Der Linzer Erfolgslauf

Hannes Biedermann, 7. Februar 2012, 23:30
  • Artikelbild
    foto: apa/expa

    19 Tore, 33 Vorlagen: Mit 52 Punkten ist Mike Ouellette derzeit zweitbester Scorer der EBEL, mit +24 weist er zudem die beste Plus/Minus-Bilanz aller Stürmer auf.

  • Artikelbild
    foto: apa/neubauer

    Die Linzer Fans erfreuen sich am Siegeszug ihrer Mannschaft: Der Zuschauerschnitt von 3.500 pro Spiel entspricht einer Hallenauslastung von 95,9 Prozent.

Seit Monaten hält sich der EHC Linz konstant an der Tabellen­spitze und avancierte so zum Titelanwärter. Auf der Suche nach guten Gründen

So früh wie noch nie sicherten sich die Black Wings Linz, der große Dominator der bisherigen Saison der Erste Bank Eishockey Liga, ihr Ticket für die Play-Offs: Bereits am 26.Dezember fixierten die Oberösterreicher die Qualifikation für das am 19.Feber beginnende Viertelfinale, ließen sich aber auch seither nicht hängen und untermauerten somit ihren Status als seriöser Anwärter auf den Meistertitel 2012. Nach einem weitreichenden personellen Umbau im Sommer präsentierte sich die Linzer Mannschaft in diesem Spieljahr konstant stark, ihr Erfolg fußt auf fünf zentralen Faktoren.

1. Head Coach Rob Daum

Mit großen Vorschusslorbeeren kam der Kanadier in die Stahlstadt, letztlich hat er die Erwartungen sogar noch übertroffen. Schon drei Wochen vor seiner offiziellen Präsentation als neuer Cheftrainer saß er als Zuschauer in Linz auf der Tribüne und stellte erste Überlegungen hinsichtlich der anstehenden Rekonstruktion seines zukünftigen Teams an - ein Umstand, der Daums zentralen Vorzug dokumentiert: Akribie und gewissenhafte Vorbereitung. Zu Hause in Edmonton, Alberta, glühte der DVD-Player das Frühjahr über förmlich, die aus dem Videostudium gezogenen Erkenntnisse bildeten nicht nur die Grundlage für personalpolitische Entscheidungen, sondern auch die Basis der exakt auf den jeweiligen Gegner abgestimmten Gameplans. Kein Zufall, dass sich die Black Wings im Grunddurchgang ausgerechnet gegen das neu in die Liga gekommene Team aus Znojmo am schwersten taten (drei Niederlagen in vier Spielen).
Rob Daum ist, anders als so mancher seiner Vorgänger in Linz, ein ruhiger und bedachter Coach, vor allem aber ein brillanter Analytiker. Der Art und Weise, wie er das Spiel der eigenen Mannschaft, aber auch jenes des Gegners, in seine wesentlichen Einzelteile zerlegt und detailreich aufarbeitet, kann durchaus wissenschaftlicher Charakter attestiert werden. Gerade in den Play-Offs von Bedeutung ist dabei, dass das taktische Konzept des 54jährigen kein starres ist, Variabilität und Anpassungsfähigkeit ihrer strategischen Ausrichtung machen die Black Wings zum viel härteren Gegner als etwa ihr spielerisches Potential.

