Details zu Sparpaket

Mindestlohn soll um 22 Prozent sinken

8. Februar 2012, 20:38

Löhne in Privatwirtschaft eingefroren bis Arbeitslosenquote wieder bei 10 Prozent ist - Erste Details in Athener Medien

Athen - Die griechische Regierung schnürt ihr umstrittenes neues Sparpaket. Am Mittwochabend wollte Ministerpräsident Loukas Papademos die Weichen stellen, damit das Programm bis Ende der Woche das Parlament in Athen passieren kann. Der parteilose Regierungschef traf sich zu einer entscheidenden Sitzung mit den Chefs der drei Regierungsparteien, um deren Unterstützung zu gewinnen.

Mindestlohn nun bei 590 Euro

Erste Details aus dem neuen Sparprogramm sickerten über Athener Medien durch. Wie aus Berichten der griechischen Presse vom Mittwochabend im Internet hervorgeht, müssen sich die Arbeitnehmer des Landes auf drastische Einschnitte einstellen. Demnach sollen alle Löhne in der Privatwirtschaft solange eingefroren werden, bis die Arbeitslosenquote von heute mehr als 19 Prozent auf 10 Prozent gefallen ist.

Zudem solle der Mindestlohn um 22 Prozent auf 590 Euro gesenkt werden, für junge Leute unter 25 Jahren soll die Kürzung noch drastischer ausfallen. Schließlich sollen die Pensionen der als reich geltenden Pensionskassen von Banken sowie Telefon- und Elektrizitätsgesellschaft um 15 Prozent reduziert werden. Die Regierung bekräftigte auch ihre Absicht, dass 150.000 Staatsbedienstete bis 2015 gehen sollen.

Bedingungen für weitere Milliardenhilfen

Mit dem Sparpaket würde das pleitebedrohte Land nach zähen Verhandlungen mit den internationalen Geldgebern die Bedingungen für weitere Milliardenhilfen erfüllen. Der Vorsitzende der Eurogruppe, Luxemburgs Ministerpräsident Jean-Claude Juncker, berief für diesen Donnerstagabend eine Sitzung der Euro-Finanzminister ein. Juncker hatte die Sondersitzung zuvor von den Ergebnissen der Athener Gespräche abhängig gemacht. Laut Diplomaten wollen die Kassenhüter über das neue, 130 Milliarden Euro umfassende, Hilfsprogramm für Griechenland entscheiden. Ohne weitere Hilfen droht Griechenland im März die Pleite.

Bewegung zeichnete sich indes bei den Verhandlungen über den dringend benötigten Schuldenschnitt ab. Die Europäische Zentralbank (EZB) soll nach Informationen des "Wall Street Journals" nun bereit sein, zum griechischen Schuldenschnitt beizutragen. Weder die EZB noch die EU-Kommission wollten dies am Mittwoch kommentieren. In EZB-Kreisen hieß es indes, der "WSJ"-Bericht treffe nicht zu.

Nach den Beratungen von Papademos und den Parteichefs muss die Regierung das Sparpaket offiziell absegnen und dann dem Parlament vorlegen. Dort ist die Abstimmung voraussichtlich für diesen Sonntag vorgesehen.

Griechenland hängt bereits seit dem Frühjahr 2010 am internationalen Finanztropf. Damals wurden dem Land als erstem in der Eurozone Kredithilfen über 110 Milliarden Euro zugesagt, die sich aber bald als unzureichend erwiesen.

Ringen um Details

Würde Athen bis März keine weiteren Milliardenhilfen bekommen, wäre Griechenland pleite, denn am 20. März werden Staatsanleihen im Umfang von 14,5 Milliarden Euro fällig. Bis zur letzten Minute hatten Papademos und sein Finanzminister Venizelos mit den Finanzkontrolleuren der "Troika" aus EU, Internationalem Währungsfonds (IWF) und EZB um letzte Details gerungen.

Im Mittelpunkt des Sparprogramms stehen die Senkung der Mindestlöhne, Einschnitte im Gesundheitssektor, bei der Rüstung sowie die Kappung von Zuschüssen für Städte und Gemeinden.

Besonders heftig umstritten ist in Griechenland die von der "Troika" geforderte Kappung des Mindestlohns von derzeit 750 Euro monatlich. Von der Höhe des Mindestlohns hängen wiederum andere Leistungen ab, beispielsweise das Arbeitslosengeld. Insgesamt sollen 2012 weitere 4,4 Milliarden Euro eingespart werden. Die Regierung will zudem noch heuer 15.000 Staatsbedienstete entlassen, bis 2015 soll es insgesamt 150.000 Staatsdiener weniger geben. Aus Protest gegen das neue Sparprogramm hatten sich am Dienstag tausende Griechen an einem 24-Stunden-Streik beteiligt.

