Prozess um Rotlicht-Kontrolle: "Er war sicher der Bad Cop"

7. Februar 2012, 19:22
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Polizist soll Prostituierte genötigt haben

Eisenstadt - "Der Kollege hat den Dienst immer vollkommen korrekt und gesetzeskonform durchgeführt", sagt sein Vorgesetzter über den 49-jährigen Polizisten. Er habe halt "eine sehr schroffe, forsche Art" gehabt; nach dem Filmklischee "Good Cop - Bad Cop" war er "sicher der Bad Cop".

Das mit dem "Bad Cop" können andere Zeugen im Landesgericht Eisenstadt bestätigen - das mit dem "vollkommen korrekt und gesetzeskonform" hingegen nicht. Eine ehemalige Prostituierte berichtete in einer aufgezeichneten Befragung, dass der angeklagte Beamte sie während einer "Privatkontrolle" begrapscht habe, worauf sie aufgesprungen sei und das Zimmer verlassen habe. Der Polizist habe "mit jeder einzelnen von uns dieses Spielchen gemacht - entweder zahlen wir die Strafe oder wir befriedigen ihn mit dem Mund oder sonst irgendwie".

"Nur net anlegen"

Ein Nachtklubbesitzer berichtet, er habe sich "gewundert über die massiven und aggressiven Kontrollen". Über den Beamten sei ihm erzählt worden: "Der führt sich auf, der geht die Mädchen an, schickt sie in einen Extraraum und begrapscht sie dort." Er habe sich aber gedacht, "nur net anlegen mit der Polizei". Bis ihm ein Mädchen ein SMS geschickt habe: "Bitte schnell kommen, große Probleme mit Polizia." Im Betrieb seien dann "alle aufgebracht" gewesen. Er habe gehört, dass der Beschuldigte eine der Frauen zu Hause aufgesucht habe.

Der Prozess wurde vertagt. Ein weiterer Lokalbetreiber, ein Kellner und möglicherweise eine Prostituierte sollen noch befragt werden. (APA, frei, DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2012)

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