2. Geglückte Transferpolitik

Die Basis des Linzer Erfolgs in der laufenden Saison wurde bereits bei der Zusammenstellung des Teams im Sommer gelegt. Kein Klub kassierte im Langzeittrend der vergangenen fünf Jahre weniger Gegentreffer als die Oberösterreicher (2,85 pro Spiel im Grunddurchgang), dementsprechend lag der Fokus der Transferpolitik - von der Verpflichtung eines spiel- und offensivstarken Verteidigerduos abgesehen - klar auf der Besetzung der Angriffsreihen. Hier konzentrierte man sich bei der Rekrutierung nicht unbedingt darauf, möglichst hochklassige Einzelspieler unter Vertrag zu nehmen. Vielmehr stand im Vordergrund, jene Cracks neu zu holen oder weiter zu verpflichten, die das Potential mitbringen, gewisse Rollenzuteilungen im System von Trainer Rob Daum erfüllen zu können.
Während im Vorjahr noch sechs der neun Neuzugänge den Klub während oder spätestens nach der Saison wieder verließen und Linz schon im November alle im Rahmen des Regulativs möglichen personellen Veränderungen vorgenommen hatte, verbrauchte man heuer nur einen einzigen Tauschvorgang, als sich in der zweiten Jännerhälfte die Chance ergab, das Team mit Jan-Axel Alavaara substanziell zu verstärken. In Summe meldeten die Black Wings in der laufenden Saison Spieler mit einem Gesamtwert von 63,0 Punkten an - deutlich weniger als Konkurrenten wie der Tabellenzweite Zagreb (71,5) oder Titelverteidiger Salzburg (72,0).

3. Konstante Leistungen

In die letzte Saison startete Linz - obwohl regierender Vizemeister - mit acht Niederlagen in zehn Spielen, es dauerte bis zum 42.Spieltag, ehe man erstmals in der oberen Hälfte der Tabelle stand. Trotz eines tiefgreifenden personellen Umbaus im Sommer 2011 (14 der bisher 28 eingesetzten Spieler standen im Vorjahr noch nicht im Kader) waren die Black Wings in der laufenden Spielzeit von Beginn an voll da und gewannen elf ihrer ersten zwölf Partien. Das Leistungsniveau wird seitdem konstant hoch gehalten, nach 47 Spielen haben die Stahlstädter noch nie öfter als zwei Mal am Stück verloren. 38 Mal, also in mehr als 80 Prozent der Fälle, punktete das Team von Rob Daum. Den Erfolg honoriert auch das Linzer Publikum: 13 der 23 Heimspiele waren ausverkauft, eine Hallenauslastung von knapp 96 Prozent und ein gegenüber dem Grunddurchgang der letzten Saison um mehr als 1.000 Fans oder 30 Prozent gesteigerter Zuschauerschnitt sprechen Bände.
Für Kontinuität steht nicht zuletzt die Vereinsführung der Oberösterreicher, die sich in der Regel dezent im Hintergrund hält und sich auch kaum in sportliche Belange einmischt. Seit dem Rücktritt von Kurzzeit-Trainer Gert Kompajn im Dezember 2006 wurde in Linz kein Trainer mehr während einer laufenden Spielzeit ersetzt.

4. Geballte Angriffskraft

Aus Flop mach Top: Die im Vorjahr harmloseste Mannschaft der gesamten Erste Bank Eishockey Liga mit nur 2,89 erzielten Treffern pro Spiel im Grunddurchgang wurde über den Sommer zum offensivstärksten Team im Bewerb: In den 40 Spielen vor der Zwischenrunde gelangen im Schnitt 3,68 Tore - Ligaspitze! Hauptverantwortlich dafür zeichnete der radikale personelle Schnitt, der vor der Saison speziell in den Angriffsreihen vollzogen wurde. Geführt werden die beiden ersten Offensivblöcke von zwei neu verpflichteten Mittelstürmern: Während Mike Ouellette bereits in Zagreb und Graz (zumindest im Spiel nach vorne) zu den stärksten Centern der Liga gehörte, wurde mit dem Eishockeyartisten Rob Hisey der ideale Einfädler für die beiden Torjäger am Flügel, Justin Keller und Danny Irmen, gefunden. Die enorme Feuerkraft der beiden ersten Sturmformationen ermöglichte es Linz sogar, den in Sachen Scoring veritablen Absturz des Österreicher-Trios im dritten Block zu kompensieren. Bildeten Daniel Oberkofler, Martin Mairitsch und Martin Grabher-Meier im Vorjahr teilweise sogar die gefährlichste Angriffslinie, sank ihr gemeinsamer Schnitt an Punkten pro Spiel heuer um fast 48 Prozent. Im System von Rob Daum mit klaren Aufgabestellungen versehen, büßten die Drei an Produktivität ein und spielen seit einigen Wochen auch nicht mehr gemeinsam in einem Block.

