Autobauer

GM verliert mit Opel die Geduld

8. Februar 2012, 19:11

Der US-Autobauer fordert tiefe Einschnitte von Gewerkschaften in Europa, Stellenstreichungen und Werksschließungen stehen im Raum

Hamburg - Opel steht erneut vor einer harten Sanierung: Es verdichten sich die Anzeichen, dass die US-Konzernmutter GM ihre Europatochter bald einer Schrumpfkur unterzieht. Der US-Autobauer wird nächste Woche nach Einschätzung von Experten eine gold geränderte Bilanz des abgelaufenen Jahres präsentieren - dank guter Geschäfte in China und der Erholung auf dem Heimatmarkt. Negativ aus dem Rahmen fällt einzig das Europa-Geschäft mit Opel an der Spitze, das weiter tief in den roten Zahlen steckt. Besonders düster dürfte es im Schlussquartal ausgesehen haben, als Opel den Absatzrückgang in den Schuldenländern Südeuropas voll zu spüren bekam. Allein im Dezember brachen die Neuzulassungen der Schwestermarken Opel und Vauxhall nach Daten des Herstellerverbandes ACEA in der EU um 17,4 Prozent zum Vorjahr ein.

"Es ist klar, dass wir mehr tun müssen, um unser Ergebnis zu verbessern", räumte ein Opel-Sprecher ein. Darin seien sich alle bei der GM-Tochter einig. Diskussionen gebe es über die richtige Strategie. GM hatte bereits vor mehreren Monaten sein Ziel in den Wind geschrieben, die chronisch defizitäre Europatochter 2011 aus den Verlusten zu führen. Derzeit wird in Detroit mit Hochdruck an einem Sanierungsplan gearbeitet.

Die GM-Anleger - allen voran die noch mit knapp einem Drittel an dem Autobauer beteiligten USA - sind zwar über die bedrohliche Lage bei Opel auf dem Laufenden. Dennoch dürfte die Bekanntgabe eines Opel-Quartalsverlusts im Rahmen der GM-Bilanz am 16. Februar die Alarmglocken lauter schrillen lassen. Investoren könnten GM dazu drängen, bei Opel härter durchzugreifen.

Furcht vor Werksschließungen

Entscheidungen zu Werksschließungen gibt es laut Opel-Chef Karl-Friedrich Stracke aber derzeit nicht. "Lassen Sie sich zunächst versichert sein, dass es bis jetzt keinerlei Entscheidungen im Opel/Vauxhall-Management, bei GM oder im Opel-Aufsichtsrat gibt, wonach Werke geschlossen, Stellen abgebaut oder Produktionsvolumen verlagert werden soll", schrieb Stracke in einem Brief an die Opel-Beschäftigten. Zweifellos müsse Opel "gewisse Probleme" lösen. Die Opel-Führung setze alles daran, dies gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern zu schaffen.

Das "Wall Street Journal" hatte zuvor berichtet, in der Konzernzentrale in Detroit werde über weitere Werksschließungen und Stellenstreichungen nachgedacht. "Wenn Opel gerettet wird, dann jetzt - und die Einschnitte werden tief sein", zitierte die US-Zeitung einen namentlich nicht genannten GM-Vertreter. Demnach sollen die Werke in Bochum mit mehr als 3.000 Arbeitern und im britischen Ellesmere Port mit über 2.000 Beschäftigten auf dem Spiel stehen.

Der neue Opel-Betriebsratschef Wolfgang Schäfer-Klug wies dies zurück: Die Arbeitnehmervertretung habe keinerlei Hinweise, dass der Mutterkonzern oder das Opel-Management vorhätten, die bestehenden Verträge zu verletzen. Diese schließen Werksschließungen und betriebsbedingte Kündigungen für alle europäischen Standorte bis Ende 2014 aus. GM hatte in der zurückliegenden Sanierung das Werk im belgischen Antwerpen dichtgemacht. Schon damals war auch über die Zukunft von Bochum, Ellesmere Port und Eisenach spekuliert worden.

Derzeit liegt die Auslastung der Opel-Werke nur bei 80 Prozent. Neben den Überkapazitäten knabbern auch die hohen Rabatte an den Margen - Opel drücke sogar neue Modelle mit Nachlässen in den Markt, berichtete das Fachmagazin "auto motor und sport" unter Berufung auf nicht näher bezeichnete Unternehmenskreise. Der Druck dürfte in diesem Jahr anhalten, da sich eine baldige Erholung in Südeuropa nicht abzeichnet. (APA/Reuters)

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Keyser
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Einfach die Stammbelegschaft komplett vor die Türe setzen, und über eine Leihfirma weiter behalten, so lange man sie eben braucht - um "Produktionsspitzen" abdecken zu können. Oder die soziale Variaten, Hartz IV Empfängern eine Arbeit auf dem Gnadenhof als neue Autobauer geben. </Sarkasmus:off>

Da wird es sich nun zeigen, ob Kanzlerin "Super-Merkel" sich wieder aufschwingt, wenn es zur Rettung geht - damit die Opelaner im Fall des Falles die Werke und den Job behalten können.

