Foglar, Tumpel und die "Verursacher der Krise"

Kolumne | Hans Rauscher, 7. Februar 2012, 18:59

Das üppige Frühpensionssystem ist ebenso Verursacher der Staatsschuldenkrise wie die Finanzspekulation

Wir haben sie. Wir haben die "Verursacher der Krise" - zumindest laut ÖGB- Präsident Erich Foglar. Sie sind mittlere bis höhere Angestellte (sagt man AngestelltInnen?), Freiberufler oder Klein- und Mittelunternehmer, mitsamt Familie. Diese Leute haben im Zuge eines nichtarbeitslosen Lebens Eigentum erworben: Eigentumswohnung, Eigenheim, Ferienhaus, ein paar Anleihen, Sparguthaben. Früher galt das als sozial erwünscht. Sie sind zehntausende, ja hunderttausende.

Aber: Sie sind die "Verursacher der Krise und müssen einen maßgeblichen Beitrag" leisten, sagte Foglar am Montag in Brüssel.

Denn was Foglar und sein Kompagnon Herbert Tumpel, Präsident der Arbeiterkammer, im Sinn und der SPÖ als Kampfauftrag mitgegeben haben, trifft ja voll die (mittlere bis obere) Mittelschicht. Die SPÖ will eine Erbschafts- und Schenkungssteuer ab 300.000 Euro. Für diesen Betrag kriegt man in einer Kleingartensiedlung am Wiener Schafberg 500 m2 plus Abbruchhäuschen. Oder eine 100-m2-Eigentumswohnung innerhalb des Gürtels. Foglar und Tumpel würden auch gerne Vermögenssubstanzsteuern zu Lebzeiten haben, etwa ab 500.000 Euro. Kurzum, "Verursacher der Krise" ist jeder mit etwas privatem Eigentum.

Foglars Logik zufolge haben diese Leute die amerikanische Subprime-Krise ausgelöst, Griechenland in den De-facto-Staatsbankrott gestürzt, die meisten europäischen Staaten in eine gefährliche Verschuldung getrieben und die österreichischen Banken zu einem "overexposure" in Osteuropa veranlasst. Wie haben sie das gemacht? Das muss ja eine riesige Verschwörung der heimischen Mittelschichtler gewesen sein, um so aberwitzige Summen in Bewegung zu setzen. Sie müssen geheime Verbindungen zur internationalen Hochfinanz gehabt haben, gleichzeitig aber auch enormen politischen Einfluss, um die staatlichen Schuldenberge zu erwirken.

Margit Schratzenstaller vom Wifo hat in ihrer STANDARD-Kolumne die sehr plausible Rechnung aufgemacht: Von 1980 bis 2007 ist die Schuldenquote von 35 auf 60 Prozent des BIPs hauptsächlich durch Ausbau des Wohlfahrtsstaates und unterlassene Reformen gestiegen. Dann kam der Schub der Krisenkosten: nochmals 15 Prozent durch Bankenhilfen und Konjunkturprogramme.

Davon haben alle profitiert, und da müssen wir jetzt alle "maßgeblich beitragen". Tatsächlich werden ja "vermögensbezogene Steuern" kommen. Und die sind auch grundsätzlich argumentierbar (ein paar Haken gibt es): eine Umwidmungsabgabe, die satte Gewinne aus Umwidmung von Grün- in Bauland besteuert; der Wegfall der Steuerbegünstigung beim Verkauf privater Immobilien; ebenso das Ende der Steuerbegünstigung für das 13. und 14. bei hohen Gehältern ab 150.000 Euro.

Was jedoch nicht geht, ist das von Foglar und Tumpel im Stil des Politbüros des Zentralkomitees der KPdSU vorgetragene "Njet" bei den (Früh-)Pensionen. Das üppige Frühpensionssystem ist ebenso Verursacher der Staatsschuldenkrise wie die Finanzspekulation, das bestätigt jeder Experte mit Berufsethos. Es gibt begründete Frühpensionen, aber viel mehr dubiose. Der eine strebt als Lebensziel halt ein langes Berufsleben und die Bildung von Eigentum an, der andere eine möglichst frühe und möglichst ungeschmälerte Pension. Die Kosten der Krise müssen sie eben beide tragen. (DER STANDARD, Printausgabe, 8.2.2012)

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NoPod
00
13.2.2012, 00:21
Apropos Sauschädel

Wie hat der beim Onkel Konrad gemundet? Da waren sie ja samt dem Grafen und anderen Leistungsträgern?

NoPod
02
13.2.2012, 00:16
Zitat: "sagt man AngestelltInnen?"

