Malaria als Therapie in Wien: Weiteres Opfer meldet sich

8. Februar 2012, 09:06

Helige spricht von "Zusammenhang zwischen Wilhelminenberg und Spiegelgrund"

Wien - Jener 63-Jährige, der am Montag sagte, während seiner Zeit in einem Wiener Kinderheim 1964 absichtlich mit Malaria infiziert worden zu sein, ist wohl nicht das einzige Opfer: Noch am selben Tag meldete sich ein weiterer Betroffener, der ebenfalls mit der fragwürdigen Fieberkur an der Wiener Uni-Klinik für Psychiatrie behandelt worden sein soll.

Der Fall von Herrn J. liegt bei der Opferschutzstelle Weißer Ring, wo der Psychiater Ernst Berger tätig ist. Ihm seien bislang keine weiteren Fälle von malariainfizierten Heimkindern bekannt, "vermutlich wird es mehrere geben", meint er im Standard- Gespräch. J. spricht von zumindest ein bis zwei anderen Kindern, denen zur selben Zeit der Malaria-Erreger gespritzt worden sei. Die Therapie galt vor dem Antibiotikum als Mittel gegen Syphilis. In den 1960ern allerdings war die Fieberkur längst nicht mehr wissenschaftlicher Standard.

Malaria-Therapie gegen "adoleszente Probleme"

Psychiater Berger sagt, er wisse aus sicherer Quelle, dass ein weiterer Jugendlicher 1967 wegen "adoleszenter Probleme" der Malaria-Therapie unterzogen wurde - allerdings war dieser kein Heimkind. J. hat sich an den Opferanwalt Johannes Öhlböck gewandt, der bereits zwei Frauen vertritt, die im Heim am Wilheminenberg missbraucht wurden.

Herr J., bei dem die heute nicht mehr zulässige Diagnose "Psychopathie" gestellt wurde, lebte nachweislich einige Jahre in Kinderheimen der Stadt Wien. Ob das umstrittene Heim am Wilhelminenberg auch darunter ist, will der Weiße Ring vorerst nicht bekanntgeben. Sollte das der Fall sein, wird sich auch die eigens dafür eingerichtete Helige-Kommission darum kümmer

Es sei zu klären, ob es systematische Versuchsreihen mit Heimkindern gab, sagt Barbara Helige. Stündlich ändere sich die Zahl der Menschen, die sich bei der Kommission melden. Am Freitag waren es 55. "Auf jeden Fall gibt es Zusammenhänge zwischen den Vorkommnissen am Wilhelminenberg und dem Heim am Spiegelgrund (Anm.: Baumgartner Höhe)", so Helige. Genaues wird noch untersucht. Bürgermeister Michael Häupl (SP) versprach am Dienstag, die Stadt werde sich um Wiedergutmachung bemühen.

Weil die Erreger nach etwa einem halben Jahr aus dem Blut verschwinden, kann eine Malaria-Therapie heute kaum mehr nachgewiesen werden. (juh, DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2012)

...kann die Malariatherapie heute kaum mehr nachgewiesen werden...

Wer hat denn diesen Satz zu verantworten???
Die Täter sind längst tot, die Taten verjährt.
Aber offenbar kann es für einige nicht schaden, die Opfer noch ein bisschen anzuschütten und ein klein wenig Zweifel zu schüren. Motto: Beweisen könnens nix, vielleicht ist es eh nur erfunden.

SLUGA lebt!

Und führt sogar noch eine FA-Praxis!

glaubwürdig ??

habe da meine zweifel ob diese angaben glaubwürdig sind. ob da nicht ein paar trittbrettfahrer dabei sind ?

Im Geist des Holokausts!

erschreckend! Alle Verantwortlichen vor Gericht. Kein Pardon wegen Verjährung oder hohen Alters!

...

das gericht sieht heute noch ueber eigenartige gutachter und deren schaeden hinweg. ich wuensche mir auch, dass sich die selbst einsperren.

Die Scheinheiligen Repräsentanten , die bei Gross weggeschaut, ihn unterstützt und geehrt haben, werden einen sicheren Platz in dieser Geschichte der Zweiten Republik einnehmen müssen und dagegen hilft kein Verschweigensversuch mehr. Wie Opfer und Täter im BSA - eine Brutstaette von ehemaligen,rasch etablierten Nazis -miteinander ausgekommen sind, welche Mechanismen sich dabei entwickelt haben, diese und ähnliche Fragen werden noch zu erforschen sein.

Caspar Einem ist es zu verdanken, dass im BSA darüber einiges aufgeklärt wurde, aber Dank hat er von der Partei dafür nicht bekommen, das sollte zu denken geben, auch - das leider rechte und nicht linke Juristen hier unterstützend am Werk sind, eigentlich sehr traurig.

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