ORF-Debatte

Eine Empörung, die Brechreiz verursacht

Kommentar der anderen | Norbert Roszenich, 7. Februar 2012, 22:21

Betrifft: Initiative von André Heller, Gerd Bacher, Peter Huemer

Betrifft: Initiative von André Heller, Gerd Bacher, Peter Huemer u. a., die, wie berichtet, seit Wochen bei Adressaten aus der Kunst- und Medienwelt um "Unterstützung für eine Beschwerde gegen die Rechtsverletzungen des Stiftungsrates" bitten. -

Hier die Begründung ...

Wir, Peter Huemer, Gerd Bacher, André Heller und andere planen eine Beschwerde bei der KommAustria gegen die ungesetzlichen Zugriffe der politischen Parteien auf den ORF. Die Gelegenheit, den ORF (zumindest weitgehend) davon zu befreien, ist günstig wie nie zuvor. Eine solche Hörer- und Seherbeschwerde muss von mindestens 120 Personen unterschrieben werden, welche Rundfunkgebühren zahlen oder in einem Gebühren zahlenden Haushalt leben.

Aus rechtlichen Gründen muss die Beschwerde spätestens am 10. Februar eingebracht werden. Wir sind eben dabei, diese 120 Beschwerdeführer/-innen zu sammeln, und würden uns über Ihre/Deine Unterstützung freuen.

Peter Huemer, Gerd Bacher,

André Heller

... und hier eine Antwort:

Sehr geehrte Beschwerdeführer! Schon vergessen? Bald nach seiner erstmaligen Ernennung zum ORF-GI bestellt Gerd Bacher 1968 den ehemaligen Redakteur des ÖVP-Pressedienstes Kurt Bergmann zum Hauptabteilungsleiter für Öffentlichkeitsarbeit im ORF. - Schon vergessen? Kurz vor Ablauf seiner ersten Amtszeit bestellt Bacher 1973 den inzwischen zum parteiunabhängigen TV-Experten mutierten Bergmann zum Intendanten des ORF-Landesstudios NÖ. - Schon vergessen? 1976 avanciert Bergmann trotz seiner langen parteiunabhängigen Tätigkeit beim ORF überraschend zum Bundesgeschäftsführer der ÖVP, wird 1977 von der ÖVP in das ORF-Kuratorium entsandt und revanchiert sich für seine bemerkenswerte ORF-Karriere, indem er 1978 Bacher bei dessen zweiter Bewerbung um den GI-Posten beim ORF erfolgreich unterstützt. - Schon vergessen? Bergmann war von 1979 bis 1990 ÖVP-Abgeordneter zum Nationalrat und ab 1980 Politischer Direktor des ÖVP-Parlamentsklubs. - Schon vergessen? Unmittelbar nach seiner dritten Ernennung zum ORF-GI bestellt Bacher 1990 den inzwischen neuerlich zum parteiunabhängigen TV-Experten mutierten Bergmann zum ORF-Generalsekretär.

Dass Bacher als ORF-General ein Produkt einer zutiefst provinziellen und reaktionären Geisteshaltung der ÖVP-Alleinregierung unter Josef Klaus war, habe ich noch in übelster Erinnerung. Dass Bacher sich aber nach all den parteipolitischen Übergriffen in seiner Amtszeit an die Spitze einer Unterschriftenaktion gegen "ungesetzliche Zugriffe der politischen Parteien auf den ORF" stellt, erzeugt in mir einen vehementen Brechreiz, der es mir leider nicht gestattet, Ihre ansonsten lobenswerte Initiative zu unterstützen.

Dr. Norbert Roszenich, ehem. Leiter der Forschungsabteilung im Wissenschaftsministerium  (Norbert Roszenich/DER STANDARD; Printausgabe, 8.2.2012)

Norbert Roszenich ist ehem. Leiter der Forschungsabteilung im Wissenschaftsministerium

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 90
1 2 3
(°)(°)
00
13.2.2012, 05:31
120 Gebührenzahler...

sollts bei uns schon gar nicht mehr geben...

Neues Österreich
00
12.2.2012, 23:25
Mir verursacht es schon Brechreiz wenn ich die

Typen Bergmann und Bacher nur sehe. Was den Heller anbelangt, so kann ich nur sagen, ein relativ harmloser Narr, der es versteht aus Nichts Geld zu machen, denn nicht er hat einen begnadeten Körper sondern er hat sich dieser Körper bedient und damit abgesahnt.

trace route
02
12.2.2012, 20:18
Bravo!

Genau das hatte ich mir selbst gedacht.

