In Innsbruck soll ein Kompetenzcenter zur Erforschung altersbedingter Gefäßerkrankungen entstehen
Die EU hat 2012 zum Europäischen Jahr für aktives Altern und der Solidarität
zwischen den Generationen ausgerufen. Zufall oder nicht: Passend dazu setzt ein
Tiroler Konsortium aus Firmen und Forschern einen thematischen Schwerpunkt auf
Altersforschung. Man will ein gemeinsames Projekt zur Erforschung des Alterns
des Gefäßsystems auf den Weg bringen. Vorgestellt wurde das "Vascage" getaufte
"Research Center on Vascular Aging" vergangene Woche in Innsbruck.
Im Mittelpunkt steht die Erforschung altersbedingter Krankheiten, die zum
Großteil mit Durchblutungsstörungen der Gefäße zusammenhängen. So kann die
Arteriosklerose, vulgo "Gefäßverkalkung", Herzinfarkt oder Schlaganfall auslösen
und zum Verschluss der Blutgefäße in den Beinen führen. Die von der sogenannten
peripheren arteriellen Verschlusskrankheit Betroffenen können aufgrund der
Schmerzen kaum mehr gehen, Amputationen könnten nötig werden.
Klinische Forschung
Drei Teilbereiche soll das Forschungsprojekt umfassen. Der erste wird sich
mit den Mechanismen der Entstehung von Gefäßkrankheiten befassen. Hier sollen
grundlegende biochemische und molekulare Vorgänge in und zwischen den Zellen der
Gefäßwand aufgeklärt werden, um daraus Behandlungsansätze für die
Wiederdurchblutung von Organen und die Neubildung von Gefäßen zu entwickeln.
Im zweiten Bereich stehen die klinische Forschung sowie die praktische Versorgung und
Rehabilitation der Patienten im Vordergrund. Der dritte Bereich von Vascage will
sich der Vorbeugung, der Aufklärung über die Risikofaktoren und der
Früherkennung widmen. Die wissenschaftliche Leitung von Vascage
übernehmen Johann Willeit und Stefan Kiechl, die beide an der Universitätsklinik
für Neurologie der Medizinischen Universität Innsbruck tätig sind. Entwickelt
und begleitet wird das Projekt von der Tiroler Forschungsmanagementfirma Cemit.
Ende März will man sich um ein K-Projekt bewerben. K-Projekte sind Teil des
Kompetenzzentren-Programms Comet (Competence Centers for Excellent
Technologies). Ziel der Programmlinie K-Projekte ist die Initiierung von
hochqualitativer Forschung in der Zusammenarbeit
zwischen Wissenschaft und Wirtschaft. Geldgeber sind das Wirtschafts- und das
Verkehrsministerium, abgewickelt wird das Programm von der FFG. Wird das Vascage
bewilligt, dann soll es Anfang kommenden Jahres starten und maximal vier Jahre
laufen. Die Comet-Ausschreibung für K-Projekte läuft noch bis 29. März. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 08.02.2012)