Aber mMn. ist es hier eher der Fall, dass GM die Kosten für die Hauptbelastung No1: Das Lohnvieh, so weit zu senken als möglich. Oder vllt. wollen sie ein wenig Geld, vom Deutschen und den anderen Staaten - damit die Defizite ausgeglichen werden.

dafa
01
hmm...

... ich würd mir schon allein wegen GM keinen opel kaufen...

NicoPelikan
02
Auffällige Koinzidenz !

Es wird von 2 Seiten zum Angriff gegen Europas sozialen Standard geblasen: von der internationalen Finanz und von den US-stämmigen Multinationalen Konzernen !

Leser1010
 
01
Also ich

sehe das so: GM zwingt Opel seit bald 20 Jahren am europäischen Markt vorbei und ruiniert sie. Selbiges mit Vauxhall. Sie hätten die Marke verkaufen sollen, als es im Raum stand. Dann hätten wir zwar vielleicht jetzt keinen Ampera aber vielleicht einen wieder sparsamen Corsa oder ein billiges Raumwunder Astra. Leider saufen die Corsas seit dem C wie ein Loch und der akutelle Astra ist innen gefühlt so eng, wie der Kadett C.

pirat was sonst
01

Naja, es geht weniger um den europäischen Markt. GM "zwingt" Opel Autos für den internationalen Markt zu entwickeln. Die Marke selbst darf aber nur in Teilen Europas angeboten werden, ohne entsprechend angepasst zu sein; Das ist der Murks. In Osteuropa, China, Amerika... darf kein Opel angeboten werden - die anderen GM Marken verwerten aber die Patente international.

Eigentlich Produktpiraterie, was GM da macht ;-)

Ein Opel im Schafspelz
01

Ich sehe es so:
Als es GM schlecht ging (also die letzten 30 Jahre :-) ), haben sie Opel ausgesaugt und Geld nach USA verfrachtet. Jetzt, da Opel nicht mehr gut dasteht, argumentieren sie, dass Opel sie belastet.

Meine Meinung:
Sie werden Opel zusammenschrumpfen und dann an die Chinesen verkaufen.

pirat was sonst
00

es ging weniger ums Geld als um Technologie. Sämtliche neuen GM Modelle basieren auf Opel-Plattformen (Ampera->Volt, Meriva-B/Astra-> diverse Cadillac und Chevrolet; Insignia -> Buick und Chevrolet China usw.; Siehe auch https://en.wikipedia.org/wiki/GM_E... Epsilon_II )

uni versalis
00
so einfach ist es auch nicht.

opel ist eine tochter. es ist in int. konzernen durchaus üblich, die gewinne seiner töchter in die headquarters zu transferieren - oft läuft das schon vor bilanzierung etwa über transferpreise (natürlich sollte man mittel für f&e zur verfügung stellen, sollte dort geforscht und entwickelt werden). opel hat in der letzten zeit selten gewinne gemacht und ist
schon lange keine profitable division mehr.

natürlich werden sie opel nicht an die chinesen verkaufen, sie haben ja schon verhindert dass saab an die chinesen geht, damit es zu keinem know how transfer kommt.

gm hat viel falsch gemacht und einiges an die wand gefahren, aber ursprünglich opel gerettet.

Ein Opel im Schafspelz
00

aber auch sich selbst.
GM hat ja lange genug nur expandiert, um eigene Probleme nicht angehen zu müssen.

Chief Cohiba
00
Nichts...

...gegen den C-Kadett; das war ein ganz tolles Auto und man konnte unglaubliche Dinge damit anstellen! Innen wie aussen...

;-)

uncle sam3
00
brauchen wir opel?

was weisich
07
Zahlt denn GM seinen "Gewinn"...

...jetzt auch an die Steuerzahler zurück, die ihm seine Verluste abgenommen haben?

Gobi Todic
00
Der US Kapitalismus trickled wiedermal down

Also wie kann man bei sowas GEGEN eine Werksbesetzung und Weiterproduktion sein?

Aiaidudu
00

sowas bescheuertes.. Opel bringt derzeit wirklich nette Autos auf den Markt. Aber die negativwerbung ist bestimmt kein pluspunkt wenn man sich ein Auto kaufen will.. Wer möchte sich schon ein Auto von einem hersteller kaufen der eine ungewisse zukunft hat?