Freiwilliger Schuldenschnitt

Parallel wird über einen freiwilligen Schuldenschnitt für Griechenland mit privaten Gläubigern wie Banken und Hedge-Fonds verhandelt. Griechenland hofft dabei auf eine Reduzierung des Schuldenberges um 100 Milliarden Euro. Ob diese Zahl zustande kommt, gilt aber als fraglich. Denn es ist unklar, ob sich alle Gläubiger zum Forderungsverzicht bereiterklären.

Größter öffentlicher Gläubiger ist die EZB. Sie hatte seit 2010 griechische Staatsanleihen aufgekauft, um den damals einsetzenden rapiden Kursverfall aufzuhalten. Dem "WSJ" zufolge soll die EZB nun bereit sein, diese Anleihen zum niedrigen Kurs an den Euro-Rettungfonds EFSF zu verkaufen. Der EFSF würde die Anleihen an Athen dann seinerseits zu einem Kurs deutlich unter dem Nennwert zurückgeben. Damit müsste Griechenland diese Anleihen nicht mehr zum vollen Wert zurückzahlen, die Schulden wären reduziert. EFSF-Vizechef Christophe Frankel sagte, dass der EFSF "wahrscheinlich eine bedeutende Rolle" beim geplanten Schuldenschnitt für Griechenland spielen werde. (APA)

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Eduard van Hinten
00
10.2.2012, 16:33
http://www.spiegel.de/wirtschaf... 82,00.html

viel spaß beim lesen.

der artikel ist fast 2 jahre alt...

p1234
00

Mal unabhängig davon was ich von den Sparvorschlägen halte, wie will man die Löhne in der Privatwirtschaft so kontrolliert senken? Die Löhne in der Privatwirtschaft bestimmt (bis auf wenige Ausnahmen wie Mindestlöhne) doch die Privatwirtschaft.

Oddo Wolf
00
10.2.2012, 02:05

Sicher steht es jedem Unternehmer frei, mehr als den gesetzlichen Mindestlohn zu zahlen. Aber wer macht das schon.

Nestor Machno
 
11
Um den Euro zu retten, wird Griechenland ruiniert.

Damit das gute Geld hart bleibt, werden jede Menge Existenzen ruiniert, aber auch Produktionsstätten geschlossen, Schulen zugesperrt, Infrastruktur verkommen gelassen usw.

Und täuschen wir uns nicht: das ist erst der Anfang des Zerstörungswerks, das unter „Eurorettung“ jetzt angelaufen ist.

Vielleicht sagen doch einmal genug Leute: Weg mit dem Schei$-Euro und überhaupt der ganzen Geldwirtschaft, die bedruckte Zettel und deren zahlenmäßige Schatten auf Konten über alle menschlichen Bedürfnisse stellt!

jesus mohammed
01
Da der Mindestlohn als Grundlohn funktioniert, bedeutet das nicht nur das Einfrieren aller Löhne, sondern ebenfalls deren Kürzung um 22%

ARAU
22

150.000 Staatsgestalten weniger - und niemandem wirds auffallen, geschweige denn, dass sie jemandem fehlen werden.

Bald auch bei uns, freu mich schon. Auf Steuernettoempfänger kommen beinharte Zeiten zu.

mir wird schlecht
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auf sie aber auch -

aber das werdens erst verstehen, wenn sies am eigenem leib spüren werden.

ichbinsofrei.net
13
MÖRDER!

http://www.rp-online.de/politik/e... -1.2701689
Selbst 200 Fälle von unterernährten Babys sollen inzwischen gemeldet worden sein. Bei Einbrüchen gehe es immer häufiger darum, Nahrungsmittel zu erbeuten.

und jetzt noch die senkung des lohns. MÖRDER!

watzlilaus "walmoerder" wondratschek
 
00
10.2.2012, 00:40
Warum gibt es in Griechenland Arbeitslosigkeit,

aber nicht in China, Hongkong, Singapur? Weil dort eben die Leute anpassungsfaehiger sind und Loehne akzeptieren, die ihrer Produktivitaet entsprechen.

Wenn griechische Loehne auf das Niveau von Guandong sinken, dann wird sich auch entsprechende Industrie ansiedeln.

