Österreich im aktuellen EU-Innovationsbericht auf Platz acht
Österreich ist dem heiß ersehnten Ziel, Innovation-Leader zu werden, nicht
nähergekommen. Laut dem am Dienstag veröffentlichten EU-Innovationsbericht
(Innovation Union Scoreboard 2011) liegt das Land im Ranking auf Platz acht.
Zuletzt hatte man Platz sieben inne (Grafik).
Der Bericht zum Scoreboard weist darauf hin, dass sich Österreich als
Innovation-Follower bei der Anzahl der internationalen wissenschaftlichen
Kopublikationen verbessert habe. Schwächen hingegen zeigen sich bei den
Forschungsaktivitäten und erfolgreichen Überleitungen von Forschungsergebnissen
in den Markt bei den kleinen und mittleren Unternehmungen (KMU). Der Bereich
Venture-Capital ist verbesserungswürdig. Auch in der Akademikerquote liegt
Österreich nicht im Spitzenfeld, wie Verkehrsministerin Doris Bures in einer
Aussendung anmerkte.
Ruperta Lichtenecker, Wirtschafts- und Forschungssprecherin der Grünen,
fordert anlässlich des Berichts eine Staffelung der steuerlichen Begünstigung
für forschende Unternehmen, Forschungsprämie genannt, nach Betriebsgröße.
Kleinunternehmen sollen demnach eine Forschungsprämie von zwölf Prozent und
mittlere Unternehmen zehn Prozent bekommen. Für große Unternehmen würde die
Forschungsprämie acht Prozent betragen. Derzeit beträgt die Forschungsprämie für
alle Unternehmen zehn Prozent.
Der Innovationsökonom Andreas Schibany kritisierte bereits mehrfach eine
mangelnde Kontrolle bei der Vergabe der Forschungsprämie. Sie würde auch von
Unternehmen in Anspruch genommen werden, die nicht forschen. Er empfahl zuletzt
eine Kontrolle durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG.
Einen Tag vor Veröffentlichung des "Innovation Union Scoreboard" beantwortete
Finanzministerin Maria Fekter eine parlamentarische Anfrage des SPÖ-Abgeordneten
Kai Jan Krainer, die die Prämie und Schibanys Kritik zum Inhalt hatte, mit einem
Hinweis auf häufige "Außenprüfungen" der Großbetriebe. Fekter räumt in der
Antwort aber ein, dass die "Beurteilung der qualitativen
Anwendungsvoraussetzungen für die Forschungsprämien" ein "besonderes Maß an
Expertise" verlange, und kann sich offenbar eine "Beiziehung fachverständiger
Dritter als Gutachter" vorstellen. (pi/DER STANDARD, Printausgabe, 08.02.2012)