5. Solides Goaltending

Auch in seiner vierten Saison im Verein agiert Alex Westlund als zuverlässiger Rückhalt im Tor. Den US-Amerikaner zeichnet seit Jahren vor allem seine Konstanz und ein hohes Mindestlevel in seiner Performance aus. Letzteres konnte er heuer noch um ein kleines Stück steigern, in 26 der 47 Spiele kassierte Linz zwei oder weniger Gegentore. Der mittlerweile 36jährige kommt mit einem GAA von 2,43 zwar nicht ganz an die Ligaspitze (Kristan/2,07, Starkbaum/2,26) heran, feierte in 42 Einsätzen aber ligaweit unerreichte 30 Siege. Westlund blieb in seiner langen Karriere bisher noch den Beweis schuldig, ein Goalie zu sein, der auch Meistertitel gewinnen kann. Viele bessere Chancen als heuer wird er dafür nicht bekommen. (Hannes Biedermann; derStandard.at; 7.Feber 2012)

Kommentar posten
23 Postings
sammy striezel
00
Mugl

Prost Mugl ;)

herrgospod
00

es ist ein ungeschriebenes gesetz: der erste des grunddurchgangs wird nicht meister! der beweis: graz dominierte die saison 2009/2010 und flog gegen zagreb raus!

exilkaerntner
00
10.2.2012, 10:51
ist wohl eher die ausnahme der regel!

ja es kommt vor.;) nur hat man als erster doch einen relativen vorteil.
ich würd es den linzern den meister vergönnen.
sie haben eine konstante leistung gebracht und sehr solide gespielt.

tnt
34
geh bitte...

im Viertelfinale gegen Villach is Schluss mit der Linzer Herrlichkeit !!!

donperleone
20
:-))))))))

villach? wo und wer ist des? die sind doch soooo stark, diese kärtner tr.....

arsen hitrach
00

Naja, die Kärntner Tr...uppe schlägt sich nicht so schlecht im Kampf um die letzten Playoff-Plätze. Jetzt müssen wir halt gegen Wien gewinnen, überhaupt sind die nächsten 3 Spiele von enormer Bedeutung für die Villacher. Und wenn sie ins Playoff kommen, dann fängt´s wieder bei Null an, da gelten dann wieder eigene Gesetze...
Ich würde den Tag also nicht vor dem Abend beschimpfen.

Ziegen Käse
00

ein Sieg ist nicht einmal zwingend. Wäre zwar super, aber die Wiener müssen eigentlich fast die 2 Punkte machen. Wenn wir verlieren sollten, spielen wir immer noch in Znaim und daheim gg Graz....wir haben es somit selber in der Hand.....am besten wäre eine Overtime, wer dann gewinnt,......

Ziegen Käse
11
Die einzige Konstante heuer ist Linz....

auch wenn der Grunddurchgang für Red Bull nie eine Bedeutung hatte, so wirken mir die Salzburger heuer doch irgendwie nicht so stark wie gewohnt....über das Chaos beim KAC muss sowieso nicht mehr debattiert werden. Die Frist fürn Viveiros ist ja eigentlich das I-Tüpfelchen....wenn diese Beiden ihr vorhandenes Potential noch ausschöpfen können, dann wird es für Linz schwierig werden. Denn nominell sehe ich den KAC und Red Bull stärker als die Blackwings. Wenn sie jedoch weiter so herumwurschteln, dann kann es gut sein, dass wir heuer mal ein anderes Finale zu sehen bekommen....

Gonzalo Gerardo
02

na und Zackzack Medvešcak?

ich würds den Linzaan gönnen, die spielen eine tolle Saison.
Ausserdem haben sie eine sehr sympathische Truppe und einen tollen Trainer. diese Kombination können weder KAC, noch RB aufweisen ;)

Ziegen Käse
11

meine Sympathien gehören neben dem VSV (welch Überraschung) eindeutig den ausländischen Klubs. Wenn das Finale wirklich Villach-Zagreb heißen sollte, dann muss ich echt schauen, wie oft ich nach Kroatien so gschwind komm....

donperleone
00

noch immer nichts verstanden gell?

