Viel Wind statt weißen Rauchs

Kommentar7. Februar 2012, 19:09
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Bei den roten Refugien ist Schwarz mit dem Sparstift zwar rasch zur Stelle, aber wenn es um eigene Domänen geht, wird man selbst schnell unlocker

Kurz vor Abschluss der Verhandlungen zum milliardenschweren Sparpaket zieht der schwarze Klubchef in der Wiener Zeitung über den roten Koalitionspartner her: dass der SPÖ aus Angst vor Meinungsumfragen der Mut für Reformen fehle; dass sie wegen ihrer "Fähnchen-im-Wind-Mentalität" konstruktive Debatten verweigere. Karlheinz Kopfs Botschaft: Nur die ÖVP sei willens, die heimischen Finanzen ernsthaft zu sanieren.

Hat sich der Mann in den letzten Tagen schon einmal in der eigenen Partei umgesehen? Da dreht und windet sich der Landwirtschaftsminister allein schon bei dem Gedanken, irgendeine Agrarsubvention anzutasten. Da beschwichtigt der Familienminister, dass die Familien diesmal keinesfalls zur Kasse gebeten werden. Da qualifiziert der mächtige Beamtengewerkschaftsboss Einschnitte für die Staatsdiener als "Herumpfuschen", ehe er sich in den Urlaub verabschiedet und es seinen Vizes überlässt, den Abschluss des Sparpakets zu blockieren. Und da klagt der Seniorenbundchef - genauso wie sein Pendant im roten Pensionistenverband -, dass die im Ruhestand sicher nicht die ganze Last schultern können, und versichert, dass Nulllohnrunden für Rentner nicht infrage kommen.

Bei den roten Refugien ist Schwarz mit dem Sparstift zwar rasch zur Stelle, aber wenn es um eigene Domänen geht, wird man selbst schnell unlocker. Sicheres Dagegenhalten trotz Gegenwinds sieht jedenfalls anders aus. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2012)

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