Diese Anmerkung ist bezeichnend für den Stil ihrer Kommentare. Ich frage mich schon lange, warum sich der Standard so einen schlechten Journalisten leistet. Dieser Kommentar wäre bestenfalls in der Krone angebracht, aber selbst dort erdreisten sich die RedakteurInnen nicht, so einen Schwachsinn zu schreiben. Abgesehen davon ist ihr Kommentar inhaltlich falsch. Einnahmen aus Vermögen tragen zum BIP 0,5 bei. Im neolibelen Großbritannien sind es 4% . Einzig unsere Ex kommunistischen Nachbarn Tschechien und die Slowakei, unterbieten uns noch marginal. FrühpensionistInnen resultieren aus Kündigungen älterer ArbeitnehmerInnen und deren Unvermittelbarkeit am Arbeitsmarkt oder weil sie sic kaputt geschuftet haben.

Benjamin Klein
11
12.2.2012, 14:20
Das "üppige" Pensionssystem

wird ja nur von Sozialdemokratischen Arbeiter und Angestellten ausgenutzt,

unser Bauern schuften bis zum Umfallen und gehen erst mit 58 und die Bäuerinnen erst mit "greisen" 56 Jahren,

unsere ÖVP-Beamten rackern überhaupt bis zur Erschöpfung und gehn erst mit dem methusalemalter von 56 bzw. 58 Jahren,

aber das ist nicht "üppig",
und die PVA muß die Ersparnisse bringen,
die paar kreuzer Zuschuß die die SVB verbraucht, so matte 82% aus dem Steuertopf, sind nirgendwo zu erwähnen, .....

ja nicht nür "üppig" sondern auch noch Blind auf beilden "rechten" Augen .....

rrrn
 
10
10.2.2012, 07:51
Die wahren Bremser

sind "F"POe/K, B"Z"Oe ... mit ihrem Chaos (EU raus, EU rein, EU raus ..., zuerst fuer ITER (Kernfusion), dann dagegen (als es um die hochdotierten Jobs ging), Martin Graf (3. NR-praesident) hat die Austrian Research Center heruntergewirtschaftet ...) und die OeVP (Postenschacher an Unis ...). Dann Buwog, Telekom, Hypo Alpe Adria ...

somussesnichtsein
21
vermögensverteilung

in österreich

http://www.arbeiterkammer.at/bilder/d1... eilung.pdf

Soft Werker
00
13.2.2012, 04:44
Aha, von der Arbeiterkammer...

...das ist ja dann mit Sicherheit gaaanz objektiv...

somussesnichtsein
10
ein paar informationen

für die ach so gut informierten ahnungslosen über steuergerechtigkeit und vermögenverteilung in diesem land!

http://noe.arbeiterkammer.at/bilder/d1... fakten.pdf

http://noe.arbeiterkammer.at/bilder/d1... eilung.pdf

flotter denker
13
Guter Artikel. Stimmt

roderick
62
in letzter Zeit..

kommt es mir wirklich schon so vor, daß Herr Rauscher bei der falschen Zeitung arbeitet. Sklaventreibers-"Presse" wär idealer. Die "Frühpensionisten"(Schlagwort für Nichtwisser!) sind mittlerweiler sein Feindbild und für die Wirtschaftskrise und das Defizit (mit-/haupt-)verantwortlich. Lächerlich. JEDER Unternehmer hat doch ein Schwarzgeldkonto in CH oder LIE. Das sind die richtigen Kriminellen, die dem Staat Milliarden kosten. Und von den (Groß-)Bauern ganz zu schweigen.

fahrenheit4711
00

ich vermute eher, dass herrn rauscher die arbeitsunfähigkeitspension verwehrt wurde.

Henry44
22
JEDER Unternehmer hat doch ein Schwarzgeldkonto in CH oder LIE

Ich vermute, dass Sie kein Unternehmer sind.

Allerdings beweisen Sie mit dieser Feststellung, dass Sie von der realen Wirtschaft keine Ahnung haben.

Am besten, Sie werden Unternehmer, dann würden Sie sehr bald hart am Boden aufschlagen und an ein Schwarzgeldkonto wo auch immer würden Sie nicht denken.

H K 60
24
Blanke Wahrheit

nur noch zu ergänzen mit ein paar Fakten, die weh tun:
1. wenn eine Gesellschaft nichts mehr anderes als Freizeit und Fun ins Zentrum rückt (man höre das Jammern der Ö3-ler an jedem Montag, dass das Wochenende vorbei sei und die Freude aufs Wochenende an Do und Fr)
2. wenn extrem lange Ausbildungszeiten mit der kürzesten Wochenarbeitszeit und der frühesten Pensionierung zur WELTWEIT KÜRZESTEN LEBENSARBEITSZEIT kombiniert werden
3. und wir dank eines hervorragenden Gesundheitssystems Gott sei Dank extrem alt werden,
dann müssen wir den internationalen Wettbewerb und damit auch unseren Wohlstand verlieren.

