EU-Innovationsbericht

Ein "Follower", der gern "Leader" wäre

7. Februar 2012, 20:33

Österreich im aktuellen EU-Innovationsbericht auf Platz acht

Österreich ist dem heiß ersehnten Ziel, Innovation-Leader zu werden, nicht nähergekommen. Laut dem am Dienstag veröffentlichten EU-Innovationsbericht (Innovation Union Scoreboard 2011) liegt das Land im Ranking auf Platz acht. Zuletzt hatte man Platz sieben inne (Grafik).

Der Bericht zum Scoreboard weist darauf hin, dass sich Österreich als Innovation-Follower bei der Anzahl der internationalen wissenschaftlichen Kopublikationen verbessert habe. Schwächen hingegen zeigen sich bei den Forschungsaktivitäten und erfolgreichen Überleitungen von Forschungsergebnissen in den Markt bei den kleinen und mittleren Unternehmungen (KMU). Der Bereich Venture-Capital ist verbesserungswürdig. Auch in der Akademikerquote liegt Österreich nicht im Spitzenfeld, wie Verkehrsministerin Doris Bures in einer Aussendung anmerkte.

Ruperta Lichtenecker, Wirtschafts- und Forschungssprecherin der Grünen, fordert anlässlich des Berichts eine Staffelung der steuerlichen Begünstigung für forschende Unternehmen, Forschungsprämie genannt, nach Betriebsgröße. Kleinunternehmen sollen demnach eine Forschungsprämie von zwölf Prozent und mittlere Unternehmen zehn Prozent bekommen. Für große Unternehmen würde die Forschungsprämie acht Prozent betragen. Derzeit beträgt die Forschungsprämie für alle Unternehmen zehn Prozent.

Der Innovationsökonom Andreas Schibany kritisierte bereits mehrfach eine mangelnde Kontrolle bei der Vergabe der Forschungsprämie. Sie würde auch von Unternehmen in Anspruch genommen werden, die nicht forschen. Er empfahl zuletzt eine Kontrolle durch die Österreichische Forschungsförderungsgesellschaft FFG.

Einen Tag vor Veröffentlichung des "Innovation Union Scoreboard" beantwortete Finanzministerin Maria Fekter eine parlamentarische Anfrage des SPÖ-Abgeordneten Kai Jan Krainer, die die Prämie und Schibanys Kritik zum Inhalt hatte, mit einem Hinweis auf häufige "Außenprüfungen" der Großbetriebe. Fekter räumt in der Antwort aber ein, dass die "Beurteilung der qualitativen Anwendungsvoraussetzungen für die Forschungsprämien" ein "besonderes Maß an Expertise" verlange, und kann sich offenbar eine "Beiziehung fachverständiger Dritter als Gutachter" vorstellen. (pi/DER STANDARD, Printausgabe, 08.02.2012)

Kommentar posten
Posten Sie als Erste(r) Ihre Meinung

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.