Brüssel/Paris/Wien - Die EU-Kommission vermutet ein
Strombörsen-Kartell. Europäische Kontrolleure durchsuchten unangekündigt
Strombörsen in mehreren EU-Staaten, teilte die EU-Kommission am Dienstag in
Brüssel mit. An Strombörsen kaufen und verkaufen Unternehmen Energie. Weitere
Details teilte die Kommission vorerst nicht mit - noch gelte die
Unschuldsvermutung.
Nach Angaben der Leipziger Strombörse EEX fand eine Durchsuchung bei der
Tochter EPEX Spot in Paris statt. Die EEX selbst sei nicht betroffen, weder in
Leipzig, London oder Brüssel. Ein EPEX-Sprecher erklärte, dass die Razzia
vermutlich im Zusammenhang mit der Kooperation mit dem norwegischen Handelsplatz
Nordpool Spot stehe.
EPEX-Spot ist eine Tochtergesellschaft der EEX, die 2008 zusammen mit der
französischen Powernext gegründet worden war. Hier sind die Spotmarktgeschäfte
beider Börsen gebündelt. Am Spotmarkt wird Strom für den kurzfristigen Bedarf
gehandelt.
Die EPEX bestätigte auf ihrer Internetseite, sie unterliege derzeit einer
Inspektion durch die EU-Wettbewerbshüter. EPEX arbeite mit den Behörden
zusammen, um alle nötigen Informationen zu liefern.
Sollte sich herausstellen, dass die Betreiber der Strombörsen den freien
Wettbewerb behindern, drohen Geldbußen bis zu zehn Prozent des Jahresumsatzes.
Die Energy Exchange Austria (EXAA) in Wien war von den Durchsuchungen nicht
betroffen, wurde der APA am frühen Abend vom EXAA-Vorstand auf Anfrage erklärt. (APA/Reuters)