Rufus 666
00
Wer möchte denn überhaupt einen Opel kaufen?

O5
162

Die Gewerkschafter ruinieren wieder einmal ein paar tausend Jobs.

gem1
02

Zum Glück gibt es Unternehmen wie VW und BMW die zeigen, das man trotz oder gerade wegen der Gewerkschaften nachhaltig sehr, sehr erfolgreich sein kann!
Nicht durch Aushöhlung der Arbeitnehmerrechte sondern durch innovative und zukunftsorientierte Produkte.

Irgenwann werden sie auch verstehen was es heisst erfolgreich unternehmerisch tätig zu sein!

Dem Freinderl sei Wirtschaft
08

Wie naiv, genau über solche Leute lachen die 1%, ihre Fanboys die ihnen naiv folgen und den Gewerkschaften die Schuld geben, obwohl diese seit Jahren auf Kuschelkurs zum Kapital gehen, aber einigen reicht das scheinbar immer noch nicht.
Müssen die Leute erst alle staatliche Zusatzleistungen bekommen damit einer wie du zufrieden ist? Aber wer ist dann Schuld?
Krank wie man sich so fürs Kapital prostitu.... kann.

Gerhard Polak
07
Ein so ein Unfug was Sie posten

GM wollte den Verkauf von Opel an Magna nicht machen, GM hat seine Verluste in der BadCo in den USA den amerikanischen Steuerzahlern umgehängt, wollte dass auch in der EU. GM hat Opel seit Jahren so ausgehöhlt, dass finanziell kein Platz für nachhaltige Entwicklungen vorhanden war. GM hat global Standard Plattformen für Fahrzeugklassen geschaffen, ausser dem lizenzierten E-Motor als Feigenblatt nur KarosserieRetusche zusammengebracht (siehe Vectra-> Insignia, Zafira, Corsa). Bei Abgasstandards hinkt GM so was von hinterher. Wenn Verluste zu Lasten der Ökologie und der Steuerzahler gehen, dann kann das Management wieder mit den Flügeln schlagen und "Gewinn" gackern. Opel ist zu wünschen, dass das GM-Management sich zum Verkauf entschliesst.

Háry János
00
Eine Übernahme von Opel

wäre für Magna ziemlich riskant gewesen.
Die Auftraggeber von Magna wie Daimler-Benz und BMW sähen es sicher nicht gerne, wenn sich Konstruktionsdetails ihrer Fahrzeuge bei einem Opel wiederfänden oder der Auftragsfertiger gleichzeitig Konkurrent im selbem Marktsegment wäre.
Wozu das führt, sieht man an den Streitigkeiten zwischen Apple und Samsung.

Gerhard Polak
00
Deripaskas und die russische Autoindustrie

wollten mit Magna das durchziehen. Es wäre ein win win für Opel (Absatzgebiete, F&E Kompetenzzentrum), Magna (Skaleneffekte bei mittelgrossen Fertigungslosen und gesicherter, standardiserter Komponenten-Mix), russische Autobauer (Assemblage, Produktionstransfer a la Renault/Dacia), eworden - um ein paar Beispiele zu bezeichnen. Die Tür ist bis auf einen Spalt zu, da in den letzten 1 1/2 Jahren der russische Markt neu verteilt worden ist.

mario zapperlotti
10
die Denkschule des Neo-Liberalismus siegt also

Nichtschweiger
 
10
Sie siegt IMMER!

Wann kapiert man das eigentlich? (Und stellt sich drauf ein)

O5
141

Südkorea ist noch viel neoliberaler als die EU. Aber dort hat man verstanden dass man um Arbeitsplätze zu behalten und zu bekommen wettbewerbsfähig sein muss - was unsere Gewerkschafter noch immer nicht gelernt haben.

Was passiert wenn man sich um Produktivität und Kosten nichts schert hat man in der UdSSR gesehen - die sowjetische Autoindustrie hatte einen technologischen Rückstand von Jahrzehnten.

Leser1010
 
02
Sie sehen das sehr richtig.

Jobs sind wichtig. Aber es ist oft besser, was anderes zu machen (auch wenns schwer fällt), als sich ausbeuten zu lassen. Wenn die Opel Produktion nach Asien geht, werden hier gar keine mehr verkauft, wenn die Arbeitslöhne sinken oder die -bedingungen schlechter werden aber genauso.
Henry Ford hats seinerzeit vorgemacht. Viele seiner Angestellten konnten sich seine Autos leisten, wenn man Ihrem Prinzip folgt, ist das bald nicht mehr der Fall.

Es steht Ihnen übrigens frei, alle Besitztümer hier zu lassen und Ihr Glück in einer südkoreanischen Fabrik zu suchen. Aber verlangen sie bloss kein WC oder eine Pause!

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