Dass Bacher jetzt so tut, als wäre er ein Lamm, da kommt wirklich Brechreiz hoch.

Im Grunde genommen ist der ORF unter dem jetzigen General zumindest soweit, eine Diskussion über diese politische Einflussnahme zuzulassen. Und im Endeffekt ging die Geschäftsführung auf die Kritik ein, und Pelinka wurde eben NICHT Sekretär der Geschäftsführung.

Unter Bacher hätte es das alles NIE gegeben! Das heißt, es hätte nicht die Diskussion gegeben, und es hätte kein Nachgeben der Geschäftsführung Bacher gegeben. Bacher hat seine politischen Günstlinge einfach durchgedrückt, und darüber wurde nicht mal berichtet. So schaut's aus. Da sind wir heute unter Wrabetz schon ein GEWALTIGES Stück weiter...

Ui Jessasna
30
12.2.2012, 15:03
Erinnerungen?

Roszenich kann sich präziese daran erinnern, dass Bergmann ein ÖVP-Mann war. Richtig, und das wiederholt er auch mehrmals, aber sonst nichts. Das ist dürftige Redundanz.
Meinen Erinnerungen zufolge hat Bacher keine ÖVP-Klientenpolitik gemacht, keinen Schwarzfunk kreiert, und gerade deshalb haben zu allen Bacher-Zeiten Rot und ebenso auch Schwarz an ihm herumgenörgelt. Er hat grundsätzlich jeden Parteieinfluß zurückgedrängt, sogut es möglich war. Für die damalige politische sozialistische Mehrheit war das Majestätsbeleidigung, zumindest Rosa hätte das ORF-Profil sein müssen. Und übrigens will ja keine Partei einen "parteifreien" Rundfunk.
Ein tieferes Erinnerungsvermögen würde bei Roszenich sicher zu weniger vehementen Brechreiz führen.

onlooker
00
23.2.2012, 15:17
sie können sich an diese zeit erinnern?,

dann denken sie einmal nach wer diesen bacher in diese position gehievt hat, er war nicht der unabhängige, sondern er war der övp zuzurechnen, und hat eine längst überfällige reform teilweise durchgeführt, die klaus regierung war sehr restriktiv, sonst hätte es diesen eklat in der damaligen hochschule für welthandel nicht geben dürfen, sie konnten sich in österreich keine jeans kaufen, dass war verboten, die waren nicht zu bekommen, bei der övp wurde alles was nach aufbruch ausgesehen hat nicht erlaubt, tiefstes mittelalter, die övp hat sich die ömv eingeheimst, die wichtigsten posten wurden von der övp besetzt, die leute haben nach einer erneuerung gehungert, und sie haben auch 1970 entsprechend gewählt, thanks god

Standard deviation
00
23.2.2012, 16:42
Also, dass vor 1970 in Ö. keine Jeans ....

zu kaufen gegeben hätte, ist Unsinn. Ich habe mir
schon in den 50ern als Teenager Jeans gekauft! Und
in den 60ern ständig Jeans getragen .

Die Spitze des reformierten ORF war durchaus ausge-
glichen: Bacher, Dalma (bürgerlich); Zilk und Kreuzer
(SPÖ). Kreiskys Gegenreform 1974 brachte den erfolglosen Oberhammer als GI und eine totale Rot-
einfärbung des ORF.

onlooker
00
23.2.2012, 18:07
wo haben sie sich den in den 50iger jahren ihre jeans gekauft?

in einem GI store? wenn man entsprechende quellen hatte bekam man alles in wien, der durchschnitt musste damit leben, und es war besonders in den 50iger jahren sehr restriktiv, oder haben sie davon nichts bemerkt? dann müssen sie aber sehr privilegiert gewesen sein,

Standard deviation
00
24.2.2012, 07:57

Meine ersten Jeans erstand 1958 ich als 12-Jähriger
in einem Textilladen in Meidling, im Beisein meiner
Mutter. Privilegiert war ich als Sohn eines Tischler-
meisters gerade nicht. Ich besuchte damals eine
Hauptschule.

In der Judengasse, Wien 1, gab es in den späten
50ern dutzende Geschäfte, die Jeans verkauften.
Auch am Lerchenfelder Gürtel wurde damals emsig
mit Jeans gehandelt.

onlooker
00
23.2.2012, 18:01
so sie habern mein leben gelebt? ein freund von mit hatte eine, die bekam er aber von seinem bruder aus deutschland,

ich selbst wollte mir eine in 1964 kaufen, sie war in österreich nicht erhältlich, behaupten sie nicht etwas, wass sie gar nicht wissen, es gab ganz einfach keine , wer weiss von wo ihre herkam und in welchem jahr das war, ich bekam letztendlich in 1964 auch eine aus deutschland, wir haben alle meinen freund bwundert, sah sehr chic aus,

Standard deviation
00
24.2.2012, 08:15
Verwechseln Sie da Ö. nicht mit einem Ostblockland?