Gonzalo Gerardo
00

ja eh, den VSV hab ich mal unerwähnt gelassen, den hab ich nun wirklich nicht auf der Favoritenrechnung ;)

Meister Linz oder Zagreb wäre gut, am coolsten allerdings Znojmo!

Ziegen Käse
14

in den letzten 5 Jahren stand Salzburg 5x im Finale, der KAC 2x, Laibach, Villach und Linz je 1x....ich würde es mal wieder schön finden, wenn ein "neues" Finale stattfinden würde.....

PS: Play-Offs haben immer eigene Gesetze, aber ich glaube nicht, dass irgendein Villacher den heurigen VSV ernsthaft noch als Meisterkandidat auf der Rechnung hat...sollte ich jedoch besseres belehrt werden, dann wird man meinen Jubelschrei auch am Mond hören können, versprochen....;)

derreporter
00
Nur der Vollständigkeit halber

Gert Kompajn war in der Saison 2006/2007 Co-Trainer von Bill Stewart. Als letzterer in einer Nacht- und Nebelaktion Linz im November 2006 verlassen hatte, war Kompajn für 10 Tage Chef. Dann übernahm Chris Valentine. Der eigentliche Abgang war also der von Bill Stewart.

Hannes_Biedermann
00
Falls es im Artikel als zu wenig ausführlich dargestellt erscheint:

25.11. Stewart trotz Vertrag in Linz als Hamburg-Coach präsentiert ## 26.11. Co-Trainer Kompajn als Head gg. KAC (7:2) und in zwei weiteren Spielen ## 5.12. Rücktritt Kompajn wegen "öffentlich geäußerter Kritik aus der Mannschaft" ## 6.12. Nasheim als neuer Co- und Interimstrainer präsentiert (zwei Spiele) ## 13.12. Valentine als neuer Head Coach präsentiert, Nasheim Co ## 19.12. Valentine-Debüt beim 5:3 über Graz.
-> Gert Kompain durch seinen Rücktritt letzter in Linz während einer laufenden Saison ersetzter Trainer. Dass er nur in diese Position kam, weil Stewart über Nacht das Weite suchte, stimmt natürlich. Ich hoffe, das war jetzt präzise genug und bedanke mich fürs aufmerksame Lesen und die Anmerkung!

derreporter
00

Also ehrlich, ich finde den Artikel wirklich gut. Und ich musste tatsächlich selber in meinen Unterlagen nachschauen, damit ich wusste was mit dem Herrn Kompajn damals war. So eine echte Erinnerung hatte ich an den gar nicht. Weil ich mir dachte, es geht vielleicht auch noch zwei oder drei Anderen so, habe ich das gepostet.

herrgospod
25

meister werden sie trotzdem nicht!

cjlpa
00
Glaub ich auch.

Auch wenn der Grunddurchgang für die Linzer gewaltig gut gelaufen ist - irgendwie glaub ich nicht daran, dass sie bis ins Finale kommen. RB und KAC sind von der Klasse her sicher besser, Linz vs Zagreb wäre auch keine "gmahde Wiesn", und eventuell wartet im Viertelfinale ja Znojmo...
Sollte ich mich irren, dann werde ich das gerne an dieser Stelle eingestehen, liebe/r Ich Bins6 ;-)

Da Chigurh Toni
00
hoffentlich

03 km
00
Der KAC mag vom Potential her besser sein...

...am Ende des Tags zählt halt nur das, was man auch auf's Eis bringt. Und das ist in Klagenfurt zur Zeit herzlich wenig.

a,orangutnig
00
die hoffnung stirbt zuletzt. irgendwann muss der kac doch wieder aufwachen.

Starker start und noch stärkeres finish - only a wish. Finale vsv vs kac hehe.

Ich Bins6
13

und wenn doch?

Meldest dich dann hier brav wieder und erklärst uns, dass du keine Ahung hattest/hast?

rafaelo 3
00

Wer dann?

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.