Europa ist dort, wo Rom, Athen, Persien und Ägypten waren: übersättigt und bequem! Leistung ist "verdächtig", Fun ist alles!

Management Quatscher
04

Bitte nehmt den wegen Burn Out invalide gewordenen Beamten nix weg. Diese Menschen leiden unendlich. Nur eine Fernreise kann das Leid dieser Menschen etwas lindern. Unmenschliche Grausamkeiten werden hier auf dem Rücken der Kolleginnen und Kollegen aus dem öffentlichen Dienst geplant. Menschenverachtend und zynisch. Die Burn Out Pensionisten sind verzweifelt.

somussesnichtsein
29
selbstverständlich lieber herr rau

ist es vollkommen unmöglich und wirklich eine sauerei müsste doch dann der erbe einer wohnung die 500.000 Euro wert ist ganze 1000 Euro (0,5% von 200.000) erbschaftsteuer zahlen!

aber selbstverständlich ist es ja viel besser und auch einsichter und was auch sonst noch, diese 500 euro jedes jahr einem pensionisten abzunehmen....

bringt ja jedes jahr was - und das arme hascherl von einem erben wird dann hoffentlich dankbar für die 1000 euro sein leben lang schwarz wählen....

das wirklich traurige an dem vorgang ist jedoch, dass die unfähigen roten dem wahrscheinlich zustimmen werden!

schämen sie sich herr rau und auch sie herr faymann!

flotter denker
00
So eine Erbschaftssteuer waer sinnlos

Aber Sie meinen sowieso eher eine Vermoegenssteuer, die man jaehrlich zahlt. Ja, und die waer ja auch ok.

Sarah L.
 
00

ein augenöffner! - dankeschön!

Henry44
00
Nein, so eine Erbschaftssteuer wäre in Ordnung,

nur, wer wird den Verkehrswert jeder einzelnen Wohnung feststellen?

Sind 0,5% der von AK und ÖGB vorgeschlagene Satz? Weder auf der Homepage des ÖGB, noch auf jener der AK habe ich Näheres dazu gefunden.

Kann sein, dass Sie die Vermögenssteuer meinen?

somussesnichtsein
00
nein meine die erbschaftsteuer für

direkte nachkommen, also kinder.
für andere wird diese natürlich höher ausfallen.

bei höheren beträgen steigt der satz dann auch für kinder an.

soviel ich gesehen habe steht das in den vorschlägen des ögb!

persönlich halte ich jedoch eine vermögensteuer durchaus für angebracht!

baneck08
01
achja

Jene, die FÜR eine Wiedereinführung sind, bashst du als a priori ebenso wie die Gegner ...

Das nennst du dann sicher "Wutbürger" ...

somussesnichtsein
00
an baneck08

so wie es aussueht sind faymann und co bei der durchsetzung einer erbschafts-u.schenkungsteuer wieder einmal umgefallen!das halte ich denen vor!

stelle mir vor was zb kreisky den schwarzen gesagt hätte:

"also meine herren, so geht das nicht, wenn sie nicht wollen werden wir neuwählen."

die schwarzen hätten nachgegeben!

Gobi Todic
01

s&p begründung:

die raika (und auch anderen) bankenverstrickungen im osten PLUS die ankündigung nur ausgabenseitig sparen zu wollen haben zur abstufung geführt.

das kann der raikaschreibknecht -rau- natürlich nicht zugeben.

somussesnichtsein
01
den rauscher interessiert das ganze

überhaupt nicht.
der schreibt was von ihm erwartet wird.

wahrscheinlich im voreilenden gehorsam....

eigentlich ein trauriger job....

Harald Herrmann
01
Ein bisschen recherchieren statt übler Polemik...

stünde auch Rauscher gut an: Staatsschulden (in % des BIP) 2007 - 60,7%, 2011 - 72,2%. Klar dass das Alles von den bösen Beamten und den faulen Pensioniten verursacht wurde. Es gab ja keine Hypo-Alptraum Adria, keine Bankenkrise, schlicht: alles wäre ganz super ohne die bösen Pensionisten und Beamten (ah ja, auf die Lehrer sollte man dann auch noch ein bissal hinhauen). Journalisten sollten halt, auch wenn sie Eigeninteressen haben, diese nicht in jeden Artikel einfliessen lassen....

Michael Holzermayr2
46
Hut ab, Herr Rauscher!

Diesen Artikel habe ich Ihnen nicht zugetraut.

Sarah L.
 
00

ich schon.

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