Da waren Jeans als "westlich-kapitalistisches Kleidungsstück" nur unter der Hand zu bekommen.

In Ö. gab es eine funktionierende Marktwirtschaft.
Es bestand die Nachfrage und der freie Markt lieferte.

onlooker
00
24.2.2012, 10:30
wahrscheinlich haben sie recht,

aber es gab meines wissens damals keinen freien markt, da wir gar nicht über die devisen verfügten, sie konnten damals auch nur geld mit einer erlaubnis ins ausland transferieren, aber vielleicht waren sie damals noch zu jung, um diese periode zu verstehen, kann sein, aber vielleicht irre ich mich wie bei den jeans, und keiner meiner damaligen freunde hatte eine, wahrscheinlich sind sie eine ausnahme gewesen

Standard deviation
00
24.2.2012, 16:36

Nun als Jg. 1946 war ich so jung auch wieder nicht.
So weit ich weiß, waren die Restriktionen der Nach-kriegsjahre auch weitgehend verschwunden. Man
konnte problemlos amerikanische, britische und
französische Autos kaufen, vorausgesetzt man hatte
die notwendigen finanziellen Mitteln. Auch skandina-
vische Möbel waren damals sehr gefragt.

Also verglichen mit unseren östlichen Nachbarn, die
unter repressiven kommunistischen Regimes litten,
waren eine freie Gesellschaft.

Erika Rothen
32
12.2.2012, 09:33
Roszenich - whois?

Der vierte Zwerg von links macht sich wichtig?
Mit irgendwelcen Vorfällen von anno dunnemals begründet er seine Nichtunterstützung für ein wichtiges Projekt?

Haltungen wie die des Verfassers obigen Pamphlets sind schuld am Stillstand: "weil vor xy Jahren irgendwo irgendetwas schief gelaufen ist, dürfen wir heute einen Missstand nicht beseitigen"...

Klingt so, als habe der Typ bei Neugebauer 12 Semester "Aussitzen und Blockieren" studiert.

onlooker
10
23.2.2012, 15:27
sie sind zu jung um hier mitreden zu können,

wo war denn der fortschritt damals? in der zeit von klaus war tiefstes mittelalter, nichts war erlaubt, und dann traut sich ein bacher so etwas zu verlangen? wo war er den in der zeit schüssels? hat er dieses orfregime angegriffen?, frauen im orf konnten beleidigt werden, hat sich da jemand aufgeregt? keine frage reformen gehören her, keine frage, aber dann muss ich zu jedem thema stellung nehmen, ich habe diese geschichte mit pelinka als eine eselei gesehen, aber wenn ich mir die infos ansehe, die sind eigentlich gut, und der artikel von roszenich ist in ordnung, vielleicht nicht für sie, sie sind aber noch zu jung um hier mitzudiskuttieren

Tom93
22
10.2.2012, 20:14
hervorragender kommentar

bacher wird allerorten heroisiert. aber sein orf war nicht die BBC, sondern ein hinterwäldlerisch-konservatives övp-kampfmedium. darum ist das echt ein witz, wenn gerade DER sich für einen parteiunahängigen orf einzusetzen vorgibt!

Dr.Lion
14
Großartiger Kommentar.

Habe den Artikel wegen Auslandsreise erst heute im online-standard gelesen.

Bitte mehr vom großartigen Autor Rozsenich !

sakul
32
Gratulaton....

Herrn Roszenich ist zu gratulieren, einfach brillant wie er dem schamlosen "schwarzen" Bacher die Maske vom Gesicht reisst.
Es doch offensichtlich dass die Redakteure des ORF keinen "Mut" brauchten, um das einfache SPÖ-Parteimitglied Pelikan zu eliminieren; - doch wegschauen und sich "mutlos" geben, ist angebracht, als nun darum ginge, die im Rundfunk kürzlich versorgten Parteifunktionäre der Schwarzen und Blau-Orangen mit gleicher "Brutalität" anzugreifen und bloszustellen.
Da sind die Damen und Herren "Wolfs" sprachlos und demütig und verhalten sich feige, denn eine "Fehde" mit NÖ-Pröll oder Strache fordert tatsächlich "Mut und Stärke", doch dazu fehlt es den selbstgefälligen "Robin-Hoods"...