Was die armen, hungernden Babies betrifft: Warum geben die Eltern diese nicht rechtzeitig zur Adoption in einen reicheren Staat frei?

flotter denker
22
Komiker - das Leben ist hart

Und Griechenland haben Leute wie Du total heruntergewirtschaftet.
Wenns Dein Gewissen beruhigt, dann spend Alles, was Du hast, den armen Griechen!
Aber beschimpf nicht die, die den Karren aus dem Dreck ziehen!

ichbinsofrei.net
10
leute wie ich?

lol, kasperl.

mir wird schlecht
10
wenn sie des denkens mächtig wären

dann würden sie schon kapiert haben, dass sich die griechen den karren selber aus den dreck ziehen. also schreibens nicht so geschwollen daher, als ob sie bei diesem ziehen auch nur einen millimeter mitmachen würden...

soamist
00
nur pferden gibt man den gnadenschuss

Fleisch
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In den nächsten Jahren werden wir hier in Mitteleuropa wohl eine Einwanderungswelle aus Griechenland haben. Die werden froh sein, wenn sie hier 800-900 EUR verdienen, und unsere Gehälter werden auch entsprechend der Marktsituation angepasst werden.

Seltsam?? Aber so steht es geschrieben.
 
11
Was mich am meisten interessiert:

all die Milliarden - sei es aus Griechenland, Italien oder auch Portugal - all diese Milliardenbeträge die nun in den Haushaltskassen fehlen, die haben sich ja nicht in Luft aufgelöst, wo sind die abgeblieben, in welche Taschen sind diese unfassbaren Beträge geflossen?

Darüber gab und gibt es nach wie vor keinen Aufschluß, keine Erklärungen, keine Dokumentation, einfach nichts.

p1234
00

Genau so ist es. Das Geld haben die Grossunternehmen und oberen 10,000. Das traut sich seltsamerweise aber kein Politiker irgendeines relevanten Kalibers zu sagen. Die haben alle Angst vor der ÖVP Leistungs- und Klassenkampfkeule.

so so ....
00

schweres fieber ?

Android1337
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Haben sich Spindelegger und Faymann endlich zu einem Sparpaket durchgerungen?

Aso, es geht ja gar nicht um Österreich...

Tintininafrica
02
Griechenland

Die ganze Übung ist Augenauswischerei. GR ist finanziell nicht zu retten. Es geht nur darum, Zeit zu gewinnen (Wahlen in Frankreich). Dann wird GR aus der EUR-Zone ausscheren, bzw. Staatsbankrott erklären (müssen).

THE MGT.
12
Woran erinnert mich das ...

Ah ja, The Shock Doctrine: The Rise of Disaster Capitalism.

Ist ja wie aus dem Lehrbuch. Das Desaster wird genutzt, um die Theorien der Wirtschaftslibertären so weit wie halt möglich umzusetzen, u.a. mit der Ausschaltung der Demokratie ("Expertenregierung" nennt sich das dann, auch in Portugal bestimmt ja nicht mehr die gewählte Regierung, sondern die "Finanzexperten" aus EU, EZB und IWF), so weit wie nur mögliche "Liberalisierung" aller Lebensbereiche inkl. radikaler Reduzierung bis hin zur Abschaffung öffentlicher Leistungen und Arbeitnehmerrechte. Und während der Mindestlohn auf 590 EUR gesenkt wird, werden hunderte Milliarden an die (ehem.) Kreditgeber durchgereicht.

Internetgenerationler
 
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Entweder man ist der Meinung, dass Leute von Vollzeitarbeit auch voll leben können sollte, oder man ist einfach nur ein Riesena.....och

Von der direkten Folge, nämlich geringerer Nachfrage und geringeren Steuereinnahmen, wird Griechenland übrigens sicher nicht saniert werden.

Interessant außerdem, dass kaum gefordert wird, auch ein paar vermögensbezogene Steuern einzuheben.

Ich bin zwar der festen Überzeugung, dass die EU ein hervorragendes Projekt ist, aber hier schießt sie sich selbst ins Knie.

ARAU
22

womit insgeheim der Zusammenhang von Mindestlohn und Arbeitslosigkeit bestätigt wird. Was Linke nie wahr haben wollen.

Takis
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Wodurch bitte ist das bestätigt?

ichbinsofrei.net
11
nicht bestätigt

btw. wieso blühen die ärmsten länder nicht wie wahnsinnig? da gibt es lohnsklaven für ein paar cents - da müsste alles doch alles boomen und alle happy sein. komisch, komisch.
und noch was: wem bringen arbeitsplätze, auf denen man so gut wie nix verdient, was - außer dem kapital?

ARAU
30

wer oder was ist "das Kapital"? Außer ein linkes Abstraktum für ökonomische Analphabeten?

Armut kann viele Ursachen haben. Zb. nichts richtiges gelernt wie in ihrem Falle.

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