in der Mannschaft haben, die die Ärmel hochkrempeln können, die Charakter haben und Moral beweisen.

Frage: Wer sind neben Ihnen die Spieler, die gewisse Dinge ansprechen?

Maierhofer: Da will ich nur für mich sprechen. Ich gehe gerne voran und stelle mich hin. Jeder muss für sich selber entscheiden, mit was er fertig werden kann und mit was nicht. Wir sind als Team gut aufgestellt, und wenn wir das abrufen, können wir in diesem halben Jahr viel erreichen.

Frage: Jetzt sind wieder zwei neue Spieler dazugekommen. Der Kader umfasst mittlerweile fast 30 Spieler. Ist das nicht des Guten zu viel?

Maierhofer: Es kann nur positiv sein. Es belebt den Konkurrenzkampf und steigert die Qualität in jedem einzelnen Training. Das, was der Trainer tagtäglich einfordert. Die Qualität ist sehr, sehr hoch.

Frage: Mit Soriano ist für Sie ein Konkurrent im Sturm dazugekommen. Wie sehen Sie die Situation?

Maierhofer: Es gibt nur Kollegen, es gibt keine Konkurrenten. Wir wollen gemeinsam alle Erfolg haben. So einen Spielertyp wie mich gibt es keinen anderen in der Mannschaft. Wenn wir jetzt noch zwei Lackln mit zwei Metern hätten, müsste ich mir meine Gedanken machen. Vielleicht ändert der Trainer ja auch das System.

Frage: In der Europa League wartet mit Metalist Charkiw ein vermeintlich übermächtiger Gegner, der Austria Wien vor allem auswärts vorgeführt hat. Wie sehen Sie die Chancen?

Maierhofer: Für mich ist entscheidend, dass wir gegen Innsbruck gut starten. Das wird nicht einfach. Das ist ein Derby, die werden topmotiviert sein. Gegen Charkiw dürfen wir zu Hause kein Gegentor zulassen und müssen möglichst ein oder zwei machen. Dann können wir mit viel Selbstvertrauen in die Ukraine gehen. Und dass wir im Konter erfolgreich sein können, haben wir nicht nur in Bilbao gezeigt. Natürlich ist Charkiw spielerisch sehr stark. Sie haben schnelle und technisch gute Spieler. Aber wir sind Red Bull Salzburg und haben ein Kaliber wie Paris Saint Germain hinter uns gelassen.

Frage: Mit neun Toren sind Sie mit Darko Bodul Führender in der Torschützenliste. Zufrieden?

Maierhofer: Hätte sich das einer von euch gedacht, als ich gekommen bin? Ich finde es, wenn man vergleichsweise mit den anderen meine Einsatzminuten betrachtet, ganz okay. Normalerweise müssten es bereits elf oder zwölf sein.

Frage: Was kommt da noch dazu?

Maierhofer: Ich hoffe, dass noch einige dazu kommen. Aber letztendlich ist es nicht entscheidend, wer die Tore macht. Wenn ich am Ende zwölf Tore auf meinem Konto habe, und wir Meister werden, dann bin ich auch zufrieden.

Frage: Wie wichtig wäre für Sie der Titel des Torschützenkönigs?

Maierhofer: Vorrangig ist für mich, dass wir als Mannschaft erfolgreich sind. Ob ich dann am Ende vorne bin, ist für mich sekundär. Sollte es jedoch der Fall sein, dann wäre es eine tolle und geile Sache. Schließlich bin ich es ja noch nie geworden.

Frage: Drei Ihrer neun Tore hat der abwanderungswillige Gonzalo Zarate mit Maßflanken vorbereitet ...

Maierhofer: Wenn ich es jetzt brutal sage, dass davon zwei gegen die Austria im letzten Spiel dabei waren, dann hat es lange genug gedauert, bis wir drauf gekommen sind, wie gut wir miteinander harmonieren können. Er ist ein Spieler mit einer irrsinnigen Qualität, mit einer unglaublichen Stärke im Eins gegen Eins und schlägt super getimte Flanken. Schade, wenn er uns verlassen würde.

Frage: Es gibt einen Spruch, dass man nur auf einer Hochzeit tanzen kann. Bei Salzburg sind es drei. Worauf wird es ankommen, dass Ihr Team in allen drei Bewerben erfolgreich sein kann?

Maierhofer: Kennst du den Film "Die Hochzeits-Crasher" mit Vince Vaughn und Owen Wilson, die sich immer erfolgreich auf Hochzeitsfeiern eingeschmuggelt haben? Ich sage, wenn wir auf jeder Party das Optimum rausholen und schön mitfeiern, dann hoffe ich, dass wir am Ende auf jeden Fall die eine oder andere Trophäe in die Höhe halten werden. Wir wollen nächstes Jahr in die Champions League, und Salzburg ist noch nie Cupsieger geworden. In der Europa League haben wir die Chance, Charkiw zu eliminieren, und dann käme Panathinaikos oder Rubin Kasan.

Frage: Welcher Bewerb hat für Salzburg Priorität?

Maierhofer: Die Meisterschaft ist unser tägliches Brot, für das du jeden Tag trainierst. Da müssen wir schauen, dass wir gut starten, dass wir nicht so viel Druck aufkommen lassen, wie es zwischenzeitlich bereits der Fall war. Damit wir beruhigt an die anderen Aufgaben im Cup und in der Europa-League herangehen können. (APA)

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    Stefan Maierhofer ist Führender in der Bundesliga-Torschützenliste. "Hätte sich das einer von euch gedacht, als ich gekommen bin?"

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