Ui Jessasna
10
12.2.2012, 15:17
sie san a Rudas-Poster, gelle?

sie schreiben fehlerhaft und ihr Stil ist nicht flüssig, auch inhaltlich verwenden sie Rudas'sche Worthülsen, mit einem Wort ganz ihre Chefin, dafür ein herzliches ROT..;-))))

onlooker
00
23.2.2012, 15:36
und was sind sie? sie werden doch nicht behaupten,

dass der wolf so grossartige interviews mit dem strache liefert, ja er ist feige und wenn er sieht er kann jemanden zerlegen, dann macht er es auch, aber bei den harten brocken zeigt sich seine feigheit, sonst reagiert er sehr abgehoben, als ob er nicht zu ersetzen wäre, und die kritik an bachers zeit, ist mehr als gerechtfertigt, und zu ihrer kritik an der grammatik und fehlern, meist die sonst nichts zu sagen haben, kommen mit dem fehlerschmäh, denn
können können sie sich in die nase stecken, ganz tief vielleicht bekommen sie mehr sauerstoff, den sie so notwendig brauchen

Stbo
 
11
10.2.2012, 12:52
Und Sie würden solchen Mut besitzen?

Welchen Beruf üben Sie aus und haben Sie dort schon Mut bewiesen? Oder sind Sie Pensionist?

onlooker
00
23.2.2012, 15:48
sie haben sich als pensionistenhasser geoutet,

hat irgendjemand schon dem pröll paroli geboten, diesen mut aber haben diese reporter nicht, aber auf die pensionisten losgehen, sie müssen es einmal schaffen in dieses alter zu kommen sie k*miker, sie müssen einmal für diese jugend etwas bezahlen, dann verstehen sie warum österreich so gut dasteht, es war harte arbeit, die sie wahrscheinlich nie mehr leisten müssen, denn den dreck vom krieg wegzuräumen das haben wir gemacht, unsere jugend war beim teufel, wir hatten keine, aber heute kommen die neunmal gescheiten und wollen den pensionisten sagen wos lang geht, die gescheiten jungen wissen schon wo es langgeht, nur die von der n*tur benachteiligten, können es nicht begreifen

Un veistu
47
Selbstmanipulation?

Auch Erinnerung kann - durch Weglassen -verfälschen. Von deutschen, Schweizer Sendern oder von der BBC wurde d. ORF unter Bacher als beispielhaft empfunden. Medienwissenschaftler berichten von d. Unabhängigkeit d. ORF und von der Schärfe der Interviews, etwa mit BK Dr. Klaus. Eine Härte, die im ORF seither nicht mehr erreicht wurde.
Bacher dekretierte : Bundesländer -Studios sind kein Landespolitiker-Eigentum: Landespolitiker waren unter Bacher Mangelware im FS!
Erst Kreisky machte dieser Unabh. ein Ende.
Dass ein geifernder Dr. Roszenich ganz im Sinne der kleinlichen SPÖ-Parteilinie die öffentlich-rechtl. Medien an die Kandare nehmen will, gereicht ihm zur persönl. Schande. Gratulation zur Gummi-Wirbelsäule, Herr Roszenich!

Johannes99
12
Bacher war ein eitler Selbstdarsteller,

aber ein guter GI. Wer hat den Franz Kreuzer geholt, Podgorsky groß werden lassen, den Zilk noch oben gelobt? Unter Bacher sind gute Leute groß geworden, und Ideen waren dazu da, umgesetzt zu werden. Dass ihn der Kanzler Klaus genausowenig geliebt hat wie Kreisky, ist ja in Erinnerung bzw. nachzulesen.
Ich will den Bacher nicht heiligsprechen, und dass auch unter ihm die Parteipolitik kräftig mitgemischt hat, hat er nie bestritten. Aber ihn als willfährigen Kasperl des Klaus hinzustellen ist dämlich.

a grinch in the matrix
01

kudos, roszenich!

zuschön
16
neben Bergmann nicht zu vergessen: Ernst Wolfram Marboe, der

seinerzeit im "cafe central" Thomas Bernhard gönnerhaft aufforderte, dem bürgerlich-reaktionären Publikum zu erklären, was er da halt so daher schreibt. Auch Marboe habe ich in unangenehmer Erinnerung als großbürgerliches G'scheiterl, der sich am liebsten selbst reden gehört hat.

Kommentar posten
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